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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1927.
Auf Veranlassung des Preußischen Wasserbauamtes in Emden wurden dann
von Mitte Juli bis Anfang August vom Peildampfer „Norden" aus im Ostfriesischen
Gatje an 18 Meßstellen von Dr. Rausehelbach und Thiel Strombeobachtungen
von der Oberfläche bis zum Boden angestellt. Die „Norden" lag vor vier bis
fünf Ankern vermurt. Die Schiffsrichtung wurde an einem auf dem Achterdeck
aufgestellten Fluidkompaß bestimmt. Die Beobachtungen wurden vollständig
ausgewertet.
Die im Sep'tember 1926 auf Veranlassung der Hamburgischen Wasserbau
abteilung in Cuxhaven im Amerika-Hafen vorgenommenen Strombeobachtungen
wurden ebenfalls vollständig bearbeitet.
4. Sonstige Arbeiten. Ausführliche G-ezeitenangaben, auch von nicht in
den Gezeitentafeln enthaltenen Häfen, sowie andere Kalenderangaben, wie Sonnen-
und Mond-Auf- und -Untergänge, wurden im Berichtsjahre von zahlreichen Her
stellern von Kalendern angefordert und ihnen geliefert. Auch Fahrpläne für
Schiffe, die zwischen Hamburg und Cuxhaven verkehren, wurden unter Berück
sichtigung der Gezeitenströme für die Schiffahrt berechnet.
Über die Gezeiten und Gezeitenströme der Elbe wurden im verflossenen
Jahre zahlreiche Auskünfte und Gutachten eingefordert. Während die Auskunft
erteilung über die Gezeiten in den meisten Fällen auf Grund gesicherter Wasser
standsbeobachtungen erfolgte, war die über die Gezeitenströme leider immer
noch fast nur auf Annahmen angewiesen, da es bisher noch an genügend sicheren
Gezeitenstrombeobachtungen fehlt, um die vor allem im weitverzweigten Ham
burger Hafengebiet verwickelten Gezeitenerscheinungen mit einiger Sicherheit
zu übersehen.
Für den beim Preußischen Wasserbauamt in Wesermünde und den im Ge
zeitendienstzimmer in Betrieb befindlichen Tisch der elektrischen Pegelfernüber
tragung wurden mit der Gezeitenrechenmaschine vollständige Gezeitenkurven
von Wesermünde und Hamburg als Unterlagen für Windstauuntersuchungen und
-meldungen gezeichnet.
Die Eintrittszeiten und Höhen der beiden letzten vorhergehenden Hoch-
und Niedrigwasser nach den Beobachtungen am Pegeltisch wurden während des
Berichtsjahres einer Hamburger Zeitung zum Abdruck und der Nordischen
Rundfunk-Aktiengesellschaft, Hamburg, regelmäßig täglich vormittags zur Ver
breitung durch den Rundfunk übermittelt.
d) Sturmflutwarnungsdienst.
1. Warnungen durch Fernsprecher. Warnungen vor dem Eintreten
höherer Wasserstände in Hamburg, Harburg-Wilhelmsburg, Neuenfelde, Alten
werder usw. infolge der Einwirkung des Windes auf die Wasseroberfläche der
Nordsee und der Elbe wurden im Berichtsjahre an etwa 20 durch Fernsprecher
erreichbare Behörden, Baustellen oder Privatfirmen erlassen.
2. Warnungen durch Wobs-Telegramme. Der Sturmflutwarnungsdienst,
dessen Ausdehnung auf das gesamte deutsche Küstengebiet der Nordsee ein
schließlich der zugehörigen Flußgebiete Ende 1925 vorgenommen wurde, wurde
im Berichtsjahre noch um einige Warnungsstellen erweitert.
Im Jahre 1927 gelangten in 76 Fällen im ganzen 913 Wobs-Telegramme zur
Absendung, und zwar davon im
Januar
169
Mai
40
September
172
Februar
29
Juni
42
Oktober
235
März
34
Juli
3
November
68
April
112
August
8
Dezember
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Die Aufgabe der einzelnen Wobs-Telegramme erfolgte bisher durch Fern
sprecher bei der Telegrammaufnahme des Telegraphenamtes Hamburg. Um die
Aufgabe zu erleichtern, wurden die Anschriften der Telegrammempfänger je
nach der Warnhöhe und nach der örtlichen Lage in Gruppen eingeteilt, so daß
es nunmehr bei dem Durchgeben des Telegrammtextes an die Seewartenstelle
des Telegraphenamtes nur noch notwendig ist, die jeweilige Gruppenbezeichnung
mit aufzugeben.