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Full text: 64, 1936

Wegener, Kı: Zur Verdunstung, 
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2. Allmähliche Verdunstung und Kondensation 
jst hiernach offenbar das Normale. Die Wärmemengen, die bei Verdunstung und 
Kondensation umgesetzt werden, müssen durch die langsame Wärmeleitung, 
weniger wohl durch Strahlung, bewegt werden, und der Prozeß wird so zu einer 
Zeitfunktion, Ebenso das Gefrieren von Wasser und die Sublimation von Wasser- 
dampf zu Eis, 
3. Extremwerte der; Verdunstung, 
Läßt man unter Atmösphärendrück Wasser bei etwa 100° ohne Sieden ein- 
dampfen, so sinkt das Niveau um etwa 2 cm/Stunde, d,h, der Fläche von 1 cm* 
müssen rund 22-600 == 1200 @-cal/(cm® - Stunde) zugeführt werden oder rund 
0.33 g-cal/(cm? Sekunde). Die Wärmeleitfähigkeit des Wassers beträgt 0.00145 g-cal/ 
(oma. Grad, d.h. bei einem Temperaturgefälle von 1°/cm fließt ein Wärmestrom 
von 0.00145 g-cal durch den em*., Folglich gilt 
0.38 = 0.00145 - 7, wo 7 das Temperaturgefälle ist. 
y hat also den runden Wert 300°/em, ist aber nur das „äquivalente“ Temperatur- 
gefälle, in dem die Mischungs- und Konvektionsvorgänge mit enthalten sind, 
Die Temperaturunterschiede sind im Wasser von 100° von der Größenordnung 
Grad/em. Die Wirkung des Temperaturgefälles auf die Wärmeleitung ist also 
beim Wasser nur klein im Vergleich zu der Wirkung der Mischung. 
Gemeinsam mit meinem Assistenten Dr. Niederdorfer habe ich zu Versuchs- 
zwecken ein Wasserbarometer gebaut, wie es vör langer Zeit auch in der See- 
warte zu Schauzwecken stand. 
Der Vorteil des Wasserbaromelers ist die große ANNE, die, dem Verhältnis der 
Dichten Wasser/Queeksilber entsprechend, 13.6mal größer ıst als die des Queeksilberbarometers, das 
Fehlen des Meniskus und die Billigkeit des Materials. Aber das Wasser ist frostgefährdet; auch 
absorbiert es bei 0° und 760 mm Hy 29 cm* Luft im Liter, bei 20° nur 19; Iin- 
folge der Temperaturschwankungen bleibt also das Barometer immer nur Yver- Ku | 
hältnismäßig kurze Zeit benutzbar; andererseits muß man das Wasser nach 7% Hann 
der Einfüllung erst längere Zeit abstehen lassen, Auch stört bei hoher Temperatur 
die Größe des Maximal-Dampfdrucks, — Günstigeres Füllmaterial sind wohl 
die modernen, Teider teuren Vakuumöle, die übrigens auch sehr kleigen Maximal- 
DA besitzen, allerdings wohl auch als Mischungen nur auf begrenzte 
Zeit brauchbar sein werden. 
Dieses Wasserbarometer von. ungefähr 10 m Höhe wurde von 
oben ganz mit abgekochtem Wasser gefüllt, während der untere 
Hahn geschlossen blieb. Nachdem das Wasser, das beim Ein- 
füllen wieder Luft aufgenommen. hatte, abgestanden und durch 
Klopfen am Rohr von Luft befreit war, wurde, in mehrmaligen 
Versuchen, oben geschlossen und unten so weit geöffnet, daß 
das Wasser gerade nicht zum Sieden kam. Sieden bedeutet, RR 
üaß über dem Wasser mehr Wasserdampf benötigt wird, als ‚Abb. ı 
von der sich rasch durch Verdunstung abkühlenden WasseP- u. arometer. 
oberfläche geliefert werden kann. Das Niveau der 8 cm”® großen ASSCHDAFOMIETSE 
Oberfläche sank dabei in fünf Sekunden um 40 em oder mit 8 em/see, Der Dampf- 
druck betrug etwa 6 mm bei einer Außentemperatur von 7° C, die Höhe der Wasser- 
säule, die die Dampfsäule erzeugt hatte, war also 8 - vs «107% =0.6-107% 0m/s80. 
In der Stunde ergibt dies nur eine Verdunstung von 0,2 em, also !/,, des für 
100° mitgeteilten Wertes, Offenbar ist in dem. relativ engen Rohr die Austausch- 
möglichkeit beschränkt und die Verdunstung durch die Kälteentwicklung an 
4er Oberfläche behindert. Immerhin zeigen die beiden Beispiele wohl die Extreme 
der Verdunstung bei 100° und in der Nähe von 0°. Der maximale Dampfdruck 
ist bei beiden Versuchen gleich dem äußeren Luftdruck über der Wasserfläche, 
Die einfachste Definition? für die verdunstende Wasserhöhe h lautet: 
h = (E — 6) £(w) A (cm/Zeiteinheit), 
wo E. die maximale Spannung des Wasserdampfes für die Temperatur und Art 
a 1 $ Siehe Bongards Feuchtigkeitsmessung 1926, Verlag Oldenbourg.
	        
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