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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1928.
Durch Rundfunk (Orag) verbreitet wurden:
1. Wetternachrichten mit Wettervorhersagen um 1100 Uhr, wiederholt um
1200 Uhr und 1300 Uhr; neue Wetternachrichten mit Vorhersagen etwa
um 2000 Uhr, wiederholt etwa 2100 oder 2200 Uhr.
2. Sturmwarnungen möglichst sofort nach ihrer Herausgabe und im An
schluß an den nächsten Wetterbericht.
3. Eisberichte der deutschen Küste während des Winterhalbjahres in deutscher
und englischer Sprache im Anschluß an den Wetterbericht um 1100 Uhr,
wiederholt etwa um 1810 Uhr.
Seit dem Juni wurden an den Wochentagen regelmäßig wieder Wetter
besprechungen abgehalten,
b) Wetterwarte Stettin.
1. Allgemeines.
Am 1. April 1928 übernahm Regierungsrat Dr. Perlewitz die Leitung der
in der Wetterwarte vereinigten drei Dienstzweige, deren gemeinsame Registratur
2123 Buchnummern aufwies. Eine Stenotypistin (D. Müller vom 1. April bis
30. Oktober und B. Berthold vom 1. Dezember ab) wurden im Öffentlichen
Wetterdienst neu eingestellt. Am 1. Juli mußte eine Hilfskraft der Flug
wetterwarte (Kapt. Baltosee) entlassen werden.
Bei der Aufnahme der Funkobse zeigten sich immer stärker werdende Stö
rungen, die besonders durch die Sender der drahtlosen Telephonie und des
Rundfunks verursacht wurden, hoffentlich lassen sich diese Störungen im neuen
Jahr durch Beschaffung einer neuen Apparatur beheben.
2. See Wetterdienst.
Durch Außerdienststellung der Marine-Nachrichtenstelle Swinemünde hörte
ab 1. Oktober die Verbreitung von Sturmwarnungen durch Scheinwerfer auf.
Die Aufstellung und Verbreitung der Hafentelegramme für die mittlere
Ostsee erfolgte seit dem 1. Juli nicht mehr von der Deutschen Seewarte in
Hamburg, sondern von ihrer Zweigstelle Stettin aus.
3. Öffentlicher Wetterdienst.
An zehn Stellen in der Provinz und an sechs Plätzen in Stettin sind Aus
hangstellen für unsere Wetterkarten neu geschaffen, dazu kommen im Sommer
acht Aushangstellen in Seebädern.
Erstmalig wurde der Sommer-Reisewetterdienst eingeführt und mit täglichen
Morgenbeobachtungen aus unserem Bezirk, aus Swinemünde, Kolberg und Saßnitz,
beliefert.
Täglich wurden unmittelbar bedient: 4 Zeitungen in Stettin und 12 in der
Provinz, mittelbar durch W. T. B. und T. U. 12 auswärtige Blätter. Neu ist
die Abgabe von Wochenwetterberichten für 9 Prozinz- und 2 Stettiner Zeitungen.
Die Auflage der täglichen Wetterkarte beträgt 120, davon bezahlen 70 Bezieher.
Der Auskunftsdienst wurde im Sommer durch die Streufliegerkolonne
der Schädlingsbekämpfung in den Kiefernwäldern Ostpommerns in Anspruch
genommen. Im Winter wurden häufiger als sonst von der Industrie und von
Privaten, besonders auch von der Binnenschiffahrt, Auskünfte über bevorstehende
Witterung angefordert. Der Schneesportdienst fand eine weitere Verbreitung
bei Zeitungen und Verkehrsvereinigungen.
4. Flugwetterdienst.
Haushaltsmäßig waren nur zwei Meteorologen und eine Hilfskraft (wesent
lich als Funker) vorgesehen. Von diesen war Dr. Bell vom 7. Mai bis 2. Juni
nach Königsberg, vom 15. Dezember bis Jahresende nach Hannover und Dr. Troll
vom 23. Juli bis 13. September an Bord des „Meteor“ zur Fahrt nach Island
und Grönland abkommandiert.
Das Personal der Wetterwarte nahm an Flügen teil nach: Stolp und zurück (drei
mal), Danzig, Königsberg und zurück (zweimal), Breslau und zurück, Berlin und zu
rück, Swinemünde und zurück (zweimal), Sellin und zurück, Stockholm und zurück.