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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1928.
Prozentsatz ist im Berichtsjahre größer als irr den Vorjahren infolge zunehmender
Schadhaftigkeit des bisher benutzten Guttapercha-Kabels, das zu häufigen Erd
schlüssen und daher Signalausfällen Anlaß gab. Im ganzen fielen 14 Signale
aus, in weiteren 14 Fällen sind Verspätungen infolge Kabelerdschlusses oder
andere Unregelmäßigkeiten vorgekommen; die Verspätungen überschritten jedoch
nur in vier Fällen eine halbe Sekunde. Das Koinzidenzsignal ist 4 mal teilweise
oder vollständig ausgefallen. Da die Störungen im Betrieb dieses Kabels in der
ersten Hälfte des Jahres mehr und mehr zugenommen hatten, entschloß sich
das Reichspostzentralamt, das alte Kabel aufzugeben. Die Seewarte bekam daher
am 13. Juli eine Unterlagerungs-Telegraphie-Verbindung eines neuen Telephonie-
kabels zugewiesen. Der die Signalgeber anslösende Stromstoß muß jetzt über
das Haupttelegraphenamt Berlin nach Nauen geführt werden. Die Neuregelung
verursachte, wie kaum anders' zu erwarten war, anfänglich einige wenige
Störungen. Seit Ende Juli arbeitet das Kabel zur vollen Zufriedenheit; Kabel
störungen kommen jetzt nicht mehr vor.
Zur weiteren Sicherung des Betriebes wurden sowohl auf der Deutschen
Seewarte wie auf dem Haupttelegraphenamt Berlin Schaltuhren aufgestellt, die
den Zweck haben, in Hamburg die Berliner Leitung während der Signalzeiten
an Abteilung IV zu legen, während sie den übrigen Teil des Tages Abteilung III
zur Verfügung steht; in Berlin erfolgt die Umschaltung der Hamburger Leitung
von Nauen auf Königswusterhausen.
Von der Firma W. Bröcking wurde ein neuer zweiter Koinzidenzsignalgeber
fertiggestellt. Derselbe soll nicht, wie der erste Signalgeber, auf der Großfunk
stelle Nauen zur Aufstellung kommen, sondern auf der Seewarte selbst. Es wird
also notwendig sein, zunächst nur das Koinzidenzsignal durch das Kabel nach
Nauen zu senden. Da der Signalgeber nicht ausgelöst wird, wie die bisherigen
Nauener Signalgeber, sondern eine dauernd gehende Uhr ist, ist eine weit größere
Präzision des Signals zu erwarten als bisher; insbesondere wird die oft störende
Akzeleration oder Retardation des Signals fortfallen. Die Form des Signals
wird mit der jetzt vom Eiffelturm verbreiteten (61 Zeichen in der Minute)
identisch sein. Der Beginn der Abgabe des Signals in der neuen Form wird
sich noch einige Monate hinausziehen wegen vorher anzustellender Versuche.
Es wird beabsichtigt, später auch das Hauptsignal durch das Kabel zu
senden. Der Bau der neuen Signalgeber mußte jedoch immer wieder zurück
gestellt werden, da die einzige hier für Neuarbeiten zur Verfügung stehende
Firma Bröcking mit dem Umbau der Uhren für die Lichtzeitsignalanlagen und
mit dem Bau des Koinzidenzsignalgebers in Anspruch genommen war. Das
Fehlen eines der Abteilung unterstehenden, in eigener Werkstatt arbeitenden
Mechanikers machte sich hierbei ganz außerordentlich fühlbar. Ein großer
Teil der jetzt notgedrungen nach auswärts zu vergebenden Arbeiten könnte
sonst in eigener Werkstatt mit weit geringerem Geldaufwand ausgeführt werden.
Auch die Unmöglichkeit, Versuchsanordnungen zur Auffindung günstigster
Lösungen schnell und billig hersteilen zu können, wird sehr hindernd empfunden.
b) Zeitdienst der Hauptagenturen.
Besonders stark wurde die Abteilung durch die Umwandlung der sechs
Zeitballanlagen Emden, Bremen, Bremerhaven, Cuxhaven, Stettin und Swinemünde
in Lichtzeitsignalanlagen in Anspruch genommen. In Emden wurde Ende Juni
das erste neue Lichtzeitsignal in Betrieb genommen. Dasselbe leuchtet alle sechs
Stunden (0, 6, 12, 18 Uhr) 3mal je eine Minute auf, so daß zu jeder Signalzeit
sechsmaliges Aufleuchten oder Verlöschen beobachtet werden kann. In der mit
Fresnelscher Gürtellinse von 15 cm Brennweite ausgestatteten Laterne wird eine
1000 Watt-Lampe verwandt, die ein horizontales Licht von rund 10000 HK er
gibt. Die Optik ist so eingerichtet, daß eine Streuung nach unten bis zu 25°
zustande kommt. Die das Lichtsignal auslösende Uhr steht im Schleusenmeister
gebäude der kleinen Nesserländer Schleuse. Mit den auf der Hauptagentur
in Emden befindlichen Präzisionspendeluhren wird die Auslöseuhr durch das
Stadttelephon verglichen, indem durch die Auslöseuhr gegebene Summertöne