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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Fahrten auf dem oberen Yangtse. 
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erforderlich war und viel Spritzwasser übergenommen wurde, Auch die Strom- 
schnelle Miaukitsetan (Mia-ki-tse) mußte mit »äußerster Kraft«. passiert werden. 
In der Durchfahrt Kitschuangtse (Ki-tchoang-tse) waren die mitten im. Flusse 
liegenden Steine bis auf einen vom Wasser bedeckt. In der Stromschnelle 
Örrtauhsi (Eul-tao-ki), durch die man um 1% 46° fuhr, genügte »alle Fahrt«, 
da dort nur mäßige Wirbel waren. Dagegen mußten die Stromschnellen Huang- 
schitsui (Hoang-che-tsuei) um 2b 5" und Nganpingtan (Ngan-pin-t’an) um 
ah 14min mit »Äußerster Kraft« durchfahren werden, Um. 3b 4min wurde oberhalb 
Kueitschoufu (Kwei fu) am linken Ufer auf 10 m Wasser mit B-B:-Anker und 
40 m Kette geankert; dann wurde ein Heckanker mit 40 m Trosse ausgebracht 
und eine Stahlleine an. Land eingegraben, ; 
Zurückgelegt waren 48 Sm in 3 Stunden bei mittleren Umdrehungen für 
10 Kn Fahrt, und man hatte 16 Kn Fahrt über den Grund gemacht. . 
In Kueitschoufu mußte das Schiff wegen. der unbeständigen Witterung 
meistens mit klaren Maschinen liegen, Das Wetter war in der. Nacht vom 18. 
auf den 19. Mai am unangenehmsten durch plötzlich aufkommende und mit 
Windstärken bis zu Stärke 8 umspringende Gewitterböen. Solche . Witterungs- 
verhältnisse sind auf dem oberen Yangtse im Frühjahr. besonders unangenehm; 
weil der Wind plötzlich mit großer Stärke aufkommt und.man sich auf den 
Ankergrund nicht verlassen kann, aber auch keinen Raum zu treiben hat. Man 
schützt sich. dagegen durch eine Stahltrosse, die. an Land an einem starken Stein 
oder Baum festgemacht oder an einer Spier befestigt und tief in die Erde ein- 
gegraben wird, sowie dadurch, daß man. die Maschinen und nachts auch den 
Scheinwerfer klar hält. Da für den Dampferverkehr auf dem oberen Yangtse 
noch keine Ausweichevorschriften festgelegt sind, ist es bei Fahrten unterhalb 
Wanhsien zwischen den Kanonenbooten und dem Dampfer »Shutung» Brauch, 
sich gegenseitig über die Abfahrtszeiten zu unterrichten, um in den engen 
Schluchten und Stromschnellen Kollisionen zu vermeiden, Die »Shutung« hatte 
von Itschang aus telegraphiert, sie werde am 15, Mai dort abfahren, und war 
demnach am 16. abends in Kueitschoufu zu erwarten; so daß S. M. S. »Otter« 
am 17. Mai hätte. weiterfahren können; die »Shutung« konnte aber den Yetan 
nicht überwinden und verständigte S. M. S. »Otter« hierüber durch ein Telegramm, 
das am 18. ankam und auf das hin man die Abfahrt auf den 19. Mai. festsetzte. 
Das Wasser, das Mitte Mai für diese Jahreszeit ungewöhnlich niedrig ge 
wesen war, war vom 17. an in je 2 Stunden etwa 8 Zoll (0.20 m) gestiegen und 
stand am 19. Mai morgens bei der Abfahrt gegen 14 Fuß (4.27 m) höher als 
am 16. Mai. Man lichtete um 82 50min Anker und nahm zunächst Umärehungen 
für 10 Kn Fahrt auf, lief aber schon. um 9b 5min mit. »äußerster Kraft« in die 
Kueitschoufu-Schlucht ein.. Hier verengt sich der Fluß auf etwa 100m und 
macht dann eine Biegung von 16 Strich. Die heftigen Wirbel in der Schlucht 
nehmen bei steigendem Wasser mit der Geschwindigkeit des Stromes zu, Um 
9b 238min mußten die Umdrehungen für 12 Kn Fahrt aufgenommen werden, weil 
starker Wind von vorn und viele Wirbel: im Flusse die Steuerfähigkeit beein- 
trächtigten. Die Stromschnelle Pautsetan (Pao-tse-tan) wurde um 9? 39min mit 
»äußerster Kraft« durchlaufen. Hier nahm das Schiff viel Wasser über und im 
Auslauf der Stromschnelle waren mehrere starke Wirbel, gegen die mit viel 
Ruder gearbeitet werden mußte. 
Um 10% hatte man die Stadt Wuschau (Ou-chau) quer und steuerte in 
die Schlucht dort hinein. Dann passierte man um 12% 6min die Stromschnelle 
Niukotan (Nieou-keou-t’an) mit »äußerster Kraft«, weil besonders starker Strom 
mit heftigen Wirbeln lief. Diese setzen im Auslauf scharf auf das rechte Ufer 
zu. Auch der Yetan wurde um 12% 28min mit »äußerster Kraft« passiert. Er 
lief mit seiner ganzen Stärke, doch ist dort, und zwar bei jedem Wasserstande, 
die Wirbelbildung mäßig. Bei der Talfahrt liegt die Gefahr darin, daß man aus 
dem Hauptstrom .heraus- und in den scharfen Aufstrom gesetzt werden kann, 
wodurch das Schiff plötzlich herumgedreht und: auf das felsige Ufer zu gesetzt 
werden würde, Kurz vor Eintritt in die Schnelle brachen einer Dschunke, die 
sich über den Yetan holte, die Leinen und sie trieb zurück, blieb aber glück-
	        
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