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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1895.
Die Diskussion der eingelieferten Deviations-Journale konnte auch in diesem
Jahre in Folge Ueherhäufung der Abtheilung II mit Arbeiten anderer Art nur in
nebensächlicher Weise ausgeführt werden. Trotzdem gelang es der Abtheilung II
namentlich auch durch die Unterstützung einiger in ihr freiwillig zur weiteren
nautischen Ausbildung arbeitenden Herren, die Diskussion von 12 Deviations-
Journalen vollständig durchzuführen und die Resultate derselben den betreffenden
Schiffsführern mitzutheilen.
Es ist sehr zu bedauern, dafs dieser so wichtige Zweig der Thätigkeit der
Ahtheilung II, welcher der praktischen Schiffahrt direkt zu Gute kommt, hei der
gegenwärtigen Zusammensetzung der Abtheilung aus nur B Personen durchaus
nicht in der von den Schiffsführern gewünschten Weise zur Geltung gelangen
kann. Die Schiffsführer zeigen ihr Verlangen nach ausführlicher Diskussion ihrer
Journale von Jahr zu Jahr, abgesehen von der mündlichen Aussprache, mehr da
durch, dafs sie in stets wachsender Weise ihre Deviations-Journale genauer nach
der von der Ahtheilung II gewünschten und durch die von ihr herausgegehene
„Instruktion über die Behandlung der Deviation der Kompasse an Bord eiserner
Schiffe“ bekannt gegebenen Art führen. Es möge zum Beweise nur angeführt
werden, dafs im Jahre 1895 von den eingelieferten Deviations-Journalen 84 als
zur umfassenden Diskussion geeignet bezeichnet wurden, während die entsprechende
Anzahl im Vorjahre nur 32 betrug. Es ergeben sich diese Zahlen aus der be
ständigen Buchführung über alle ein- und ausgegangenen Deviations-Journale,
welche in diesem Jahre, wie auch schon in mehreren vorhergehenden, ununter
brochen durchgeführt wurde. Es werden dabei die einzelnen Journale nach
ihrem gröfseren oder geringeren Geeignetsein für die ausführliche Diskussion
klassifizirt und demgemäfs geordnet.
Die in den Deviations-Journalen mehrfach niedergelegten Bemerkungen über
ungewöhnliches Verhalten der Kompasse, deren ungenügendes Funktioniren u. s. w.
wurden, wo dieses thunlich war, besonders berücksichtigt und den Mängeln durch
anderweitige, richtigere Kompensirung, oder Besorgung eines anderen Kompasses
abgeholfen.
Eine besondere Belastung des Personals der Abtheilung II fand in diesem
Jahre statt durch die vom Herrn Staats-Sekretär des Reichs-Marineamts anbe
fohlene und im Sommer des Berichts-Jahres ausgeführte Untersuchung über die
beste Abblendung der Schiffs-Positions-Laternen. Es wurde diese Untersuchung
in den Monaten Juni und Juli des Berichts-Jahres seitens des Personals der Ab-
theiluug II unter Hinzuziehung einiger nicht zum Personal der Seewarte gehören
der Fachleute in den Nachtstunden ausgeführt und ein ausführlicher Bericht
darüber in Nummer 2 des Werkes „Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte“,
Jahrgang XVIII, niedergelegt. Vor der Fertigstellung wurde aber ein ausführ
licher Auszug aus dem Manuskript in den „Annalen der Hydrographie und mari
timen Meteorologie“, Dezemberheft 1895, veröffentlicht. Derselbe wurde ip Separat-
Abzügen in 100 Exemplaren dem Herrn Staats-Sekretär des Reichs - Marineamts
für weitere Verhandlungen mit einheimischen xxnd ausländischen Behörden zur
Verfügung gestellt.
Die Ausarbeitung dieses Berichts, sowie die Anfertigung des betreffenden
Auszugs fiel lediglich dem Personal der Ahtheilung H zu, welches ebenfalls die
Druckfertigstellung dieser beiden Sachen (Korrektur u. s. w.) zu besorgen hatte.
Der Verkeim mit Kapitänen und Mechanikern, sowie die Besuche von Eigen-
thümern der zu nautischen und wissenschaftlichen Zwecken bestimmten Instru