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Jahresbericht der Deutschen See-warte für 1921.
e, Anwendung der Lehre vom Magnetismus in der Navigation,
Im Laufe des Jahres 1921 wurden durch die Zentralstelle und die Agenturen im ganzen
892 Schiffe auf die Deviation der Kompasse untersucht und diese kompensiert.
f. Erdmagnetische Arbeiten.
Neben der Auskunftserteilung über erdmagnetische Verhältnisse wurden die Vorarbeiten
für die neu herauszugebenden Weltkarten der drei erd magnetischen Elemente, der Deklination,
der Inklination und der Horizontalintensität, fortgesetzt.
Außerdem wurden Mißweisungskarten für die O. Adm.-Karten Nr. 108 „Westküste von
Norwegen“, Nr. 522 und 523 „Nordostküste von Südamerika“, für das Dampferhandbuch
für den Stillen Ozean und für das Ostseehandbuch (Südl. Teil) hergestellt.
g. Gezeitendienst.
Die Gezeitentafeln für das Jahr 1922 waren im Mai 1921 druckfertig. Für die
Gezeitentafeln für das Jahr 1923 wurden die ausführlichen Gezeitenangaben von 8 europäischen
und von 21 außereuropäischen Häfen mittels der Gezeitenrechenmaschine im voraus be
rechnet. 17 europäische Häfen wurden ferner teils nach dem Lubbockschen Verfahren be
rechnet, teils an andere Häfen angeschlossen. Bis Ende 1921 war die Handschrift für die
Gezeitentafeln 1923 nahezu fertiggestellt.
Einzelnen Schiffahrtslinien wurden auf Wunsch ausführliche Gezeitenangaben von nicht
in den Gezeitentafeln abgedruckten Häfen geliefert. Für die Herstellung von Kalendern
wurden an mehrere Verlage, Druckereien oder Behörden Vorausberechnungen abgegeben.
Eine Bestimmung der harmonischen Konstanten von Bremerhaven für das Jahr 1918-19
wurde durchgeführt; ebenso wurde eine Berechnung der Konstanten von Hamburg für das
Jahr 1920 in Angriff genommen. Für die Strombauarbeiten an der Unterweser wurden mit
der Gezeitenrechenmaschine zwei vollständige Gezeitenkurven für das Jahr 1922 gezeichnet;
für Windstaumeldungen wurden solche Kurven für die Jahre 1921 und 1922 auch für
Wilhelmshaven angefertigt; zur Unterstützung der Arbeiten bei den Wattenaufnahmen bei
Wangerocg wurde die Kurve von Rotersand Leuchtlurm für einen Monat gezeichnet.
Der 1919 in der Gezeitenabteilung aufgestellte Tischpegel wurde in Benutzung ge
nommen, nachdem das Kabel zwischen der Deutschen Seewarte und den St. Pauli Landungs
brücken für die elektrische Fernübertragung gelegt war und die Anschlußarbeiten aus
geführt waren.
Außer den Arbeiten zur Ermittelung der harmonischen Konstanten der wichtigsten
deutschen Häfen für spätere Windstauuntersuchungen wurde noch die Neubearbeitung der
Grundlagen für die Berechnung der Gezeitenangaben für die deutschen Häfen in Angriff
genommen.
Zu Anfang des Jahres wurde eine vollständige Neubearbeitung der Erscheinungen der
senkrechten und wagerechten Gezeitenbewegung für das Gebiet der Nordsee und der
Britischen Gewässer begonnen. Da das Institut für Meereskunde an der Universität Berlin
gleichzeitig eine wissenschaftliche Untersuchung der Gezeitenverhältnisse der Nordsee vor
nehmen wollte, wurde eine Arbeitsteilung dergestalt vereinbart, daß der in etwa zwei Jahren
seitens der Deutschen Seewarte herauszugebende neue Gezeitenatlas für das Gebiet der
Nordsee und der Britischen Gewässer das Ergebnis der Arbeiten beider Institute dar
bieten solle.
Im Laufe des Jahres wurde der Bedarf der Schiffahrtskreise nach dem neuen Gezeiten
atlas so dringend, daß im November 1921 eine Hilfsauflage von 500 Stück herausgegeben
werden mußte, der eine frühere kompilatorische Bearbeitung der Abteilung H (Dr. Brennecke)
zu Grunde liegt.
Über das Zusammenarbeiten des Instituts für Meereskunde und der Deutschen See
warle auf Vermessungsschiffen der Marine bei den Gezeitenuntersuchungen in der Nordsee