Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1928.
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Blätter ergänzt werden soll. Als Aufgabe ergab sich, im Rahmen eines Karten
werks vorgeschriebenen Umfangs — in Form von 2 Blättern 13 und 14 der
Monatskarte — in anschaulicher Weise die Kenntnis der mittleren meteorolo
gischen Verhältnisse des Südatlantischen Luftmeeres zu vermitteln, soweit sie
für Luftfahrten und für deren meteorologische Beratung Bedeutung haben.
Neben Darstellungen des Druck- und Stromfeldes der Luft in Meeresnähe ent
hält die Karte für die Höhen von 500, 1000, 1500, 2000, 2500 und 3750 m Strom-
linien-Darstellungen, Vierteljahrskarten der Nebelverhältnisse und Karten der
mittleren Sicht- und Bewölkungsverhältnisse.
c) Ozeanflugberatung.
Der erste erfolgreich durchgeführte Nonstop-Flug in ostwestlicher Richtung
von Hptm. Köhl, Frh. v. Hünefeld und Major Fitzmaurice wurde, da sein Start
in Baldonell erfolgte, vom Air Ministry in London beraten.
Die Beratungstätigkeit von S begann mit der telegraphisch durchgeführten
Beratung des Luftschiffes „Italia“ der Nobileschen Nordpolexpedition für den
Fahrtabschnitt Stolp-Vadsö in der Zeit vom 1. bis 3. Mai.
Sodann hatte S von Ende Juni bis Ende Juli die Fernberatung des bereits
erwähnten Langstreckenfluges Pisa — Cadiz —Las Palmas—Cadiz—Lissabon —
Coruña—Travemünde durchzuführen, für welchen Zweck täglich den jeweiligen
Startplätzen Übersichten über die Wetterlage und Vorhersagen für den vor
liegenden Streckenabschnitt telegraphisch zugeleitet wurden. Ein zweiter, im
September telegraphisch beratener Langstreckenflug von Pisa aus kam nicht
mehr zustande.
Im Herbst war das Luftschiff LZ 127 „Graf Zeppelin“ in der Zeit vom
11. bis 15. Oktober während der Amerikafahrt und in der Zeit vom 29. Oktober
bis 1. November während der Rückfahrt von Amerika mit Wetterberichten zu
versehen, die wie bei der Amerikafahrt des L Z 126 im Oktober 1924 Über
sichten über die Wetterlage auf dem Ozean und den angrenzenden Festländern,
Schiffsmeldungen und Vorhersagen für die noch vorliegenden Luftstrecken ent
hielten. Dieser Dienst war ganz wie bei früheren Ozeanluftfahrten aufgezogen,
indem die Berichte zu festen Sendezeiten viermal täglich über die postalische
Hauptfunkstelle Norddeich drahtlos übermittelt wurden.
Um die Möglichkeit einer Fernberatung für den Nordweg des Atlantischen
Luftverkehrs zu erproben und Erfahrungen mit Flugwetterprognosen für diesen
Weg zu sammeln, wurde das Vermessungsschiff „Meteor“ auf seiner Island—
Grönland-Fahrt als Versuchs-Luftfahrzeug betrachtet und von Ende Juli bis
Anfang September täglich mit Wetterübersichten und Flugwettervorhersagen
versehen. Diese Vorhersagen wurden auf dem versuchsweise in Fuhlsbüttel
aufgestellten Kurzwellensender der Flughafenfunkstelle dem „Meteor“ zugestrahlt,
wobei leider nicht in allen Fällen eine Übermittlung gelang. Die Sammlung
der für die Ozeanflugberatung benötigten Wetterfunksprüche brachte der F-T.-
Station eine sehr erhebliche Mehrarbeit.
d) Erfahrungssammlung im Flugwetterdienst des Küsten- und Seeflugverkehts.
Die Erfahrungen der im Flugwetterdienst der Deutschen Seewarte be
schäftigten Meteorologen konnten durch eine ganze Anzahl Flüge im Luftver
kehr der Deutschen Luft Hansa wesentlich erweitert werden. Durch Teilnahme
an einigen Flügen der Deutschen Verkehrsfliegerschule und der Severa konnten
ebenfalls wertvolle meteorologische Beobachtungen an der Küste und auf See
eingebracht werden. Berichte über die Flüge sind teilweise in den Ann. d. Hydr.,
teilweise in den von der Leitung des Höhenwetterdienstes herausgegebenen Er
fahrungsberichten des Deutschen Flugwetterdienstes veröffentlicht.
Bis zum Winter 1927/28 vorliegende flugmeteorologische Erfahrungen aus
dem nordwestlichen Deutschland konnten zusammenfassend bearbeitet werden;
die Arbeit ist als Fortsetzung der 1926 im Köppenheft der Ann. d. Hydr. er
schienenen Bearbeitung veröffentlicht. Hierbei ist versucht worden, die im
Flugwetterdienst gewonnenen Beobachtungen aus dem Gebiete der orographischen
Meteorologie systematisch zusammenzufassen und an langjährige klimatologische