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Full text: Jahresbericht 1927

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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1927. 
vielfachen wachsenden Aufgaben der Ozeanflugberatung und zur weiteren meteoro 
logischen Vorbereitung eines über. See führenden Luftverkehrs schuf die Luft 
fahrt-Abteilung des Reichsverkehrsministeriums bei der Deutschen Seewarte das 
Seeflugreferat, das dem bisherigen Leiter der Flugwetterwarte Hannover 
Dr. Seilkopf übertragen wurde. Dem Seeflagreferat wurde zugleich auch die 
Aufgabe gestellt, die Flugwetterwarten des deutschen Küstenstreifens zusammen 
zufassen, um die Erfahrungen in der Wetterberatung der Küsten- und Seeflüge 
zu sammeln und in Hinblick auf den See- und Übersee-Luftverkehr meteorologisch 
wie betriebstechnisch auszuwerten. Für das Seeflugreferat wurden der Deutschen 
Seewarte die Mittel zur Verfügung gestellt für 2 Meteorologen, 3 technische 
Angestellte und 1 Stenotypistin. Am 15. Juli 1927 begann das Seeflugreferat 
seine Tätigkeit. 
2. Ozeanflugberatung. 
Bereits am Tage nach dessen Tätigkeitsbeginn erschien als Vertreter der 
Junkers-Flugzeugwerke Professor Berson zum Zwecke einer Vorbesprechung über 
den von diesen geplanten Ozeanflug. Mit dem 8. August wurde die regelmäßige 
Wetterberatung der Junkerswerke aufgenommen, indem zweimal, im Bedarfsfälle 
auch häufiger, Übersichten über die Wetterlage in Westeuropa, auf dem Atlan 
tischen Ozean und in Nordamerika mit Vorhersagen fernmündlich nach Dessau 
übermittelt wurden. Der Versuch des Langstreckenfluges Dessau—New York mit 
einmotorigen W33-Landflugzeugen wurde am 14./15. August unternommen, scheiterte 
aber, indem das Flugzeug „Europa“ infolge von Motorstörungen auf der Höhe 
von Norderney, das Flugzeug „Bremen“ infolge von Sturm, niedrigen Wolken und 
Nebel über Irland kehrtmachte. Die Beratung dieses Flugunternehmens wurde 
jedoch erst am 10. September eingestellt, nachdem die Junkers-Flugzeugwerke 
dieses Unternehmen für 1927 endgültig aufgaben. 
Von Mitte August bis Anfang September wurde das von Graf Solms und 
Herrn Könnecke von Köln aus auf einem Caspar C 32-Landflugzeuge angesetzte 
Ozeanflugunternehmen meteorologisch beraten, zu welchem Zwecke der technische 
Angestellte J. Schröder von der Flugwetterwarte Hamburg-Fuhlsbüttel als Ver 
bindungsmann nach Köln entsandt und fernmündlich sowie auf dem Flugkabel 
täglich zweimal mit Nachrichten versehen wurde. Infolge ungünstiger Wetter 
lage wurde jedoch dieser Flugversuch aufgegeben. 
Im Herbst wurde sodann versucht, auf Schwimmerflugzeugen den Atlantischen 
Ozean mit Zwischenlandungen in Lissabon, auf den Azoren und auf Neufundland 
zu überqueren. Die Junkers-Flugzeugwerke setzten zu diesem Versuch eine drei 
motorige G24-Maschine auf Schwimmern (Führer: Starke, Loose, später: Loose, 
Risticz), die Heinkel-Flugzeugwerke (Warnemünde) ein zum Zwecke von Lang 
streckenflügen neukonstruiertes H E 6-Flugzeug (Führer Merz) an. Nachdem der 
Probeflug der G24 am 28. September, der von Kiel-Holtenau bis auf die Höhe 
von Terschelling führte, fernmündlich und drahtlos mit Wetternachrichten ver 
sehen war, wurde der Start zur 1. Etappe nach Lissabon beraten. Der Start 
sollte von Norderney aus erfolgen, zu welchem Zwecke die Flugwetterwarte Nor 
derney der Deutschen Seewarte ihre Diensttätigkeit bis zum 6. Oktober ver 
längerte, um an der Beratung mitzuwirken. Infolge ungünstiger Startverhältnisse 
in Norderney wurde jedoch zunächst nur bis Amsterdam geflogen. Für den Start 
von Amsterdam nach Lissabon wurde die Beratung fernmündlich übermittelt; 
in gleicher Weise wurde bald darauf auch die Heinkel-Maschine für ihren Flug 
Amsterdam—Vigo beraten. Für die Starts in Vigo und Lissabon wurden täglich, 
zum Teil mehrmals, Wetterübersichten mit Vorhersagen für den vorliegenden 
Flugabschnitt Vigo—Lissabon und Lissabon—Azoren telegraphisch übermittelt. 
Dem nach Horta (Azoren) entsandten Meteorologen Dr. Booss von der Wetter 
dienststelle Berlin des Preußischen Meteorologischen Instituts wurden bis zu drei 
mal täglich die Schiffswettermeldungen vom Ozean, die nordamerikanischen 
Wetternachrichten und Übersichten über die allgemeine Wetterlage mit Hinweisen 
auf ihre Weiterentwicklung im Raume des Flugabschnittes Azoren—Neufundland 
gekabelt. Das Junkers G 24-Flugzeug erledigte die Etappe von Amsterdam nach
	        
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