Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1928.
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g) Erdmagnetische Arbeiten.
Von außerordentlicher Bedeutung für die Durchführung der gesamten erd
magnetischen Arbeiten war das Erscheinen des 6. Bandes der von dem Carnegie-
Institut in Washington herausgegebenen „Researches of the Department of
Terrestrial Magnetism“. Dieses Werk enthält neben einem ausführlichen Bericht
über die „Maud“-Expedition die Ergebnisse aller von dem Carnegie-Institut ver-
anlaßten Messungen an Landstationen aus den Jahren 1918—1926, von denen
die weitaus größte Zahl mehr oder weniger genau mit den Beobachtungspunkten
früherer Jahre übereinstimmte. Die Verarbeitung dieses Materials, das in Ver
bindung mit den in den früheren Bänden niedergelegten Beobachtungsergeb
nissen wichtige Aufschlüsse über die jährliche Änderung der erdmagnetischen
Elemente liefert, konnte noch nicht völlig durchgeführt werden, doch war es
immerhin möglich, für diejenigen Teilgebiete, die im Laufe des Jahres für das
Deutsche Seekartenwerk zu bearbeiten waren, die erforderlichen Unterlagen ab
zuleiten. — Die Bearbeitung einer Karte, die auf Grund der dabei gewonnenen
Anhaltspunkte die Linien gleicher Mißweisung wiedergeben soll, ist beabsichtigt.
— Die bereits im vorigen Jahre in Angriff genommene Mißweisungskarte für
das Seehandbuch der mittleren Ostsee ist fertiggestellt worden. Im Anschluß
an diese Karte werden gegenwärtig unter Berücksichtigung der neuesten Ver
messungen für das gesamte Gebiet der Ostsee die Linien gleicher Mißweisung
für das Jahr 1930 entworfen, die dann an Stelle der bisherigen kleinen Einsatz
karte in die beiden Blätter der D. A.-Karte Nr. 98 übertragen werden sollen. —
Neben diesen Arbeiten sind Spezialkarten der Mißweisung mit Begleittext für
die Seehandbücher der Ostküste Südamerikas, Teil I, Brasilien, ferner des Mittel
meers, Teil III, Nordküste Afrikas, sowie Isogonenvorlagen für die D. A.-Karten
Nr. 446, St. Lawrence Golf, Nr. 547, Rio de la Plata — Kap Horn — Valparaiso,
und Nr. 549, Galapagos-Inseln bis Cabo San Lucas, entworfen worden. — Die
rege Auskunftserteilung und der Schriftwechsel mit anderen Instituten haben in
zahlreichen Fällen dazu geführt, daß manches noch unveröffentlichte Material
zu den Kartenarbeiten der Abteilung benutzt werden konnte.
VI. Bericht über die Tätigkeit der Abteilung IV.
Zeitsignal- und Uhrenprüfungswesen. Astronomische und technische Navigation.
Zeit- und Ortsbestimmungen.
Die Abeitlung wurde am 1. Februar wieder von Abteilung II getrennt, mit
der sie aus personellen Gründen seit dem 1. Dezember 1921 vereinigt gewesen war.
a) Nauener Zeitdienst, Instrumentarium.
Die funkentelegraphischen Nauener Zeitsignale (Onogo- und Koinzidenzsignale),
die von der Seewarte aus über eine vom Reichspostministerium zur Verfügung
gestellte Kabelleitung ausgelöst werden, wurden in der gleichen Form wie in
den Vorjahren auf den Wellen 3100 m (tönend) und 18 000 m (ungedämpft) ab
gegeben. Der Vorausberechnung der Zeit und der Abgabe des Stromstoßes
lagen 50 Zeitbestimmungen zugrunde, die, soweit es die Witterung erlaubte, jeden
vierten Tag am Bambergschen Durchgangsinstrument mit Hilfe eines Registrier
mikrometers ausgeführt wurden. Die Vorausberechnung der Zeit wurde durch
5 Telegramme des Geodätischen Institutes in Potsdam unterstützt. Die auf Grund
nur eigener Zeitbestimmungen ermittelten endgültigen Verbesserungen der Signale
wurden im Beobachtungszirkular der Astronomischen Nachrichten, in den A. H.
und in sechs deutschen Uhrmacherfachzeitschriften veröffentlicht. Der durch
schnittliche Betrag der endgültigen Verbesserungen des Onogosignals für die
3100 m-Welle betrug im verflossenen Jahre 0.061®. Die Verbesserungen von 81 °/ 0
der zu erwartenden 732 Signale überschritten den Betrag von 0.1 s nicht, bei
11 °/ 0 blieben sie zwischen 0.1® und 0.2®, bei 4°/ 0 zwischen 0.2® und 0.3®, nur bei
drei der störungsfrei abgegebenen Signale fielen sie zwischen 0.3® und 0.5®. In
etwa 4°/o aller Fälle traten Störungen oder Ausfälle des Signals ein. Dieser