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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1888 No. 1 —
Magnetische Inklination. Aus allmonatlich augestellten Beobachtungen dieses Elements leitet sich für
die Mitte des Berichts-Jahres ein Mittelwerth von 67°54'N. ab, wobei bemerkt sei, dass die Beobachtungen
meistens um 10 h uud ll h früh und um 8 h und 4 h des Nachmittags angestellt worden sind. (Siehe die
Beobachtungen in vorhergehenden Jahren. Jahresbericht X, Seite 34 uud 3B).
Neufahrumsser. Die magnetischen Beobachtungen wurden in der Nähe der Hauptagentur und zwar
auf einer alten Schanze angestellt. Eine Lokal - Beeinflussung der magnetischen Elemente ist sehr wahr
scheinlich; jedenfalls ist die Beobachtungsstelle ungünstig belegen, da die Störungen durch die Bahn einer
seits und den Dampferverkehr auf dem Flusse andererseits höchst störend wirken. Obgleich die Entfernung
der Beobachtungsstelle von dem Miren-Thurm in Danzig (St. Katharinen) über G000 Meter entfernt ist, so
scheint es doch, als hätte nicht immer die gleiche Stelle für die Beobachtung gedient, da die Bestimmungen
des Azimuts, welche zu verschiedenen Zeiten uud von verschiedenen Beobachtern ausgeführt worden sind,
von einander abweicheu. Es wurde aus diesem Grunde angeordnet, dass die Stelle von nun an durch einen
Stein genau gekennzeichnet werden soll.
Seitens des Herrn Lothes wurde das Azimut des Miren-Kirchthurms in Danzig bestimmt zu S 7°44.'4 W.
Herr Kapt. Koldewey bestimmte im Sommer 1888 dieses Azimut zu S7'B0.'sW.
Der Direktor der Seewarte machte am 26. September eine Anzahl magnetischer Beobachtungen in der
von Herrn Lothes benutzten Stelle uud ermittelte das Azimut des Miren-Thurms in Danzig am Nachmittag
desselben Tages von einer zweiten Stelle auf der Schanze, die genau in der Richtung „Miren-Thurm — Danzig
und Station der Hauptageutur“ gewählt wurde, zu S 7 0 46.'83 W. Die Ableitung dieses Azimuts geschah ver
mittels der Koordinaten verschiedener, gut bestimmter Objekte und gleichzeitig durch Sonnen-Beobachtungeu.
Diese letzteren ergeben einen Werth von S7°53.'sW., doch ist deren Zuverlässigkeit aus manchen Gründen
nicht sehr gross und dürfte sich daher unter Vernachlässigung dieser Bestimmung und unter Berücksichtigung
jener des Herrn Lothes das approximative Azimut der Mire zu S 7°47.'3 W. ergeben. Eine definitive
Bestimmung von dem unterdessen gesetzten Stein aus erscheint unerlässlich.
Aus in einem jeden Monate des Jahres — Dezember ausgenommen — ausgeführteu Beobachtungen
ergiebt sich für 1888.6 und für eine mittlere Stunde von l h 45 m ein Mittelwerth von 8°31.'b W., oder auf
die Mitte des Tages mit der Kew-Periode reduzirt von 8°25.'s.
Die Beobachtungen Dr. Neumayer’s mit dem alten magnetischen Theodolit und mit umlegbarer Nadel
(auf Spitzen) ergeben für die beiden Stationen A au der Beobachtungsstelle der Hauptagentur, B auf der
anderen Seite der Schanze mit demselben, oben angewandten Azimut beziehungsweisen 8°42/28 W. und
8°46.'23 W., — also von den oben gegebenen erheblich abweichende Werthe der magnetischen Deklination.
Es scheint sich sonach in der That eine nicht unerhebliche Lokalbeeiuflussung des Werthes der magnetischen
Deklination erkennen zu geben, was von vornherein zu erwarten war.
Magnetische Inklination. Die Beobachtungen des Vorstandes der Hauptagentur ergeben aus allmonatlich
einmal ausgeführteu Bestimmungen als Mittelwerth für 1888.& um 2 h 7 ln p. m. die magnetische Inklination zu
67°48'N. Dr. Neumayer bestimmte am 26. September mit dem alten magnetischen Theodolit (Differential-
Inklinatorium) den Werth der Inklination zu 68°4.'62N. um ll h 26 m a. m. für dieselbe Stelle. Also auch in
diesem Elemente ist eine Lokalbeeinflussung zu erkennen.
Horizontal-Intensität. Dr. Neumayer bestimmte aus Schwingungen und Ablenkungen um 10 h 34” a. m.
die Horizontal-Komponente zu 0.17696 C. G. S.
Da sich in den verschiedenen Elementen nicht unerhebliche Abweichungen von den normalen Werthen
erkennen liessen, so bestimmte Dr. Neumayer am 27. September 1888 die Werthe für Dirschau und
zwar wurde eine vollkommen einwurfsfreie, hochgelegene Stelle mit fast unbeschränkter Fernsicht, in einer
Entfernung von etwa 1 Kilometer von Dirschau, ausgewählt. (Diu genaue Beschreibung erfolgt an anderer
Stelle). Es wurde die Deklination auf die Mitte des Tages reduzirt zu 7 0 38.'btW. bestimmt, die Inklination
zu 67°43.To (um 2 h 50’" p. m.) und die Horizontal-Komponente zu 0.18144 C. G. S. Ein Vergleich mit
der Station Neufahrwasser zeigt ganz erhebliche Abweichungen in jedem der drei Elemente.
Die Stelle, au welcher Lamont am 19. August 1858 in Dirschau beobachtete, war nun, da sie durch
Bauten eingenommen wird, nicht mehr für die Untersuchungen zu gebrauchen. Die magnetischen Elemente
ergaben sich damals und auf den 1. Januar 1858 reduzirt, wie folgt; Deklination 10°36.'6, Inklination 68°17.'6
und Horizontal-Intensität 1.7624 G. E. Die jährlichen Werthe der Säkular-Aenderung würden sich daraus
ergeben für Deklination —5.'9, für Inklination — 1.T& und für Horizontal-Intensität +0.0017 G. E.