Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1921.
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ln der Ostsee beobachtet bisher nur Adlergrund-F.-Sch ; hier sind die Versuche darüber,
wie der äußerst schwache Strom zweckmäßig mit einfachsten Mitteln gemessen werde, noch
im Gang.
Die Aufarbeitung des gewonnenen Materiales ist im ganzen auf dem laufenden; einige
Ergebnisse fanden bereits Verwendung.
Eine Sonderaufgabe fiel der Abteilung auf Jasmund-F.-Sch. zu, wo auf Aufforderung
des Wasserbauamtes Stralsund durch zwei wissenschaftliche Beamte an zwei Tagen mittelst
Präzisionsinstrumenten die Wasserbeschaffenheit und Wasserbewegung in verschiedenen
Tiefen festzustellen war im Hinblick auf zeitweise gänzlich ungenügende Reichweite ( l /a Sm)
der dortigen Unterwasserschallsignale.
Weitere Tätigkeit auf See, besonders in der Nordsee, aber auch in der westlichen Ost
see, brachten die Fahrten des Rei ch sf orschungs dam pf ers „Poseidon“ im Juli-
August d. J.; hieran waren alle in der Abteilung tätigen Kräfte Monate lang durch Vor/
bereitungen und nachträgliche Untersuchungen beteiligt. Die Durcharbeitung der mit der Kohlen
säure und biologischen Grenzfragen (im Interesse der Hochseefischerei) verbundenen hydro
graphischen Faktoren war das eine Ziel, die Ermittelung der Gezeitenströmungen rund um
Sylt das andere Ziel. Näheres hierüber, auch über die hierbei bestehende Arbeitsgemeinschaft
mit anderen wissenschaftlichen Stellen und mit der Marine, s. im Bericht „Annalen der
Hydrogr. usw.“ 1921, S. 400-408. Die Aufarbeitung der Ergebnisse der vierwöchigen
Expedition wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Das für alle bisher genannten Arbeiten gleichermaßen notwendige chemische
Laboratorium wurde aus dem Keller verlegt und in einem neu verfügbar gemachten
Zimmer mit z. T. neuen Einrichtungen versehen und hat den Anforderungen entsprochen.
Nur hat sich der Raum als solcher bei dem unerwartet starken und verschiedenartigen
Betrieb als durchaus zu klein erwiesen. Seine Verlegung in ein erheblich größeres Zimmer
ist darum für 1922 vorgesehen.
Der Vorrat an Instrumenten, Chemikalien, Materialien wurde entsprechend den Be
dürfnissen stark vermehrt. Die Versuche mit dem Z e i ß’schen Wasser-Interferometer konnten
leider wegen eines andauernden, von der Firma z. Zt. nicht ganz behobenen technischen Mangels
noch nicht zu Ende gefühlt werden.
An dem Atlas der physikalischen Verhältnisse der Nord- und Ostsee
wurde weiter gearbeitet, soweit es die durch Außendienst überaus in Anspruch genommenen
Kräfte gestatteten. Die Hälfte der Karten und Profile ist in endgültiger Faßung, die andere
im Entwurf fertig.
Die Beschaffung von ozeanographischem Anschauungsmaterial, Karten, Bilder usw.,
die Literaturbesprechung für Petermanns Geographische Mitteilungen ging wie im Vorjahre
weiter. Dagegen wurde die Arbeit „Atlas der Stromversetzungen im Atlantischen Ozean“
(s. Jahresbericht 1920, S. 19) mit dem 1. 1. 1921 an Abteilung I abgegeben, wohin sie nach
ihrer Natur und nach ihrem Ursprung zweckmäßiger gehört.
Überraschend reich und vielgestaltig entwickelte sich die Inanspruchnahme der Abteilung
durch außenstehende Behörden, Instituten und Persönlichkeiten des In- und Auslandes
(europäische Staaten und bis Südamerika einerseits, Japan anderseits); Auskünfte über
Ozeanographische Tatsachen, Literatur, Instrumente u. a. m. waren meist das Ziel. Für die
Kartographische Reliefgesellschaft-München wurden 2 Isobathenkarten geliefert.
Auf dem Geographentag zu Leipzig im Mai 1921 war die Abteilung durch den Regierungsrat
Dr. Br, Schulz vertreten. Letzterer hielt ferner als Privatdozent im Berichtsjahre geographische
Vorlesungen an der Universität Hamburgi Der Abteilungsvorstand Prof. Dr. Schott leitet
seit Herbst 1921 zusammen mit Prof. A. Wegener (Abteilung M) und Dr. Tams (Hamburgische
Erdbebenstation) an der Universität ein „Geophysikalisches Kolloquium“, bei der die Meeres
kunde entsprechende Berücksichtigung findet.
Außer den 3 in der Abteilung tätigen Beamten (s. „Personal“, S. 6) waren als an-
gestellte wissenschaftliche Kräfte noch vorhanden die Herren Dr. A. Schumacher und Dr Pape.
Die Hilfskraft Kapt. Voß trat am 1. 1. 1921 zu Abteilung I über.