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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1928.
schnitt von Brunshausen bis Bielenberg vorhandenen Gezeitenstromverhältnisse,
die als Grundlage für die zum Nutzen der Schiffahrt dringend notwendig ge
wordene Fahrwasserverbesserung bei Pagensand erforderlich war. Als Beob
achter waren tätig: Dr. Rauschelbach und Frl. Wiele und abwechselnd Dr. Dose,
Frl. Dr. Straas und Thiel. Von den Beobachtungen ist erst ein geringer Teil
ausgewertet.
Auf Veranlassung des Preußischen Wasserbauamts in Emden wurden in den
Monaten August und September die im Jahre 1927 im Ostfriesischen Gatje auf
genommenen Strombeobachtungen fortgesetzt. Vom Peildampfer „Norden“ aus,
der vor vier bis sechs Ankern vermurt wurde, wurde mit zwei Bifilar-Strom-
messern, und zwar mit dem der Notgenieinschaft der Deutschen Wissenschaft
gehörenden Strommesser 1927 und mit einem neuen vom Wasserbauamt in
Emden erworbenen Strommesser 1928, in fünf gleichabständigen Tiefen vom
Boden bis zur Oberfläche in der Außen-Ems beobachtet; die 41 Meßstellen
lagen in einem Längsprofil, beginnend am westlichen Ende der Geise, auf dem
Rücken zwischen der Ems und dem Dollart bis hinunter zur Spitze des Paap-
sandes und in 4 Querprofilen zwischen dem westlichen Ende der Geise und der
Knock. Gleichzeitig wurde von einem besonders hergerichteten Floß aus mit
zwei weiteren Strommessern, und zwar mit dem alten Strommesser 1926 und
einem neuen Strommesser 1928 der Deutschen Seewarte auf dem Rücken der
Geise von Pogum bis zum westlichen Ende der Geise sowie an den Punkten in
den Querprofilen der „Norden“ gemessen, wohin diese selbst wegen zu flachen
Wassers nicht gelangen konnte; auch auf diesem Floß wurde im ganzen an
41 Meßstellen beobachtet. Die Messungen gelten der Untersuchung des Ein
flusses des Dollarts auf die Gezeitenslromverhältnisse auf der Geise und in der
Außen-Ems und damit auf die Verschlickung und Versandung des Emsfahr
wassers. Die Leitung der Messungen wurde Dr. Rauschelbach übertragen; als
Beobachter waren tätig: abwechselnd Frl. Dr. Straas, Thiel und Frl. Wiele von
der Deutschen Seewarte und die Techniker Mörs, Buhr und Groenhagen vom
Wasserbauamt in Emden.
4. Auskünfte. Über die Gezeiten und Gezeitenströme der Elbe wurden
im Berichtsjahre an Schiffahrtskreise, Behörden und Privatpersonen wieder zahl
reiche Auskünfte und Gutachten abgegeben. Die Auskunfterteilung über die
Gezeiten konnte in den meisten Fällen auf Grund gesicherter Wasserstands
beobachtungen erfolgen; dagegen sind die Auskünfte über Gezeitenströme leider
immer noch fast nur auf Annahmen angewiesen, da es bisher noch an genügend
sicheren Gezeitenstrombeobachtungen fehlt, um die vor allem im weitverzweigten
Hamburger Hafengebiet sehr verwickelten Gezeitenerscheinungen mit einiger
Sicherheit zu übersehen.
5. Sonstige Arbeiten. Für den im Gezeitendienstzimmer in Betrieb be
findlichen Tischpegel wurden mit der Gezeitenrechenmaschine vollständige
Gezeitenkurven von Hamburg als Unterlage für Windstaumeldungen gezeichnet.
Die Eintrittszeiten und -höhen der beiden letzten vorhergehenden Hoch-
und Niedrigwasser nach den Beobachtungen am Pegeltisch wurden während des
Berichtsjahres einer Hamburger Zeitung zum Abdruck und der Nordischen
Rundfunk-A. G., Hamburg, regelmäßig werktäglich vormittags zur Verbreitung
durch den Rundfunk übermittelt.
Ausführliche Gezeitenangaben, auch von nicht in den Gezeitentafeln ent
haltenen Häfen, sowie andere Kalenderangaben, wie Sonnen- und Mond-Auf- und
Untergänge, wurden im Berichtsjahre von zahlreichen Herstellern von Kalendern
angefordert und geliefert. Auch Fahrpläne für regelmäßig zwischen Hamburg
und Cuxhaven verkehrende Schiffe wurden unter Berücksichtigung der Gezeiten
ströme auf der Elbe für die Schiffahrt berechnet.
d) Sturmflutwarnungsdienst.
1. Warnungen durch Fernsprecher. Warnungen vor dem Eintreten
höherer Wasserstände in Hamburg, Harburg-Wilhelmsburg, Neuenfelde, Alten
werder usw. infolge der Einwirkung des Windes auf die Wasseroberfläche der