Dr. Joachim Blüthgen: Die Eisverhältnisse des Bottnischen Meerbusens
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5. Die Eisverhältnisse von Öregrundsgrepen (Bottnischer Meerbusen).
Die Meeresbucht von Öregrundsgrepen liegt im südwestlichsten Teil des Bottnischen Meerbusens, in glei
cher Breite mit dem Südkvark und den Älandsinseln, zwischen dem Festland, das hier stark aufgelöst ist in Inseln
und Halbinseln, und der Insel Grasö, die sich von S nach N erstreckt. Etwa bei der Stadt Öregrund verschmälert
sich die Bucht Öregrundsgrepen zu einem schmalen Sunde, der nördlich und südlich der Insel Singö mit dem Süd
kvark in Verbindung steht. Die Bucht besitzt im Norden, wo sie sich zum Bottnischen Busen öffnet, etwa 15 km
Breite, auf dem 60°30' N gemessen, und verschmälert sich nach Südosten auf etwa 4 km Breite unmittelbar nörd
lich der Stadt Öregrund. Im inneren Teile der Bucht, namentlich der Festlandküste genähert, finden sich zahl
reiche kleine Schären, die Mündung selbst ist jedoch rein. Diese geschützte Lage in Verbindung mit der Fest
landsnähe bedingt eine Eisbildung von stark kontinentalem Typus und ermöglicht es, infolge der geringeren
Schwankungen zur Aufstellung von Mittelwerten zu gelangen.
Die Vereisung beginnt in der Regel mit Festeis leichteren Charakters. Als mittleres Datum des Eisbeginns
kann der 2. Januar angenommen werden. Die absoluten Extreme des Eisbeginns sind der 2. Dezember und der
10. Februar.
Das zu Beginn auftretende leichte Festeis hält in der Regel nicht lange an, sondern wird von verschiedenen
Eisarten abgelöst, die auf unruhige Verhältnisse schließen lassen. Lediglich der Winter 1927/28 und der Winter
1930/31 wiesen ruhigere Verhältnisse auf, indem sich in diesen Wintern der Charakter des Eises nicht sehr ver
änderte. Das Festeis wird öfters von zusammengeschobenem Eis abgelöst, das seinerseits dann gelegentlich in
Treibeis und schweres Eistreiben übergeht. Zunächst sei der Eisbeginn des Winters 1925/26 analysiert.
Nachdem seit Ende November in Stockholm Temperaturen erheblich unter dem Gefrierpunkt verzeichnet
waren, setzte Anfang Dezember (2. 12.) die Eisbildung ein. Es wird starkes Festeis gemeldet. Vom 7. bis 15. 12.
wird dieses durch leichtes Festeis abgelöst. Möglicherweise hängt dies damit zusammen, daß am 5. und 6. De
zember westliche Winde über dem ganzen Ostseegebiet wehen, die zunächst die Temperaturen nicht über 0° an-
steigen lassen, die aber an der schwedischen Küste eine Auftriebströmung zur Folge haben mußten, mit der wär
meres Tiefenwasser an die Oberfläche gelangte. Dadurch wäre eine Schwächung des Eises möglich, zumal der
Salzgehalt in den Gewässern um den Südkvark schon merkbar höher ist (6%o). Am 15. Dezember erscheint dann
zusammengeschobenes Eis, das entsteht, als nördliche Winde mit tiefen Temperaturen herrschen. Entsprechend
der Lage von Öregrundsgrepen mußten diese Nordwinde eine Stauung der Eismengen zur Folge haben. Am 17.
wurden Südwestwinde gemeldet, die über West nach Nord drehen und zunehmen (Windstärke 4 in Stockholm am
19. Dezember); dabei gerät das vorher zusammengeschobene Eis ins Treiben, das am ersten Tage (17.) schwer,
später aber leichter ist. Erst die folgenden sehr tiefen Temperaturen (—15° am 19. 12. in Stockholm) lassen das
Eis wieder fest werden. Ein Wärmeeinbruch Ende Dezember (+4°) mit starken bis steifen Südwestwinden bricht
die Eisdecke für einen Tag auf, danach wird wieder Festeis gemeldet. Folgende Wärmeperioden und stärkere
Winde vermögen der Eisdecke nichts mehr anzuhaben.
Im Winter 1926/27 herrschten ähnliche Verhältnisse zu Beginn der Vereisung. Ein Sturmwirbel über Lapp
land brachte am 27. Dezember starke bis stürmische Südwestwinde mit Temperaturen über 0°, die das Eis brachen
und zusammenschoben. Mit dem Abflauen und dem Eintreffen einer kalten Rückseitenströmung beruhigt sich das
Wetter, und das Eis wird wieder fest. Bereits am 1. Januar wird Treibeis gemeldet; die Winde wechseln sehr oft
zwischen nördlichen und südlichen Richtungen infolge lebhafter Zyklonentätigkeit über Lappland-—Finnland—Est
land. Dies ändert sich auch nicht, als vom 7. bis 12. Januar zusammengeschobenes Eis gemeldet wird. Vielmehr
dürften bei dem Wechsel des Eises von zusammengeschobenem zu treibendem auch die Eisverhältnisse des Aus
ganges der Meeresbucht wesentlich sein. Die südöstlichen Winde Mitte Januar hatten keinen störenden Einfluß auf
die Vereisung, sondern bedingten das endgültige Festwerden des Eises. Die Beispiele zeigen, daß infolge Stau
wirkung in diesem an sich geschützten Teile die Eisverhältnisse doch recht kompliziert w r erden können, noch
unterstützt durch die Meeresströmungen, die sich als Folge der Winde durch den Sund zwischen Öregrund und
Gräsö bewegen können, so daß hier gewisse Parallelitäten zu den Verhältnissen des Kalmarsundes zwischen Kal
mar und Öreland anzunehmen sind.
Diese Kompliziertheit kommt auch zum Ausdruck in dem Vorhandensein von Vorperioden, die durchaus
starkes Eis aufweisen können, die aber bei gegebenen atmosphärischen Verhältnissen doch ganz plötzlich ab
gebrochen werden können. Dies war der Fall 1922/23, 1924/25 (sogar 2 Vorperioden), 1930/31 und 1931/32.
Diese Vorperioden können bis zu einem Monat Länge erreichen und schon mehrere Tage starken Festeises er
reichen, wie zum Beispiel 1931/32. Am 1. Januar beginnt die Eisbildung mit leichtem Festeis. Am 4. wird das
Eis bei starken nördlichen Winden zusammengeschoben und verharrt in diesem Zustande, trotzdem die Winde
auf Südwest umgesprungen sind. Am 14. wird starkes Festeis gemeldet. Die Temperaturen sind aber über 0°
und steigen im Laufe des Januar bis auf 9° Wärme an, dabei stets von mäßigen bis starken Südwestwinden be
gleitet. Aber erst am 25. Januar wird Öregrundsgrepen eisfrei gemeldet, nachdem in der Zeit zuvor noch starkes
Festeis gemeldet wird. Dies läßt sich nicht erklären, und es liegt nahe, hier einen Fehler der Berichterstattung
anzunehmen.
1929/30 fand sich kein starkes Festeis, dafür wurde starkes Packeis gemeldet, das sich vom 11. Februar
bis zum 13. März vorfand, die eigentliche Hauptvereisung dieses kurzen Winters darstellend. Der andere milde