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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Herrmann, J.: Die Fahrt nach dem Ob und dem Jenissei im Jahre 1905. 197 
Vor der Anlegestelle ist sehr flaches Wasser, so daß wir mit einem Samojeden- 
boot aus der Barkasse geholt werden mußten. Der Ort besteht aus ein paar 
Blockhäusern, die vor der Schiffahrtszeit von russischen Pelzhändlern bewohnt 
werden und einem großen Schuppen mit einem nach hinten bis zur Erde reichenden 
Dach, Von der Seite gleicht dieses Gebäude einem rechtwinkligen Dreieck; 
da es hoch sichtbar an der steilen Küste steht, bildet es eine gute Landmarke. 
Außer 20 bis 30 Samojedenzelten, die sich dort z. Zt. befanden, besitzt dieser 
Ort eine kleine in dem bekannten russischen Stile erbaute Kirche. Die 
Samojeden waren Fischer, Jäger oder Besitzer kleinerer Renntierherden, Sie 
luden uns freundschaftlich ein, in ihre Zelte zu kriechen, wo uns Tee ver- 
abreicht wurde. Felle waren sehr wenig zu erhalten, da die russischen Händler 
anscheinend alles sofort eintauschen, was auf den Markt gebracht wird, 
Am 3. Sept. bei Südostwind, Stärke 3 bis 4, war die Straße, soweit zu 
übersehen, eisfrei, Als man gegen Mittag erfuhr, daß der Kapitän des »Jermak« 
wegen Bodenschadens überhaupt nicht weiter mitkommen würde, wurde gegen 
4b N Anker gelichtet, und der ganze Schiffspark, voran das Vermessungsschiff, 
fuhr ostwärts durch die Straße. Die beiden Schlepper der Bugsiergesellschaft 
zu Hamburg, »Simson« und »Gladiator«, sowie »Unterweser 10« hatten jeder 
zwei Leichter in Tau, die von der russischen Regierung angekauften Schlepper 
je einen. Die D, »Hapsale« und »Sweaborg« schleppten ebenfalls je einen 
Leichter, Unserseits wurde gut auf die Landmarken und gesteuerten Kurse 
geachtet, da wir annahmen, daß wir später die Rückreise allein würden 
machen müssen. Das Passieren der Straße ging ohne weitere Hindernisse vor 
sich. Die Nacht war so hell, daß: man kleine, an B-B. treibende Eisfelder 
sehen konnte. Der Kurs war direkt nach der Weißen Insel abgesetzt, 
Am 4. Sept. gegen 11» V hatten wir große, bis zur Kimm sich aus- 
dehnende Eisfelder recht voraus; der Kurs mußte nach Süden zu geändert 
werden, um sie zu umfahren. Mittagsort 70° 15’ N-B., 64° 17’ O-Lg. ‘ Wind 
östlich, Stärke 1 bis 2. 
Da am Nachmittage nochmals Eisfelder vorauskamen, wurde wieder 
nach Süden abgehalten. Die großen Schiffe konnten, da sie Leichter im 
Schlepptau hatten, die Logge nicht gebrauchen. Es mußte öfter gestoppt und 
die Fahrgeschwindigkeit geändert werden, weil die Schleppzüge nicht mit- 
konnten. Unsere Besteckrechnung war daher sehr ungenau, In der Nacht 
bei südöstlichem Winde und nebligem Wetter fiel leichter Regen. 
Um 2% V, den 5. Sept, wurde mit verabredeten Nachtsignalen, mit 
welchen sowohl das Vermessungsschiff, wie auch »Hapsal« und »Sweaborg« 
ausgerüstet waren, eine Kursänderung signalisiert. Dieser Kurs ging nord- 
wärts längs der Westküste der:  Jalmal-Halbinsel, in einem Abstande von 
etwa 20 Sm. - 
Am 5. Sept. standen wir mittags in 72° 12’ N-Br., 67° 37’ O-Lg. Wind 
östlich, Stärke 2. Da die kurze, nordöstliche See zunahm und einer der 
Schleppzüge ganz zurückblieb, wurde ihm vom D. »Hapsal« ein Leichter ab- 
genommen, Zeitweilig waren in dem Nebel nicht alle Schiffe zu sehen, jedoch 
machten wir eine mittlere Fahrt von 6 Knoten, Nachmittags wurde Land an 
St-B. gesichtet. Um 5!/,} N signalisierte das Vermessungsschiff 72° 39’ N-Br., 
68° 26’ O-Lg. nach Peilung einer Bake, die an Land stand und bei der Ver- 
messung der Küste errichtet worden war. Gegen Abend trübes Wetter und 
leichter Regen, kein Eis in Sicht. 
Am 6. Sept. standen wir mittags in 73° 46’ N-Br., 71° 51’ O-Lg. Wind 
ostsüdöstlich, Stärke 4 bis 5. Wir hatten nun glücklich die Weiße Insel um: 
schifft, die mit ihrer sehr flach verlaufenden Küste besonders bei unsichtigem 
Wetter gefahrbringend ist. Vom »Jermak« hatte »Sweaborg« eine. große 
eiserne Gerüstbake mitbekommen, die auf dem Nordwestende dieser Insel bei 
dem astronomischen Beobachtungspunkte errichtet werden sollte; warum 
später davon Abstand genommen wurde, ist mir unbekannt. . Die Fahrt ging 
nur langsam von statten, Die kleinen Schlepper konnten des Stampfens in der 
See wegen nicht mit. Gegen Morgen sichteten wir einige kleine Eisfelder 
im Norden.
	        
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