Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1927.
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münde gefunkt wurde, brauchte nur noch einmal verbreitet zu werden, nachdem
die Reichspost zur modulierten Sendung übergegangen war.
Im Wintersportwetterdienst zeigt sich ebenfalls ein Anwachsen der
gesammelten und wieder verbreiteten Wetternachrichten.
Die Verbreitung der Bildfunkwetterkarte über den Norag-Sender Ham
burg wurde einstweilen eingestellt. Die Versuche sollen wieder aufgenommen
werden, sobald ein zur Verbreitung von Wetterkarten geeignetes, auch die Fein
heiten wiedergebendes Bildfunkgerät durchkonstruiert ist. Zur Erprobung des Bild
funkempfangs im Freiballon nahmen der Referent für Nachrichtendienst, Dr. Ahl-
grimm, und der Funkmeister Weidemeyer an einer Ballonfahrt teil, über die in
den A. H. 1927, S. 316—321 berichtet ist.
2. Seeflugwettertelegraphie.
Während der Transatlantikflüge hat das Funkpersonal der Seewarte durch
überdienstlich gesteigerte Leistung ein ungewöhnlich großes Wetternachrichten
material von Übersee und vom Ozean aufgenommen und an das Seeflugreferat
weitergeleitet. Eine Reihe von Auslandswettermeldungen wurde auch der Flug
wetterwarte Hamburg-Fuhlsbüttel regelmäßig telephonisch zugesprochen.
3. Eistelegraphie.
An der Neuorganisation des nordeuropäischen Eisnachrichtendienstes war
Abt. III wesentlich beteiligt; s. hierüber unter Abt. I, Eisnachrichtendienst. Der
Funkempfang außerdeutscher Eisnachrichten gewann an Umfang. Die auf dem
Drahtwege einlaufenden deutschen Meldungen, die bisher auf dem Telegraphen
amt Hamburg bearbeitet werden mußten, wurden nach Aufstellung eines Siemens-
Ferndruckers nach der Seewarte durchgeleitet. Die funkentelegraphische Ver
breitung der deutschen Eisnachrichten, die bislang durch drei Sender (Norddeich,
Swinemünde, Königswusterhausen) ausgeübt wurde, konnte zu Beginn des Winters
auf einen einzigen 5 KW starken Sender mit modulierter Welle in Norddeich
zusammengelegt werden. Gleichzeitig wurden funktelephonisch nur noch die
deutschen Eisnachrichten verbreitet, und zwar über die Norag-Sender Hamburg,
Bremen, Kiel und über den Orag-Sender in Königsberg.
4. F-T.-Station.
Die häufiger werdenden Störungen fremder Sender auf gleicher Welle machten
den Einsatz eines Richtempfängers notwendig. In Anpassung an den äußerst
knapp zur Verfügung stehenden Raum wurde ein Telefunken-Rahmenempfänger
mit einem Zimmerdrehrahmen von 6 qm Fläche aufgestellt. Eine Reihe von
Funkaufnahmen konnte dadurch wesentlich günstiger gestaltet werden. Ein
zweiter Telefunken-Kurzwellenempfänger der Type spez. 98 Gr. mit Dipolantenne
wurde in Betrieb genommen, um einen Teil des Kurzwellenverkehrs darauf ableiten
zu können. Die zunehmenden Störungen des Funkempfangs durch abstimmende
Schiffe im Hafen, häufiger werdende Störungen durch das elektrische Netz der
Großstadt, Störungen durch im Seewartegebäude neu aufgestellte Elektromotoren
gestalteten den Funkempfang im gleichen Maße schwieriger, als sich die Anfor
derung des Wetterdienstes und des Eisdienstes auf Lieferung von Funknach
richten steigerte. Es ist zu hoffen, daß die Mittel für den Bau der geplanten
Empfangsstation in Gr. Hansdorf bei Hamburg zur Verfügung gestellt werden.
c) Wetterdienst.
Der Wetterdienst wurde weiterhin Tag und Nacht ohne Unterbrechung durch
geführt. Bei Ozeanflügen wurde ein besonderer Dienst eingerichtet, der später
vom abgetrennten Seeflugreferat übernommen wurde. Die täglichen Besprechungen
der Wetterlage fanden regelmäßig statt, in Abteilungskolloquien wurde über neu
erschienene Literatur und aktuelle Fragen aus dem Gebiete des Wetterdienstes
referiert.
Die Auflage des täglichen Wetterberichtes betrug 385 Exemplare. In
den Wintermonaten wurde wieder eine Beilage über die Eisverhältnisse an den