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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1928.
In enger Verflechtung mit dem gesamten Betrieb der ozeanographischen
Abteilung steht nach wie vor die hydrographische Mitarbeit bei der deutschen
wissenschaftlichen Kommission für Meeresforschung (Sitz Berlin; Vorsitzender
Staatssekretär Dr. Heinrici). Diese Interessengemeinschaft ist, wie wohl ausge
sprochen werden darf, beiderseitig bedingt. Offizielles Mitglied dieser Kommission
ist der Abteilungsvorstand Prof. Dr. Schott, Assistent Dr. F. Zorell, Reg.-Rat
Prof. Dr. Schulz ist aber auch fast ständig hervorragend mit hiermit zu
sammenhängenden Arbeiten beschäftigt, im Berichtsjahr z. B. mit der Fertig
stellung der gesamten hydrographischen Ergebnisse der sogenannten Barents
meer-Expedition, die er 1927 auf dem Reichsforschungsdampfer „Poseidon“ ge
leitet hatte (s. Jahresbericht 1927, S. 34). Prof. Schott war 1928 im Dienste
dieser Kommission und des Internationalen Rates für Meeresforschung dreimal
in Kopenhagen; Dr. Zorell und Kapt. Hat je übernahmen die hydrographischen
Messungen auf einer Untersuchungsfahrt des „Poseidon“ 1928 im August in die
nördliche Nordsee (Leiter Prof. Dr. Ehrenbaum-Hamburg), und Dr. Zorell
allein bei einer Fahrt desselben Schiffes in die südliche Nordsee im No
vember/Dezember 1928 (Leiter Prof. Dr. Mielck-Helgoland).
Hierher gehört auch die ab 1. April 1928 auf drei Dampfern der Hamburg-
Amerika Linie zwischen Cuxhaven und New York eingerichtete Sammeltätigkeit
von Proben des Oberflächenwassers des Nordatlantischen Ozeans, die dauernd
fortgehen soll, aber nach den bisherigen vorläufigen Erfahrungen wohl noch
methodisch etwas abgeändert werden wird, sowie die entsprechende, zunächst nur
für ein Jahr vorgesehene Sammeltätigkeit von je zwei Oberflächenproben Ostsee
wasser täglich durch die deutsche Eisenbahnfähren „Deutschland“ und „Preußen“
auf der Strecke Saßnitz—Trelleborg.
Daß durch diese Erweiterungen der Untersuchungen aut See das meeres
chemische Laboratorium der Abteilung weiter belastet wurde, muß betont werden.
Hinsichtlich des geophysikalischen Kolloquiums und der dabei erfolgten Be
rücksichtigung der Meereskunde vergleiche man den Gesamtbericht S. 32 f.; über
die nebenamtliche Tätigkeit des Prof. Schott und des Prof. Schulz an der
Universität vergleiche Abschnitt „Vorträge“. Dr. Schumacher übernahm den
meereskundlichen Teil gelegentlich des für Seefahrtschullehrer im November
abgehaltenen Informationskursus.
XIII. Bericht über die Tätigkeit der Abteilung; Zeitschriften der Deutschen
Seewarte und Bibliothek (A/B).
a) Schriftleitung der „Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie“.
Der Jahrgang 1928 der Zeitschrift erreichte mit 408 Seiten angenähert den
Umfang des vorjährigen; den Wiederaufbau des Organs zum Vorkriegsumfang
(700 Seiten) hat die Not der Gegenwart noch nicht ermöglicht. — Auf die ver
schiedenen Wissensgebiete entfielen folgende Beitragszahlen ohne Berücksichtigung
der Auszüge aus den Schiffstagebüchern, der Besprechungen, Nauener und
Witterungstabellen: See- und Luftnautik einschließlich Erdmagnetismus 23,
Hydrographie und Gezeitenkunde 29, Meteorologie und Flugwesen 33, Instru
mentenkunde 5, Sonstiges 9. Von den Mitarbeitern waren 66 Gelehrte, 44 Nau
tiker. — Als Flugsonderheft Nr. 2 wurden unter dem Titel „Meteorologie aus
dem Gebiete der See- und Küstenluftfahrt“ die in den Heften 1927, XII bis
1928, IV in den Annalen veröffentlichten betreffenden Beiträge nochmals für
Flugzwecke zusammengestellt. — Anläßlich der Hundertjahrfeier der Gesellschaft
für Erdkunde zu Berlin (Mai 1928) wurde — nicht als Beiheft der Annalen —
ein Sonderheft „Meereskundliche Beiträge“ herausgegeben, das außer einer
auch in den Annalen erschienenen Abhandlung noch je einen Beitrag über den
Eisnachrichtendienst und über Aero-Ozeanographie sowie eine Übersicht über
die nach dem Kriege in den periodischen Veröffentlichungen der Seewarte er
schienenen meereskundlichen Aufsätze enthielt. Dieses Heft ist nur in einer
Auflage von 300 Stück hergestellt worden; es ist nicht im Buchhandel zu haben,
auch ist es an der Seewarte vergriffen.