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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1927.
Während einiger Monate des Berichtsjahres wurde die Hauptzeit des Fein
mechanikers noch für Umbauten am selbstzeichnenden Strommesser und für die
Neuanfertigung von zwei leichten Kabelrollen aufgewandt. Zu den Erprobungen
und zu den Strommessungen im Ostfriesischen Gatje wurde er gelegentlich zu
Erneuerungsarbeiten hinzugezogen.
Ein großer Teil der Arbeitszeit war ferner für den Umbau der Rückseite
der Gezeitenrechenmaschine notwendig. Es konnten sieben umgebaute Tiden
köpfe auf ebensoviel neue Tidenachsen angebracht werden.
Am holländischen Pegel waren verschiedene Erneuerungsarbeiten notwendig
geworden.
In der Feinmechanikerwerkstatt selbst gelangten zwei neue Maschinen, eine
große Leitspindeldrehbank und eine Fräsbank, beide mit eigenem elektrischen
Antrieb, zur Aufstellung.
Auch für die übrigen Abteilungen der Deutschen Seewarte waren wiederholt
Erneuerungsarbeiten auszuführen.
VII. Bericht über die Tätigkeit der Abteilung III (Meteorologie) und der
auswärtigen Wetterwarten,
a) Herausgegebene Arbeiten s. Abschnitt XI.
b) Wetternachrichtendienst.
1. Wettertelegraphie.
Das synoptische Wettermeldenetz wurde durch Aufnahme der Meldungen von
Wehnde und Amrumbank-Feuerschiff in das Obs-Deutschland erweitert. An
Stelle von Swinemünde wurde Stettin, an Stelle von Borkum das Feuerschiff
Borkumriff aufgenommen.
Der Funkempfangsdienst hat besonders durch die Erweiterung der auf
Kurzwellen gefunkten Wetternachrichten an Umfang weiter zugenommen, da nun
mehr Nord- und Südamerika sowie Nordafrika ihren Wetternachrichtenverkehr
auf kurzen Wellen abwickeln. Der Empfang von Wetternachrichten vom Atlan
tischen Ozean erfuhr eine weitere Förderung durch die direkte Funkaufnahme
der französischen Schulschiffe „Jacques Cartier“ und „Jeanne d’Arc“ sowie des
französischen Fischereikreuzers „Ville d’Ys“, welche die auf ihren Kreuzerfahrten
gesammelten Schiffswettermeldungen auf kurzen Wellen wieder verbreiteten.
Die Zahl der am deutschen Seewettermeldedienst beteiligten Schiffe
ist von 21 auf 66 vermehrt worden, die sich wie folgt auf die Reedereien
verteilen: Hamburg-Amerika Linie 22 Schiffe, Norddeutscher Lloyd Bremen
20 Schiffe, Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrtsgesellschaft 10 Schiffe,
Stinnes-Linie 5, Woermann-Linie 4, Deutsche Ostafrika-Linie 3, Ozean-Linie 2 Schiffe.
Von den neu hinzugetretenen Schiffen konnten erst einige aus den vorhandenen
Mitteln mit dem zusätzlichen Beobachtungsinstrumentarium versehen werden.
Eine engere Fühlungnahme zwischen Schiffsleitung und Bordfunkpersonal einer
seits, dem meteorologischen und Funkpersonal der Seewarte andererseits zwecks
Austausches von Erfahrungen im Seewettermeldedienst erwies sich als notwendig.
Zu diesem Zwecke findet seither ein regelmäßiger Besuch der im Hamburger
Hafen liegenden Schiffe durch einen Meteorologen und einen Funker der See
warte statt.
Das für die deutsche Schiffahrt über die Hauptfunkstelle Norddeich ver
breitete Ozeanfunkwetter erfuhr eine weitgehende Verbesserung dadurch, daß
die Wortzahl von 31 auf 100 erhöht wurde. Die' Wetterlage auf dem Atlantik
kann damit eingehender geschildert werden, so daß den Schiffsleitungen die
Möglichkeit gegeben ist, sich ein gutes Bild von der Wetterlage über dem Ozean
zu machen.
Das Funkwetter für die Nord- und Ostsee, das terminmäßig bisher
zweimal hintereinander gedämpft und ungedämpft über Norddeich und Swine