34
Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1927.
X. Bericht über die Tätigkeit der Abteilung (H) Ozeanographie.
Die meereskundlichen Beobachtungen auf den deutschen Feuerschiffen gingen
nahezu unverändert und auch wenig durch Eis oder andere Umstände gestört
vor sich. Ein durch mehrere Monate fortgesetzter Versuch darüber, ob die für
Tiefentemperaturen benutzten Hartgummithermometer besser durch einfache
Kippthermometer nach finnischem Muster zu ersetzen seien, hat für Borkumriff-
F-Sch. das unerwartete Ergebnis gehabt, daß die Hartgummithermometer bei den
Verhältnissen an Bord bessere Temperaturwerte liefern als die Kippthermometer
ohne Fadenkorrektion. Besuche auf den Feuerschiffen zur Überprüfung der
Arbeit haben leider aus Mangel an Mitteln nicht stattfinden können. — Die Jahr
gänge der Beobachtungen 1924 und 1925 sind in Druck gegeben, die Jahrgänge
1926 und 1927 liegen druckfertig vor.
Der im Vorbericht erwähnte Echolottyp der Firma Behm in Kiel wurde 1927
auf dem Neubau „Orotova“ des Norddeutschen Lloyd eingebaut, und zwar ist
das Mikrophon nunmehr durch Einfügen eines Seeschiebers in der Bordwand
wesentlich besser für den Empfang als früher geeignet. Eine erste Mitteilung
des Kapitäns spricht sich befriedigend aus. Doch werden 1928 auf gleichem
Schiffe ein noch wieder abgeänderter Typ sowie zwei Seeschieber (je ein Mikro
phon für große und für kleine Tiefen) eingebaut werden. Ob die Erwartung
berechtigt ist, daß dann ein relativ billiges und bequem brauchbares Echolot
vorhanden sein wird, muß immer noch abgewartet werden.
Das umfangreichste ozeanographische Unternehmen des Jahres war die von
der Deutschen Kommission für Meeresforschung in Verbindung mit der Seewarte
sowie der Biologischen Station auf Helgoland mittels des Reichsforschungsdampfers
„Poseidon“ vom 19. Juli bis 21. September ausgeführte Untersuchungsfahrt in das
Barentsmeer; sie galt einer möglichst synoptischen Aufnahme dieses Gebietes in
physikalisch-chemischer Hinsicht auf sechs Schnitten in N—S-Richtung, die dank
günstigen Witterungsverhältnissen alle vollkommen erledigt wurden. Beispiels
weise wurden rund 3000 Chlortitrierungen für Salzbestimmung an Bord aus
geführt. Beteiligt waren daran von den Angehörigen der Seewarte Prof. Dr. Schulz
(Fahrtleiter), Kapt. Hatje, Dr. Zorell, Dr. Ritter; bis Norwegen begleitete auch
der Abteilungsvorstand Prof. Dr. Schott das Schiff. Seitens Rußlands sind im
östlichen und nordöstlichen Teil der Barentssee nahezu gleichzeitig ähnliche Unter
suchungen nach gemeinsam verabredetem Plane durchgeführt worden. Wertvoll
war die persönliche Fühlungnahme mit den norwegischen und russischen Fach
genossen. Die Veröffentlichung der vollständigen Ergebnisse wird durch die oben
genannte Kommission erfolgen, ein ozeanographischer Überblick gleichzeitig in den
„Ann. d. Hydr. usw.“ # erscheinen.
Der internationale Rat zur Erforschung der europäischen Meere sah 1927
im Mai gelegentlich seiner 25 jährigen Versammlung in Stockholm zum ersten
Male wieder vollzählig die deutschen Regierungsdelegierten und Sachverständigen;
als Ozeanograph nahm der Abteilungsvorstand Prof. Dr. Schott daran teil im
Rahmen der Deutschen Kommission für Meeresforschung. Es ergaben sich, wie
vorausgesagt, hierdurch starke persönliche und sachliche Inanspruchnahmen der
Abteilung H, einmaliger und laufender Art. In einem Sonderausschuß, der im
November 1927 in Kopenhagen tagte, war der Abteilungsvorstand zusammen mit
je einem dänischen, englischen und holländischen Fachmann tätig zur Beratung
über den ozeanographischen Dienst in den heimischen Meeren.
Dr. Schumacher kehrte Anfang Juni von seiner Teilnahme an der zwei
jährigen ozeanographischen Forschungsreise des „Meteor“ im Südatlantischen
Ozean zurück und hat mit der Aufarbeitung seines Beobachtungsmaterials (Ver
dunstungsmessung, stereophotogrammetrische Wellenaufnahmen) begonnen. Sein
bisheriger Vertreter, Studienrat Dr. Thorade, konnte noch während des ganzen
Berichtsjahres nebenamtlich bei der Seewarte tätig sein und ist am Abschluß
der Bearbeitung der im Juni 1924 in einem Teile der Deutschen Bucht im großen
Maßstab an Bord des Vermessungsschiffes „Panther“ durchgeführten Gezeiten
strommessungen (s. Jahresbericht für 1924, S. 22). Dr. Ritter war ab Mai bis