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Full text: Jahresbericht 1923

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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1923. 
behindert. War es doch lange Zeit unmöglich, den Alkohol zu beschaffen, der 
für die Temperatureichung der Meteorographen gebraucht wurde! Die Zahl der 
Flugzeugaufstiege ist daher im Berichtsjahre leider kleiner als in den Vorjahren. 
Von besonderem Interesse sind dabei die Versuche mit zwei verschieden gebauten 
Thermographen sowie ein aus besonderem Anlaß am 3. Mai bis zur Höhe von 
€730 m durchgeführter Aufstieg, der noch durch einen Pilotballonaufstieg auf 
11 500 m ergänzt wurde. Diese letzteren Aufstiege fanden nämlich zur Zeit des 
vom Aeronautischen Observatorium Lindenberg veranstalteten Explosions- 
versuehes zur Untersuchung der Schallausbreitung statt. Die meteorologische 
Versuchsanstalt beteiligte sich an dieser Unternehmung außerdem durch Auf 
stellung eines selbstgebauten Variometers, mit dem es tatsächlich gelang, die 
Druckwelle zu beobachten, sowie durch Einsammeln direkter Wahrnehmungen. 
Alles hierauf bezügliche Beobachtungsmaterial, einschließlich der aerologischen 
Aufstiege, wurde von Dr. Georgi bearbeitet und dem Aeronaut. Obs. Lindenberg 
übermittelt. 
Die Ergebnisse der vorjährigen Flugzeugaufstiege wurden von Dr. Bon- 
gards in den Annalen d. Hydr. usw. (1923, S. 105—112) veröffentlicht. 
Der Abschnitt „Wind und Wetter“ im Handbuch des englischen Kanals 
(I. Teil) wurde für die Neuauflage von Dr. Kuhlbrodt neu bearbeitet. 
Die luftelektrischen Beobachtungen konnten von Dr. Bongards nicht ganz 
in der geplanten Weise durchgeführt werden, weil es noch immer nicht gelang, 
von der betreffenden Firma die Lieferung der Benndorfschen Registrierapparate 
zu erreichen. Eine Untersuchung über Riohtungsabweichungen und atmosphärische 
Störungen elektrischer Wellen wurde zwar begonnen, konnte aber wegen Per 
sonalmangels nicht zu Ende geführt werden. Zwei Monate lang wurde die 
durchdringende y-Strahlung durch tägliche Messungen verfolgt. Im übrigen bear 
beitete Dr. Bongards noch älteres Beobachtungsmaterial (siehe unter Publika 
tionen). Leider müssen die luftelektrischen Arbeiten höchstwahrscheinlich hier 
mit ihren vorläufigen Abschluß finden, da nach Ausscheiden von Dr. Bongards 
seine Stelle auf Grund der Personalabbauverordnung eingeht. 
Das im letzten Bericht erwähnte Unternehmen zur Erforschung der 
Höhenwinde über dem Atlantik wurde mit gutem Erfolg fortgeführt. Die 
Ergebnisse der ersten Fahrt wurden im Archiv der Seewarte veröffentlicht 
<A. Wegener und E, Kuhlbrodt, Pilotballonaufstiege auf einer Fahrt nach Mexiko 
März bis Juni 1922), und die der zweiten Fahrt wurden von Dr. Mey druck 
fertig gemacht. Eine dritte Fahrt, an welcher Dr. Seilkopf von der Deutschen 
Seewarte und Dr. Stüve vom Aeronautischen Observatorium Lindenberg teil- 
nahmen, konnte von Februar bis Mai des Berichtsjahres stattfinden, wieder auf 
dem Frachtdampfer „Westerwald“ der Hapag. Dabei wurden wieder 116 Auf 
stiege bis zur Maximalhöhe von 17 650 m ausgeführt und ausgezeichnete Resultate 
erzielt. Die Bearbeitung der Ergebnisse auch dieser Fahrt ist so gut wie ab 
geschlossen. Nach einer durch Geldmangel verursachten Pause ist es dann gegen 
Ende des Berichtsjahres gelungen, teils von der Notgeraeinschaft der Deutschen 
Wissenschaft, teils von der Firma Junkers Geldmittel zu erhalten, so daß bereits 
die vierte Fahrt in Vorbereitung ist, die nun nach Südamerika gehen soll. 
An der Hamburgischen Universität habilitierte sich Dr. Kuhlbrodt 
mit einer Bearbeitung der im Kriege gewonnenen Höhenwindmessungen auf dem 
Balkan und der am 10. November gehaltenen öffentlichen Antrittsvorlesung: 
„Der Kreislauf der Atmosphäre zwischen Äquator und Pol.“ Prof. A. Wegener 
hielt im Berichtsjahre Vorlesungen über „Einführung in die Meteorologie“ und 
„Thermodynamik der Atmosphäre“, Dr. Kuhlbrodt über „Klimatologie“. Die Samm 
lung von graphischen Darstellungen und Lichtbildern wurde mit eigenen Mitteln 
vermehrt. Das von Prof. Schott, Prof. A. Wegener und Prof. Tams gemeinsam 
geleitete geophysikalische Kolloquium, welches im Wintersemester im Sitzungs 
saal der Seewarte abgehalten wurde, gab den Angehörigen der Seewarte Ge 
legenheit zu folgenden Vorträgen: 
Dr. Mey: Vorläufiger Bericht über Pilotballonaufstiege auf einer Fahrt 
nach Mexico September—Dezember 1922. — Dr. Kuhlbrodt: Zyklonentheorie und
	        
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