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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1928.
Ein zweiter Kurzwellenempfänger mußte zur Kontrolle des über den
Fuhlsbütteler Kurzwellensender verbreiteten „Funkobs Nacht“ und „Funkobs
Europa“ in Betrieb genommen werden.
c) Wetterdienst und Täglicher Wetterbericht.
Auch im vergangenen Jahre wurde der allgemeine Wetterdienst Tag und
Nacht laufend durchgeführt. Der Dienst für die deutschen Küsten und heimischen
Meere wurde weiter regelmäßig versehen mit den Witterungsübersichten und
Vorhersagen enthaltenden „Hafentelegrammen“, dem „Funkwetter Norddeich“
für die Nordsee, mit den Berichten durch den Hochseerundfunk Norddeich für
Nord- und Ostsee, für die Hochseefischereigebiete (auch Island), ferner durch
den Rundfunk (Norag) für Nord- und Ostsee und durch Wind- und Sturm
warnungen. Die Flotte erhält zweimal täglich besondere, eingehender durchge
arbeitete Wetterberichte und Vorhersagen für die Nord- und Ostsee. Die Morgen
wetterkarte (des öffentlichen Wetterdienstes) und die Abendwetterkarte wurden
weiter täglich herausgegeben.
Der Wetterdienst für den Nordatlantischen Ozean wurde wie bisher durch den
täglichen „Ozeanfunk“ ausgeführt, im Umfang von etwa 100 Worten, ausgestrahlt
von Norddeich. An Hand dieses Funkspruches ist es für die Schiffe möglich, sich
ein Bild von der Wetterlage über dem Ozean zu machen; z. T. sind hiernach
Bordwetterkarten gezeichnet worden. Das dringend Erstrebenswerte ist jedoch
die Ergänzung dieses Funkspruches durch die obenerwähnte Bildfunkwetterkarte.
Der Tägliche Wetterbericht der Seewarte erschien in dem bisherigen
Umfange von sechs Seiten. Seine Herstellung geschieht jetzt nach strafferem
Arbeitsplan; für die Güte seiner Durcharbeitung ist es vorteilhaft, daß ständig
dieselben beiden Meteorologen (Dr. Markgraf, Rodewald) und auch dieselben
Hilfskräfte den Bericht herstellen. Der Bericht ist infolge des Anwachsens der
Wettermeldungen nicht mehr vollständig; so sind vor allem die täglich ein
laufenden Schiffsmeldungen oft so zahlreich, daß sie nur zum Teil aufgenommen
werden können. Aber gerade in der Vollständigkeit liegt der große Wert dieses
Berichts. Sein Umfang muß auf 8 Seiten vermehrt werden. Diese dringende
Aufgabe ließ sich aus Personalmangel jedoch nicht durchführen. Auch ist es
aus diesem Grunde bedingt, daß die Sonntagsberichte erst am Montag erscheinen
können, was für die Bezieher von großem Nachteil ist.
Im Täglichen Wetterbericht gelangten erstmalig die drahtlos übermittelten
Höhenwindmessungen der Höhenwindmeßstellen der Seewarte auf Handelsschiffen
auf hoher See zur sofortigen Veröffentlichung. Es sei erwähnt, daß durch die
Durcharbeitung und Veröffentlichung der Wetterkarte der Nordhalbkugel eine
Verfolgung der aufgetretenen tropischen Orkane und damit eine rechtzeitige
Warnung auch von hier aus im Ozeanfunk möglich war.
Die „Korrekturen und Nachträge" des Berichts wurden bis zum letzten
Vierteljahr ergänzt.
d) Öffentliche Wetterdienststelle und Wirtschaftswetterdienst.
Die Tätigkeit wurde im wesentlichen weitergeführt. In Verbindung mit den
anderen öffentlichen Wetterdienststellen wurde ein Sommer-Reise-Wetterdienst
neu eingeführt, der die Morgenmeldungen und die Witterung der vergangenen
letzten 24 Stunden aus den bekanntesten Bade- und Kurorten Deutschlands ent
hielt. Dieser Dienst hat beim Publikum Anklang gefunden, wird aber von einem
Teil der Kurdirektionen als gegen ihr Interesse laufend bezeichnet. Neu auf
genommen wurde ein Beratungsdienst für die Importeure der landwirtschaft
lichen Erzeugnisse aus den Hauptanbaugebieten Europas. Hier wurden Berichte
über die vergangene Witterung und Voraussagen des Witterungscharakters der
nächsten 24 Stunden gegeben. Des weiteren wurde neu eingeführt ab 1. Dezember
die Beratung des gesamten Blumeneinfuhrhandels. (Blumen-Großhandels Ver
band, Sitz Hannover), der täglich ein Telegramm bekommt mit den voraussicht
lichen Temperaturen auf dem Transportweg von der Riviera und von Holland
bis zu den einzelnen Gebieten Deutschlands.