Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1914—1918.
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Die Erweiterung der Bibliothekräume ist bis zum Schluß des Jahres 1914
ausgeführt, die'Umstellung und Neuordnung der Bestände wurde in der folgenden
Zeit durchgeführt und eine vollständige Revision der Bestände und Aufstellung
eines neuen ^ncjkataloges in Angriff genommen.
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XII. Ozeanographische Abteilung (H).
1. Während der 5 Kriegsjahre wurde ununterbrochen, aber mit wechselnder
Zahl der nautischen Kräfte, an dem Atlas der Stromversetzungen im
Atlantischen Ozean gearbeitet; es sind jetzt rund 60000 Einzelversetzungen
aus den meteorologischen Tagebüchern der Segelschiffe ausgezogen. Zur Zeit
werden nun die Beobachtungen der Dampfer hinzugenommen. Abschriften der
Versetzungen der Monate Dezember bis Mai einschl. wurden 1917 und 1918 im
Auszug dem mit der Seewarte von jeher in nahem Austausch-Verhältnis stehenden
Niederländischen Meteorologischen Institut zu de Bilt auf Wunsch zugestellt.
2. Die Klimatologie und die Ozeanographie der Oberfläche des Persischen
Golfes und des Golfes von Oman wurde auf Grund sämtlicher Beobachtungen
der Dampfer der Elamburg-Amerika-Linie (1906—1914) und sonstigen Materiales
bearbeitet, in Karten und Text dargestellt und veröffentlicht (Beilage zu den
„Annalen der Hydrogr. usw.“ 1918, 46 Seiten, 7 Tafeln). Entsprechende Auszüge
für die nördlichen Teile des Arabischen Meeres sind handschriftlich vorhanden.
3. Eben vor Kriegsausbruch war auf bestimmten Dampferwegen im Nord
atlantischen Ozean (Hamburg—Para und Hamburg—Cuba—Mexiko) die regel
mäßige Sammlung von Wasserproben der Meeresoberfläche durch unsere Mit
arbeiter zur See organisiert worden, zur weiteren Verwertung im Interesse der
internationalen Meeresforschung. Im Auftrag dieser letztgenannten Stelle, auf
Veranlassung des Vizepräsidenten Prof. O. Pettersson, sind durch 2 Kräfte
des Zentralbüros aus Kopenhagen 1915 und 1916 die deutschen Messungen der
Oberflächentemperatur an ausgewählten Stellen des Nordatlantischen Ozeans für
die Jahre 1900—1913 bei der ozeanographischen Abteilung ausgezogen worden.
Dies Material zusammen mit holländischem und dänischem wurde bearbeitet und
veröffentlicht als Beitrag zu den Wärmeschwankungen des atlantischen Meeres
im Bulletin Hydrographique der internationalen Meeresforschung (Kopenhagen
1919).
4. Für die vom Reichs-Marine-Amt herausgegebenen Seehandbücher lieferte
die ozeanographische Abteilung Beiträge über Wassertemperaturen, Salzgehalte
und spezifische Gewichte, auch Strömungen, im Irischen Kanal, an der Westküste
Schottlands, auf der Strecke Fär Öer—Island—Ostgrönland, an der Westküste
Norwegens. Hierbei wurden die Tiefen bis 100 m mitbehandelt.
5. Der ständige Mitarbeiter der Abteilung Dr. Brennecke hat im Sonder
aufträge seitens des Reichs-Marine-Amtes die Gezeitenströmungen der Hofden,
des Englischen und des Irischen Kanales für die Sammlung der U-Boot-Handbücher
bearbeitet und ist noch mit einer entsprechenden Arbeit für die Deutsche Bucht
der Nordsee beschäftigt. Er war im übrigen mehrere Jahre mit der Vertretung
des abwesenden Vorstandes der „Annalen“ und Bibliotheksverwaltung betraut.
6. Die ozeanographischen Beobachtungen der früheren 2 Vermessungsschiffe
„Planet“ und „Möwe“ sind vollständig veröffentlicht; insbesondere wird auf Heft 1,
Jahrgang XXXVII (Hamburg 1914) von „Aus dem Archiv der Deutschen See
warte“ hingewiesen, wo die Forschungsreise der „Möwe“ behandelt ist.