Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1928.
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X. Seeflugreferat (S).
a) Allgemeines.
Die Tätigkeit vom Seeflugreferat gliedert sich immer schärfer in vier in
sich geschlossene Aufgabenkreise: Meteorologische Vorarbeiten für einen trans
ozeanischen Luftverkehr, Ozeanflugberatung, Erfahrungssammlung im Flugwetter
dienst des Küsten- und Seeflugverkehrs und Lehrtätigkeit. Gegenüber dem
Vorjahre sind die Anforderungen von S besonders hinsichtlich der meteorologischen
Vorarbeiten, der Flugberatung und der Lehrtätigkeit gestiegen. Hinzu kommt,
daß die beiden Meteorologen von S infolge von Erkrankungen und Beurlaubungen
auf der Flugwetterwarte Hamburg-Fuhlsbüttel und der wissenschaftlichen Flug
stelle mehrmals wochenlang vertreten mußten. Der Personalbestand von S ist
der gleiche wie im Vorjahre.
b) Meteorologische Vorarbeiten für den Transozean-Luftverkehr.
1. Forschungsfahrten.
Durch die Unterstützung des Reichsverkehrsministeriums, Abteilung Luft
fahrt, und der Reedereien konnte im Berichtsjahre das Forschungsprogramm auf
dem Atlantischen Ozean in enger Zusammenarbeit von III, Meteorologischer Ver
suchsanstalt und S weiter durchgeführt werden. Die am 10. Dezember 1927 nach
Rio und dem La Plata ausgelaufene 8. Forschungsfahrt mit Reg.-Rat Dr. Pummerer
und Dr. Steiner kehrte Mitte März zurück. Sie hat einige Wochen in Rio de
Janeiro bei dem Deutschen Condor-Syndikat gearbeitet, dessen Entgegenkommen
eine Reihe wertvoller aerologischer Meßflüge an der brasilianischen Ostküste
ermöglichte. Besonders dankenswert war es, daß auf einem Erkundungsfluge
von Rio nach Porto Alegre Höhenwindmeßgerät mitgenommen werden konnte,
so daß auf verschiedenen Landeplätzen längs der Küste Höhenwindmessungen
durchgeführt werden konnten. Im Februar und März führte die 9. Forschungs
fahrt mit Dr. Klein und Dr. Wittenbecher nach Las Palmas auf den Canarischen
Inseln, zugleich um dort eine Höhenwindmeßstelle einzurichten. In außerordentlich
dankenswerter Weise hat dort bis zu seiner Erkrankung Herr Siefken von der
Woermann-Linie Höhenwindmessungen ausgeführt.
Das Entgegenkommen der Reichsmarine, die der Deutschen Seewarte auf
ihrem Vermessungsschiff „Meteor“ für eine Fahrt nach Island—Grönland von
Ende Juli bis Anfang September Plätze zur Verfügung stellte, ermöglichte es,
diese Fahrt der planmäßigen Erkundung der meteorologischen Verhältnisse an
dem Nordw r ege transatlantischen Luftverkehrs nutzbar zu machen. Die Fahrt
ging von dem Nordwesten Islands bis in die Ostgrönland-See, dann längs der
grönländischen Ostküste um Kap Farewell nach Julianehaab, so daß Gelegenheit
gegeben war, bis in die arktischen Gewässer vorzustoßen.
Die Entwicklung drängt jedoch dahin, nicht nur auf einzelnen Forschungs
fahrten Stichproben von den Strömungsverhältnissen zu gewinnen, sondern zu
versuchen, laufend Höhenwindmessungen vom Ozean zu erhalten. In entgegen
kommender Weise haben sich die großen Reedereien und ihre Schiffsoffiziere
zur Verfügung gestellt, an Bord ihrer Handelsschiffe Höhenwindmessungen aus
zuführen. Im Berichtsjahre war es möglich, von den zunächst bewilligten vier
Höhenwindmeßstellen auf Handelsschiffen zwei in Betrieb zu nehmen: A an
Bord des Motorschiffes „Monte Olivia“ (Beobachter: II. Offizier Bertram) der
Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffahrtsgesellschaft auf der Linie Ham
burg—La Plata und B an Bord der „Cleveland“ (Beobachter: Zunächst II. Offizier
Danker, später II. Offizier Franiel) der Hamburg-Amerika Linie auf der New York-
Fahrt. Die Ergebnisse dieser Höhenwindmessungen werden mit dem nächsten
Seeobstelegramm drahtlos gemeldet. An der ersten Fahrt jeder Station zur Ein
richtung der Höhenwindmeßstelle und zur Einweisung der Offiziere nahm je ein
Meteorologe teil, an der Einweisungsfahrt A von Ende April bis Ende Juni
Dr. Soltau, an der Einweisungsfahrt B von Anfang August bis Anfang September
Dr. Lohr. Durch die Teilnahme der Meteorologen an den Einweisungsfahrten
konnte auch sonst ein umfangreiches meteorologisches Beobachtungsmaterial ein