Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1921.
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ist an anderer Stelle ausführlich berichtet. Seitens der Abteilung haben die Herren Dr.
Rauschelbach, Michaelis und Thiel als Beobachter an der ersten Untersuchungsfahrt auf dem
Vermessungsschiff „Triton“ vom 20. bis 30. Juni 1921 teilgenommen. Während der zweiten
Fahrt vom 4. bis 18. August 1921 waren die Herren Michaelis und Thiel auf den Peilbooten
V und II (Vermessungsschiffen der Marine) eingeschifft.
Die Bitte der Marineleitung, für die Neuausgabe des Nordseehandbuchs, östlicher Teil,
den Abschnitt „Gezeiten und Strömungen“ zu bearbeiten, und die durch die Verlegung der
Feuerschiffe hervorgerufenen Unstimmigkeiten der in den Gezeitentafeln enthaltenen Angaben
der Gezeitenströme bei den deutschen Feuerschiffstationen der Nordseeküste zwangen die
Abteilung, die aus dem von Abteilung H eingerichteten Beobachtungsdienst auf den deutschen
Feuerschiffen gewonnenen Beobachtungen einer vorläufigen Bearbeitung zu unterziehen.
Für die Stationen der Feuerschiffe Oste-Riff, Elbe IV und Elbe I sind die Kenterungs
zeiten aus den Beobachtungen abgeleitet und für Elbe IV für das Jahr 1922 im voraus
berechnet. Diese Vorausberechnung ist den Kreisen der Kleinschiffahrt und Fischerei in
zahlreichen Exemplaren zur Verfügung gestellt.
Die Bearbeitung der neuen Strombeobachtungen konnte noch nicht zu einem Abschluß
geführt werden, läßt aber auf wertvolle Ergebnisse hoffen.
Der Ausbau des Gezeitendienstes an der Deutschen Seewartc brachte der Abteilung /
eine große Anzahl von Besuchern, in- und ausländischen Gelehrten, auf die besonders die/
Gezeitenrechenmaschine einen großen Eindruck machte.
VII. Bericht über die Tätigkeit der Abteilung III.
Pflege der Witterungskunde, der Küstenmeteorologie und Sturmwarnungen in Deutschland.
a. Herausgegebene Arbeiten.
Siehe Abschnitt XIII, Nr. V bis X.
b. Wettertelegraphie.
Die Umstellung des wettertelegraphischen Verkehrs auf die drahtlose Übermittlung
hat im Jahre 1921 weitere Fortschritte gemacht. Außer dem Hinzutreten drahtloser Meldungen
vom Balkan, der Insel Jan Mayen und von Nordafrika sind als besondere Neuerungen Schiffs
meldungen vom Atlantischen Ozean, sowie Beobachtungen um 2 Uhr nachts von England,
Frankreich, Polen, Finnland und Hamburg (im ganzen gegen 30 Stationen) hervorzuheben.
Das gesamte drahtlos einlaufende Material ist von 3000 auf rund 4500 Worte täglich an
gewachsen. Die internationalen Konferenzen für Wettertelegraphie in London (November
1920 und September 1921) haben weitgehende Änderungen im Sendeplan wie in der
Verschlüsselung der Wetterfunksprüche zur Folge gehabt, sodaß sich eine Neuausgabe des
Funkwetterschlüssels, die im August erschien, als notwendig erwies. Zu den drei, von der
Seewarte herausgegebenen und von Königswusterhausen verbreiteten europäischen Sammel
funksprüchen ist im April ein vierter hinzugetreten, der die Abendbeobachtungen einer
Auswahl europäischer Stationen enthält. Zu gleicher Zeit gelang es, eine Verfrühung dieser
Meldungen um etwa 45 Min. dadurch zu erreichen, daß die Beförderung dieser Telegramme an die
Taststelle nicht mehr der Post überlassen wurde, sondern dieselben auf durchgeschalteter Leitung
von der Seewarte selbst an die Sendestelle abgesetzt wurden. Gegen Ende des Berichtsjahres
sind die Vorarbeiten zur Einführung der direkten Ferntastung nach Königswusterhausen
soweit zu einem Abschluß gelangt, daß die Einführung der Neuerung und die damit ¿ver
bundene weitere Verfrühung der Sammelfunksprüche und Vereinheitlichung des deutschen
Wetterfunkverkehrs bevorsteht. — Versuche zur Verbesserung der Beförderung der deutschen
Wettertelegramme haben in Zusammenarbeit mit der Reichspost befriedigende Ergebnisse
gezeitigt. Seit dem 1. Juli wird für die Schiffahrt ein erweitertes Funkwettertelegramm durch
Norddeich und Swinemünde zweimal am Tage verbreitet, in dem außer der Witterungs
übersicht und der Vorhersage die neuesten Wettermeldungen von je 4 Stationen der Nord-
bezw. Ostsee enthalten sind.