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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1928.
Wolkendecken, wobei des öfteren mehrere Wolkendecken in einer Dicke von
wenigen 100 m bis 4200 m durchflogen worden sind. Als flugbehindernde
Wetterlagen wegen zu großer Gefahr für Maschine und Insassen kamen für die
Flugstelle in Frage: Nebelwetterlagen, ausgenommen Bodennebel, bei denen die
Sicht unter 500 m herabging, Wetterlagen, bei denen die geschlossene Wolken
decke bis unter 200 m herabging, und Sturmwetterlagen, bei denen die Windge
schwindigkeit über 20 m/sec aufwies.
Die erreichten Höhen bei den 273 Aufstiegen verteilen sich auf folgende Stufen:
Monat
0 bis 1000 m bis 2000 m
bis 3000 m
bis 40Ü0 m
bis 5000 m
bis 6000 m
bis 7000 m
über 7000 m
I
— 1
1
10
3
II
i
—
1
1
4
8
—
III
2 —
—
—
2
6
20
—
IV
1
—
1
6
13
1
V
— 3
—
1
2
1
19
—
VI
— 1 2
—
1
—
4
19
—
VII
— 3
—
—
2
12
10
VIII
2
2
—
8
6
1
IX
1 —
1
2
5
5
17
2
X
1
1
2
4
8
5
—
XI
7 —
1
—
3
7
2
—
XII
2 1
l
1
2
15
2
—
13 10
6
10
22
86
122
4
Die mittlere Höhe der 244 Aufstiege über 3000 m beträgt 5720 m, die größte
Höhe 7200 m mit Junkers A 20.
244
Aufstiege,
das
sind
89% erreichten
Höhen
über
3000
m,
234
11
11
11
86%
11
11
4000
m,
212
11
11
11
78%,
11
11
5000
m,
126
11
11
11
46%
11
11
6000
m und
4
11
11
11
1.5%, „
11
11
7000
m.
Von den 273 Flügen wurden 205 mit Junkers A 20, 59 mit Fokker D VII
und 9 mit Junkers A 35 ausgeführt.
Bei sämtlichen Flügen führte der Pilot Fritz Neuhaus die Maschinen.
Zur Beurteilung der Querlage der Maschine wurde in die Junkers A 20 eine
Gyrorektoranlage eingebaut, die sich im Laufe des Jahres sehr gut bewährte.
Es konnten darum mit der A 20 Wolkenflüge durchgeführt werden, während
die Fokkermaschine nur bei lockerer Bewölkung für Hochaufstiege angesetzt
werden konnte.
In der kälteren Jahreshälfte trat bei den Wolkenflügen mehrfach eine Ver
eisung der Stirnteile der Maschine ein. Die Vereisung war aber nie so stark,
daß die Flugeigenschaften merklich herabgesetzt wurden. Wohl trat aber eine
Vereisung der Staudruckdüse mehrere Male ein, wodurch die Kontrolle über die
Geschwindigkeit der Maschine verlorenging. Dank der großen Erfahrung des
Piloten bildete dies aber keine Ursache zum vorzeitigen Abbrechen eines Höhen
aufstieges. Der Temperaturunterschied zwischen der jeweils wärmsten und
kältesten Schicht eines Aufstiegs wies einen ausgesprochenen jährlichen Gang auf,
in den Wintermonaten lag er in der Nähe von 30° und in den Sommermonaten
bei 40°. Die größten Temperaturunterschiede wurden im April und im Mai
mit 55° angetroffen. Die tiefste Temperatur bei den Aufstiegen des Berichts
jahres wurde am 10. Mai in 6340 m Höhe mit 46.6° erreicht.
Außer den angeführten meteorologischen Flügen wurde noch eine große
Anzahl kleinerer Versuchs- und Probeflüge ausgeführt. Ferner einige Flüge,
bei denen Strahlungsmessungen durch einen Doktoranden der Göttinger Univer
sität angestellt wurden, und einige Flüge, bei denen die Wirkungsweise und
Handhabe eines Libellensextanten ausprobiert wurden.
Die meteorologischen Ergebnisse der Flugzeugaufstiege wurden sofort nach
Auswertung der Flugwetterwarte zugesprochen, damit sie mit dem nächsten
Funkspruch durch den Fuhlsbütteler Sender verbreitet wurden, ferner der
Wetterdienstabteilung zur Veröffentlichung im Wetterbericht der Seewarte.