Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1928.
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3. Versuchs- und Beobachtungstätigkeit. Die mit dem registrierenden
Solarimeter nach Prof. Gorczynski begonnenen Versuche werden mit gutem
Erfolg fortgesetzt. Ein vorläufiger Bericht ist im Druck. Mit Rücksicht auf
gewisse Einwände des Preußischen Meteorologischen Observatoriums in Potsdam
wurde eine neue Thermometersäule mit einer auf 50 mm in Durchmesser ver
größerten Glaskuppel beschafft. Ein Angström-Pyrheliometer ist in Auftrag
gegeben. Als Vertreter der Deutschen Seewarte in der Instrumenten-Kommission
der Direktoren-Konferenz hat Dr. Georgi die Prüfung der Frage begonnen,
wieweit durch Anbringung der aufnehmenden Organe (Thermometer-Elemente,
Haarbündel) im Inneren der Instrumentenkästen die Ergebnisse gefälscht
werden. Besonderen Dank schuldet die Deutsche Seewarte der Uhrmacher-
Fachschule in Altona für die Umarbeitung einer Kontakt-Pendeluhr und für
mannigfachen Rat und Beistand.
Durch Herrn stud. nat. Findeisen wurde ein eingehender Vergleich der
drei Typen des Wigandschen Sichtmessers durchgeführt. Für den Physiker
Herrn Dr. Stoecker wurden besondere Vorrichtungen geschaffen für eine
experimentelle Bearbeitung der Sichtzerstreuung verschiedener Farben im Nebel.
Ebenso wurden Versuche im Windkanal ermöglicht und unterstützt, die Herr
Prof. Lenz, Ordinarius für theoretische Physik in Hamburg, durch einen Schüler
zur Frage der Entstehung der Wellen ausführen läßt.
Die Beobachtungen einer Station I. Ordnung wurden fortgeführt. Die neue
von Bodenstörungen weitgehend befreite Anemometeraufstellung bewährte sich
vortrefflich. Die Prüf- und Untersuchungseinrichtungen waren nach Maßgabe
des vorhandenen Personals vorwiegend für die Deutsche Seewarte und andere
wissenschaftliche Institute in Tätigkeit. In Verbindung mit luftelektrischen
Untersuchungen von Dr. Markgraf erfolgte die Wartung der beiden Registrier
stationen Hamburg und Buxtehude durch den Feinmechaniker Fr. Friedrichs.
4. Instrumentelle Arbeiten und Versuchs Werkstatt. Durch die
unter 2. aufgeführten Arbeiten sowie die laufende Instandhaltung und teilweise
Grundüberholung der meteorologischen Instrumente im Hauptgebäude der See
warte war die Versuchswerkstatt in hohem Maße überlastet, so daß zahlreiche
Aufgaben anderer Art zurückgestellt werden mußten. Neben der Aufstellung
von drei neuen Bordpilotstationen sind zu erwähnen: Aufarbeitung eines Böen
schreibers Steffens-Hedde für die Versuchsanstalt, Aufstellung eines Sonnen
schein-Autographen, der Feuchteprüfeinrichtung nach Dr. Bongards und eines
registrierenden Regenmessers, Aufstellung eines Böenschreibers Steffens-Hedde
bei der Deutschen Verkehrsfliegerschule Warnemünde und der Marinenachrichten
stelle Bülk, Zusammenbau und Justierung eines solchen Apparates für Alten
walde; Bau eines Reserve-Thermo- und Hygrographen, Anfertigung einer Schalt
tafel für Umformerstation und Akkumulatorenladung. Zahlreiche Reparaturen
und Umänderungen an meteorologischen Instrumenten der Seewarte und ihrer
Außenstellen, der Bordstationen und der Forschungsfahrten. Insbesondere be
suchte der Werkstattleiter die Schiffe mit Bordpilotstationen regelmäßig während
der Liegezeit im Hamburger Hafen und führte mehrere Dienstreisen aus.
5. Auskünfte, Lehrtätigkeit und Besuche. Die Versuchsanstalt war
mit 2 Tagen an dem diesjährigen Kursus für Seefahrtsschullehrer beteiligt. Sie
wurde häufig zu Auskünften und Gutachten herangezogen. Unter der beträcht
lichen Zahl von Besuchern sind zu nennen: Prof. La Cour, Prof. M. Knudsen,
Kopenhagen; Prof. H. U. Sverdrup, Bergen; Commander J. P. Ault von „Carnegie“
mit 7 Mitarbeitern; die Proff. Lüdeling-Berlin, W. Lenz-Harnburg, Friedr. Hund-
Rostock; Seefahrtschul-Direktoren Krauß-Stettin, Reuter-Wesermünde, Janßen-
Leer; Seefahrt - Oberlehrer Ahrenholz-Wesermünde, mit einer Schifferklasse,
Dr. Pfleiderer, Leiter der bioklimat. Forschungsanstalt Wyk/Föhr. Die Teil
nehmer an den meteorologischen Übungen im Rahmen der Volkshochschule
Hamburg besuchten mehrfach die Anstalt zu Studienzwecken.
B. Instrumenten-Referat.
1. Bei der Station I. Ordnung im Hauptgebäude der Seewarte wurde
der Wagebarograph vollständig überholt, eine neue große Thermometerhütte wurde