26
Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1928.
VIII. Bericht über die Tätigkeit der Abteilung III (Meteorologie).
a) Allgemeines.
Die umfangreiche und vielseitige Tätigkeit der Abteilung wurde in fünf
soweit als möglich selbständig arbeitenden Referaten durchgeführt: 1. Wetter
nachrichtendienst (Dr. Ahlgrimm, Dr. Claaßen). 2. Allgemeiner Wetterdienst und
täglicher Wetterbericht (Dr. Gentzen, Dr. Markgraf). 3. Klimatologie und Auskunft
(Dr. Heis, Dr. Krömer). 4. Instrumentenwesen und meteorologische Versuchs
anstalt (Dr. Georgi, Dr. Wittenbecher). Öffentliche Wetterdienststelle und Wirt
schaftswetterdienst (Wetterdienstleiter Gileher, Dr. Wegeleben).
Der Abteilung gehören 13 Meteorologen an, von denen zwei von der Öffent
lichen Wetterdienststelle, zwei von dem Wirtschaftswetterdienst gestellt werden.
Alle Meteorologen haben außer an dem umfangreichen Referatdienst auch an
dem Tag und Nacht ununterbrochen stattfindenden allgemeinen Wetterdienst
teilzunehmen. Diese Doppelarbeit stellt eine erhebliche Belastung dar; alle
Kräfte müssen eingesetzt werden, um die laufende praktische „betriebsmäßige“
Arbeit, die besonders durch den Wirtschaftswetterdienst stark angewachsen ist,
durchzuführen. Es besteht ein großer Personalmangel. Die Folge ist, daß die
wissenschaftliche Seite der meteorologischen Tätigkeit fast ganz zurückstehen
mußte. Wichtige wissenschaftliche und für die Praxis dringend notwendige
Aufgaben liegen vor, die aus Personalmangel nicht bearbeitet werden können.
Das ist ein Zustand, der auf die Dauer unhaltbar ist.
Über die herausgegebenen Arbeiten der Abteilung siehe Abschnitt XV.
b) Wetternachrichtendienst.
1. Wettertelegraphie.
Durch die Aufnahme der täglichen Wettermeldungen von Warnemünde,
Helgoland und Adlergrund-Feuerschiff in das „Funkobs Deutschland“ wurde
das synoptische Wetternachrichtennetz über Deutschland vervollständigt.
Auf Veranlassung der Zentrale für Flugsicherung ist die Verbreitung des
„Funkobs Nacht“ und des „Funkobs Europa“ ab September 1928 auch auf Kurz
welle über den neuen Kurzwellensender der Flughafenfunkstelle Fuhlsbüttel neben
der gleichzeitigen Verbreitung auf Langwelle aufgenommen worden.
Der Funkempfangdienst hat einige Erweiterungen zu verzeichnen. So
mußte die Aufnahme der litauischen Funkwettermeldungen in das Empfangs
programm aufgenommen werden, nachdem Litauen durch die Einsetzung des
Senders Kowno die Verbreitung seiner Wettermeldungen selbst in die Hand
genommen hatte. Andere Länder haben ihre Sendetermine vermehrt; so Rußland,
das überraschend schnell das Wettermeldenetz über sein europäisches und
sibirisches Gebiet verdichtet hat. Norwegen hat ebenfalls eine Reihe weiterer
Sendetermine zur Verbreitung seiner Schiffswettermeldungen besonders auf
Kurzwellen zu verzeichnen.
Ferner wurde der direkte Empfang ostasiatischer Wetternachrichten, ver
breitet durch die Kurzwellenstation Hanoi (Tonking), aufgenommen. In Zu
sammenarbeit mit der Reichsmarine ist der Wetternachrichtendienst im deutschen
Nord- und Ostseeküstengebiet neu organisiert worden.
Von den deutschen Küstenstellen werden jetzt im allgemeinen siebenmal
täglich die Wettermeldungen im internationalen Schlüssel der Seewarte zugeleitet.
Die Zahl der am deutschen Seewetterdienst beteiligten Schiffe ist von
66 auf 71 gestiegen. Hinzu kamen die Schiffe „Karlsruhe“, „Orinoco“, „Monte
Cervantes“, „Watussi“ und „Ubena“.
Die drahtlosen Wettermeldungen aller Seeobsschiffe werden außer in dem
täglichen Wetterbericht in besonderen Monatsübersichten (Deutsche Seewetter
meldungen, Seeobstelegramme) zusammengestellt und veröffentlicht, welche den
Schiffsleitungen, Reedereien und allen interessierten Kreisen laufend zugehen.
Die erforderlichen Besuche der Seeobsschiffe in den Häfen zwecks ständiger
persönlicher Fühlungnahme mit den beteiligten Schiffsoffizieren ließen sich aus
Personalmangel leider nur in geringem Umfange durchführen.