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Full text : Jahresbericht 1888

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  —  18SS  No.  1  —

IX.  Bericht  über  die  Thätigkeit  der  Abtheilung  III.
Fliege  der  Willerungskunde,  der  Küsten-Meteorologie  und  des  Slunnvvarnungswesens
in  Deutschland.
Der  Wirkungskreis  der  Abtheilung  III  erhielt  auch  in  diesem  Jahre  insofern  eine  Erweiterung,  als  von
Seiten  der  Provinzial-Regierungen  in  Schleswig  und  Pommern  neue  Signalstellen  errichtet  wurden,  welchen
regelmässig  die  Sturmwarnungen  der  Seewarte  zugingen.
Die  Pflege  der  ausübenden  Witterungskunde,  sowohl  in  Beziehung  auf  die  Küste,  als  auch  auf  das
Binnenland,  wurde  nach  denselben  Grundsätzen  wie  im  Vorjahre  durchgeführt,  in  der  Ueberzcugung,  dass
der  schon  seit  Bestehen  der  Institution  eingeschlagene  Weg  nach  dem  jetzigen  Stande  der  Wissenschaft  als
der  geeignetste  erscheint,  die  Witterungskunde  für  das  praktische  Leben  fruchtbar  zu  machen.
Vor  nun  etwa  6  Jahren  wurden  die  Gutachten  auf  Grundlage  der  gewonnenen  Erfahrungen  über  die
Wirksamkeit  des  Sturmwarnungswesens  von  den  Vorständen  der  Signalstellen  und  von  anderen  gut  unterrichteten, ­
  sachverständigen  Personen  von  der  Direktion  der  Seewarte  eingeholt,  die  darauf  eingelaufenen
Berichte  einer  sorgfältigen  Diskussion  unterworfen  und  die  Ergebnisse  der  letzteren  in  der  Monatlichen
üebersicht  der  Witterung  veröffentlicht.  Dieses  Vorgehen  der  Direktion  war  von  guten  Erfolgen  begleitet,
indem  verschiedene  wichtige  Anhaltspunkte  gewonnen  wurden  für  den  weiteren  Ausbau  des  Sturmwarnungswesens. ­
  Am  Ende  des  Berichts-Jahres,  nachdem  mit  fortschreitender  Wissenschaft  neue  Erfahrungen  auf
dem  Gebiete  des  Sturmwarnungswesens  gesammelt  waren,  erschien  es  der  Direktion  zweckmässig,  abermals
die  Gutachten  von  Sachverständigen  cinzuholcn  und  kam  daher  ein  Zirkular  mit  den  nachfolgend  benannten ­
  Fragen  zur  Versendung;
1.  Welches  Urtbeil  hat  sich  bei  der  Küsten-Bevölkerung  Ihrer  Gegend  über  das  Sturmwarnungswesen
herausgebildet  V
2.  Werden  die  Sturmwarnungen  von  den  verschiedenen  Klassen  der  Küsten-Bevölkerung,  von  Fischern,
von  vorbeifahrenden  Schiffern  etc.  beachtet,  und  in  wiefern?
3.  Lässt  sich  uachweisen  oder  annehmen,  dass  durch  Beachtung  der  Sturmwarnungen  Schaden  irgend
welcher  Art  verhütet  wurde?  Angaben  einzelner  Fälle  wären  sehr  erwünscht.
4.  Ist  für  schnelle  und  möglichst  allseitige  Bekanntmachung  in  Ihrer  Gegend  hinreichend  gesorgt,  oder
könnten  hier  noch  Verbesserungen  getroffen  werden,  und  welche?
5.  Wann  kommen  die  am  Abend  8 l /2  Uhr  ausgegebenen  Warnungen  au  Ihrer  Signalstelle  an?
6.  Wünsche  und  Vorschläge.
Die  Antworten  auf  die  obigen  Fragen  sind  zwar  bis  jetzt  in  dankenswerther  und  sehr  umfangreicher
Weise  bei  der  Direktion  eingelaufen,  es  erscheint  aber  demungeachtet  nicht  für  zweckmässig,  im  gegenwärtigen ­
  Jahres-Berichte  über  die  Ergebnisse  dieser  Bundfrage  eingehendere  Mittheiluugen  zu  machen.
Indessen  sei  schon  jetzt  bemerkt,  dass  die  eingelaufenen  Gutachten  sich  alle  dahin  aussprechen,  dass  die
Sturmwarnungen  von  der  Küsten-Bevölkerung  als  eine  sehr  nützliche  Einrichtung  angesehen  und  dass
die  Warnungs-Signale  von  dem  dabei  interessirten  Publikum  allgemein  beachtet  werden.  Hervorzuheben
ist,  dass  das  Verstäudniss  für  die  Einrichtungen  der  Seewarte  beim  Publikum  immer  mehr  zunimmt  und
erblicken  wir  gerade  in  diesem  Umstande  eine  Ermuthigung,  in  der  eiugeschlagenen  Richtung  zu  verharren.
Eine  andere  Erweiterung  ihrer  Thätigkeit  erwuchs  der  Abtheilung  III  dadurch,  dass  mündliche  und
schriftliche  Anfragen  Seitens  der  Behörden  und  Privatpersonen  über  die  in  Hamburg  und  Umgebung  an
bestimmten  Tagen  beobachtete  Witterung  im  Berichts-Jahre  sich  erheblich  vermehrten.
Es  ist  schon  in  einem  der  früheren  Abschnitte  dieses  Berichtes  eine  genaue  üebersicht  über  die  von
sämmtlichen  Abteilungen  veranlassten  oder  ausgeführten  Inspizirungen  der  Nebenstellen  gegeben  worden.
Es  mag  daher  an  dieser  Stelle  anzuführen  genügen,  dass  in  der  Zeit  vom  14.—27.  Mai  durch  den  Hülfsarbeiter
Herrn  Dr.  Gross  mann  Memel,  Pillau,  Neufahrwasser,  Rügenwaldermünde,  Kolbergermünde  u.  Wustrow  inspizirt
worden  sind.  Vom  22.  Juni  bis  5.  Juli  besuchte  der  Abtheilungsvorstand  Herr  Dr.  van  Bebber  Swinemünde,
Greifswalder  Oie,  Stralsund,  Warnemünde,  Wismar,  Travemünde,  Kiel,  Aarösund,  Flensburg  und  Keitum.
Zu  Zwecken  eigener  Information  und  im  Aufträge  der  Direktion  besuchte  der  Assistent  Herr  Dr.  E.  Herrmann
die  Zweig-Stellen  der  Seewarte  Marienleuchte,  Friedrichsort,  Sehleimünde,  Glückstadt  und  Tönning.  Es  war
            
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