Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1929.
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Male Margarinefabriken über die bevorstehende Witterung beraten, um ihre Ware
dementsprechend herstellen und versenden zu können. Die Wetterdienstleiter
konferenz, die im Anschluß an die Direktorenkonferenz im Herbst des Berichts
jahres in Weimar stattfand, wurde besucht. Die Wetterdienststelle beteiligte sich
an der Kanusportausstellung in Hamburg und beschickte mit reichem Ausstellungs
material die große Landwirtschaftsausstellung für Schleswig-Holstein vom 8. bis
14. Mai. Besondere Kurse in Schulen wurden nicht veranstaltet.
e) Klimatologie und Auskünfte.
Die Veröffentlichung der Ergebnisse von zehn Normalbeobachtungsstationen
in den Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie als monatliche
Übersicht über die Witterung an der deutschen Küste wurde fortgesetzt.
Vom Meteorologischen Jahrbuch (Beobachtungssystem der Deutschen Seewarte)
ist Jahrgang 1926 in Druck gegeben. Leider mußte hierbei wiederum die gekürzte
Form wie im Vorjahre gewählt werden. Der Mangel an Personal und an geldlichen
Mitteln ließ es noch nicht zu, die rückständigen Jahrgänge 1927 und 1928 nachzuholen.
An dem Stande der überseeischen meteorologischen Beobachtungen, wie
er im letzten Jahresbericht gegeben ist, hat sich wenig geändert. Das große
Interesse des Herrn Gesandten Dr. Weiß in Havanna (Cuba), der meteorologische
Werte von Cuba einschickte, verdient besondere Erwähnung.
Die schriftliche und mündliche Auskunfterteilung über vergangenes Wetter
(besonders für Gerichtsverhandlungen) hatte wieder erheblichen Umfang.
f) Instrumentendienst.
1. Die Station I. Ordnung im Hauptgebäude der Deutschen Seewarte.
Die im vergangenen Jahre vorbereitete Neuaufstellung des Böenschreibers
und der Instrumente im Wetter dienstzimmer wurde durchgeführt. An Stelle
des etwa 4 m hohen, eisernen Gestells auf dem Westturm, über dem sich in
1 bzw. 3 m Höhe die Windfahnen, Staudüsen und Schalenkreuze der Anemo
graphen befanden, wurde im April ein einzelner Mast errichtet. Windfahne,
Staudüse und Kontaktanemometer befinden sich seitdem etwa 11 m über der
Brüstung (12 m über der Plattform) des Turms. Die Höhe der Windfahne
über dem mittleren Wasserstand der Elbe beträgt 61.5 m. Der Mast ist aber
nicht wieder in der Mitte des Turms aufgeführt, sondern dicht an die Brüstung
gesetzt, um den registrierenden Teil des Anemographen aus der Mitte des
Wetterdienstzimmers, wo er sehr ungünstig stand, nach der Wand versetzen zu
können. Der an dieser Wand stehende Anemograph Steffens-Grosse wurde dafür
außer Betrieb genommen. An der gleichen Wand sind jetzt auf fest in der
Mauer verankerten Marmorplatten die anderen, früher an verschiedenen Stellen
im Wetterdienstzimmer stehenden Instrumente (Barographen und Chronographen)
aufgestellt. Die Stromzuführung zu den Registrierinstrumenten wurde ganz neu
angelegt. Die Akkumulatoren sind jetzt zur besseren Wartung in einem Vorraum
des Bodens untergebracht (bisher in einem Verschlag unter der Treppe). Eine
neue Ladeeinrichtung ist eingebaut. Im Oktober wurde der registrierende Teil
des Anemographen durch einen neu aufgearbeiteten ersetzt und eine neue Wind
fahne mit direkter Übertragung eingebaut.
Neu beschafft und aufgestellt wurde ein registrierender Regenmesser nach
Hellmann. Der auf dem Dache stehende Pluviograph (Hornersche Wippe) mußte
vollkommen aufgearbeitet werden, da die Kontakte und die Heizvorrichtung durch
den Hafensod gänzlich zerstört waren. Die Kugel des Sonnenscheinautographen
wurde geeicht.
Die Überwachung und Wartung der Instrumente erfolgte durch den Fein
mechaniker der Versuchsanstalt, unter dessen Leitung auch der Umbau der
Instrumente im Wetterdienstzimmer geschah.
2. Außenstellen.
a) Normalbeobachtungsstationen und synoptische Stationen. Auch
in diesem Jahre mußte der größte Teil der verfügbaren Mittel für behelfsmäßige
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