Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1928.
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deutschen Wissenschaft den Indischen und Pazifischen Ozean bereisen wird, um
die Geographie dieser beiden Ozeane in ähnlicher Weise wie sein Werk „Geo
graphie des Atlantischen Ozeans“ zu bearbeiten, begab sich im Oktober 1928
nach England und Holland, um dort mit den zuständigen Regierungsstellen,
Universitäten und wissenschaftlichen Gesellschaften Verbindungen für die bevor
stehende Reise anzuknüpfen.
Das große Verständnis und dankenswerte Entgegenkommen der Hamburg-
Amerika Linie, des Norddeutschen Lloyd, der Hamburg-Süd amerikanischen
Dampfschiffahrtsgesellschaft, der Ostafrika- und Woermann-Linie für die maritim
meteorologischen und ozeanographischen Arbeiten der Deutschen Seewarte er
möglichte es, die im Jahre 1922 begonnenen Forschungsfahrten, die für die Er
forschung der höheren Luftschichten als wissenschaftliche Grundlage der maritimen
Meteorologie und insbesondere im praktischen Interesse der Ozeanluftfahrt von
größter Wichtigkeit sind, weiter fortzusetzen.
Es wurden durchgeführt:
1. die am 10. Dezember 1927 durch Reg.-Rat Dr. Pummerer und Dr. Steiner
begonnene 8. Forschungsfahrt nach Brasilien und dem La Plata. Sie
wurde am 18. März 1928 beendet;
2. die durch Dr. Klein und Dr. Wittenbecher ausgeführte 9. Forschungs
fahrt nach den Kanarischen Inseln vom 10. Februar bis 19. März 1928.
Als ein bedeutsamer Schritt vorwärts in der dauernden Beobachtung der
Windverhältnisse in den höheren Luftschichten über dem Atlantischen Ozean ist
die Durchführung, die sofortige Auswertung und funkentelegraphische Vermitt
lung von Pilotaufstiegen durch deutsche Schiffsoffiziere auf großen Passagier
dampfern zu berichten. Im Jahre 1928 wurden zwei solcher Stationen einge
richtet, eine auf der New York-, die andere auf der La Plata-Fahrt. Es besteht
die Absicht, weitere solcher ständigen Höhenwindmeßstellen einzurichten und
eine weitere Anzahl von Schiffsoffizieren für diese Arbeit zu gewinnen. An
der ersten Fahrt einer neuen Bordstation nimmt stets als Einweiser ein in
Bordpilotieren erfahrener Meteorologe der Deutschen Seewarte teil, so Dr. Soltau
auf der „Monte Olivia“ nach dem La Plata und Dr. Lohr auf „Cleveland“ nach
New York. Durch diese dankenswerte freiwillige Mitarbeit der Deutschen Schiffs
offiziere ist Deutschland auf dem Gebiet der Höhenwindmessungen auf dem
Atlantik in der Lage, neues grundlegendes Material zu schaffen, jedoch können
die bisherigen Arbeiten erst als Anfang bezeichnet werden.
Auf der 90. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und
Ärzte im September in Hamburg waren als stellvertretende Einführende für die
Sektion Geographie einschließlich Ozeanographie und die Sektion Geophysik
einschließlich Meteorologie von seiten der Seewarte die Professoren Schott,
Schulz und Kuhlbrodt mitbeteiligt; von Seewartenangehörigen hielten Vorträge
die Herren Schott über ein ozeanographisches Thema, Kuhlbrodt, Georgi und
Seilkopf über meteorologische Themen.
b) Teilnahme der Deutschen Seewarte an Tagungen und Sitzungen,
die für ihre Tätigkeit von besonderer Bedeutung waren.
Vertreten war die Deutsche Seewarte:
Durch den Präsidenten, Kapt. Karbiner, Kapt. Schubart, Kapt. Luensee und
Dr. Seilkopf beim XV. Seeschiffahrtstag in Hamburg am 30. Juni;
durch den Präsidenten und Dr. Ahlgrimm bei der Tagung der Internationalen
Unterkommission für das maritime Wetternachrichtenwesen in Paris vom 14. bis
19. Mai, sowie bei der Tagung der Internationalen Kommission für das synop
tische Wetternachrichten wesen in London vom 29. Mai bis 1. Juni;
durch den Präsidenten, Prof. Dr. Kuhlbrodt, Dr. Perlewitz, Dr. Heidke, Dr. Klein,
Dr. Ahlgrimm, Wetterdienstleiter Gilcher bei der Direktorenkonferenz und der
Tagung der Wetterdienstleiter in Stuttgart im Oktober;
durch den Präsidenten, Prof. Dr. Schott, Prof. Dr. Kuhlbrodt, Dr. Seilkopf,
Dr. Gentzen, Dr. Heis, Dr. Markgraf, Dr. Rieth, Kand. Rodewald bei der