Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1921.
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k. Die Wetterwarte Königsberg.
Die Wetterwarte Königsberg wurde am 1. Juli 1920 ins Leben gerufen unter der Be
zeichnung „Landeswetterwarte und nautisches Observatorium“. Es war damals geplant
worden, nicht nur meteorologische, sondern auch hydrographische und aerologische Unter
suchungen und Beobachtungen anzustellen. Das hat sich jedoch bald aus finanziellen
Gründen und aus Mangel an dem dazu nötigen Personal als unmöglich erwiesen.
Die Hauptaufgaben der Wetterwarte Königsberg bestehen in der Wettervorhersage und
im Sturmwarnungsdienst für Ostpreußen und die ostpreußische Küste. Da in Königsberg
eine öffentliche Wetterdienststelle bestand, so wurde dieselbe nach Einvernehmen mit dem
landwirtschaftlichen Ministerium mit der Wetterwarte verschmolzen. Die Sturmwarnungen,
Wettervorhersagen und die Hafentelegramme werden nunmehr für die ostpreußische Küste nicht
mehr von der Seewarte, sondern von der Wetterwarte abgegeben, ebenso wie eine Prognose
und Sturmwarnungen für die Schiffahrt der östlichen Ostsee von dort aufgestellt und von
der Funkstelle der Marineleitung in Pillau drahtlos verbreitet werden. Außer den.eigentlichen
Aufgaben im Wetterdienst sind noch geplant Vorlesungen an der Universität über Meteoro
logie, Aerologoie und Klimatologie seitens der Beamten der Wetterwarte sowie praktische
Kurse zum Zweck der Ausbildung in meteorologischen Messungen und Beobachtungen usw.
An Personal besitzt die Wetterwarte außer dem Leiter Reg.-Rat Prof. Dr. Steffens 2 wissen
schaftliche und 4 sonstige Angestellte. Im März wurde die Wetterwarte vom Präsidenten
der Seewarte besichtigt.
1. Die Drachenwarte Cranz.
Die Drachenwarte Cranz ist aus der ehemaligen, im Kriege hergestellten Drachenwarte
Seerappen hervorgegangen. Da das Gelände, auf dem sich die Drachenwarte Seerappen
befand, an eine Siedehmgsgesellschaft verkauft wurde, machte sich deren Verlegung notwendig.
Hierfür kam Cranz in Betracht. Um sowohl für die Wetterwarte Königsberg als auch für
diö Drachenwarte selbst eine F-T-Station, die für die schnelle Erreichung der Obstelegramme
unentbehrlich schien, zu bekommen, wurde Dr. Bingel in Lindenberg nach Cranz geschickt, um in
Cranz den Aufbau der F-T-Station vorzunehmen. Am 20. Dezember 1920 wurde dieselbe erstmalig
in Betrieb genommen. Am 1. April 1921 war dann auch die Verlegung der Drachenwarte von
Seerappen beendigt, und es konnte mit dem Anstellen von Pilot- und Fesselballonaufstiegen
begonnen werden. Leider konnte der Betrieb der Drachenwarte infolge Erkrankung und
späteren Todes des Dr. Niehoff nicht so in Anspruch genommen werden, wie es in Aussicht
genommen war, da der für Dr. Niehoff, eingetretene Dr. Lohr sich erst mit den Arbeiten der
Drachenwarte vertraut machen mußte.
m. Die Drachenwarte Cuxhaven-Alienwalde.
Die Drachenwarte Altenwalde bei Cuxhaven wurde nach Überwindung von allerhand
Schwierigkeiten, die sich besonders auf die Auswahl und den Ankauf des Geländes und des
Gebäudes erstreckten, im Sommer 1920 eröffnet. Der Holzbau der Drachenwarte stammt
von der ehemaligen Kriegsschöpfung Tarp in Schleswig. Durch einen orkanartigen Sturm
am 23. Oktober hat die Drachenwarte sehr erheblichen Schaden gelitten; die Ballonhalle
wurde niedergelegt und die Observatoriumsbaracke zum Teil abgedeckt, auch der Verlust
und die Beschädigung an Inventar und Material war beträchtlich.
Da der Leiter der Drachenwarte, Reg.-Rat Dr. Perlewitz seine Wohnung in Cuxhaven
nehmen mußte, so machte sich eine Telephonverbindung nach dort nötig, ebenso der Anschluß
an das Marine-Telephonnetz, ohne welche die rechtzeitige Abgabe der aerologischen Be
obachtungen an die Funkstelle Nordholz, die 5 km von der Drachenwarte entfernt liegt,
und damit die funkentelegraphische Verbreitung der Beobachtungen nicht möglich gewesen
wäre. Das Personal der Drachenwarte besteht außer dem Leiter aus zwei Meteorologen,
einem Betriebs- und einem Bürowarte sowie vier Handwerkern.
Außer den Aufstiegen werden seit dem 25. Juni täglich photochemische Helligkeits
messungen angestellt sowie Terminbeobachtungen und Wettervorhersagen an zwei Cuxhavener
Zeitungen abgegeben.