Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1893.
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nahmen einen greisen Theil der Zeit und der Kräfte, welche unter der un
mittelbaren Leitung des Direktors arbeiteten, in Anspruch. Zu Anfang des
Jahres wurden bei der Bearbeitung der genannten Gegenstände beschäftigt;
Dr. H. von Hasenkamp, E. Gutermann, und gegen das Ende des Jahres:
Dr. G. Schott. Dem zuletzt Genannten fiel überdies noch die Aufgabe zu, eine
Tiefenkarte des Stillen Ozeans auf Grundlage des neuesten Materials zu entwerfen
und für die Veröffentlichung in dem Atlasse zum Segel-Handbuche für den Stillen
Ozean vorzubereiten. Es wird weiter unten sich noch Gelegenheit bieten, auf
die hier genannten Arbeiten zurückzukommen.
Die in dem letzten Jahres-Berichte, Seite 38, besprochenen Arbeiten des
Direktors mit dem Gymnasiallehrer Herrn Dr. Adolph Schmidt, welche sich
auf die Theorie des Erdmagnetismus beziehen, konnten auch in diesem Jahre
nicht zu Ende geführt werden; mit dem Fortschreiten in diesen mühevollen Ent
wickelungen und Berechnungen traten stets neue Gesichtspunkte hervor, die eine
Berücksichtigung in der Weiterführung der Untersuchung erheischten. Wesent
lich gefördert wurden die diesbezüglichen Arbeiten in Folge einer Konferenz,
welche der englische Gelehrte Herr Professor Dr. Arthur Schuster von
Manchester im Monate August mit dem Direktor hatte. Dieser hervorragende
Gelehrte besuchte die Seewarte, um sich ein Bild über den Umfang der daselbst
ausgeführteu magnetischen Untersuchungen zu machen und dadurch eine Ansicht
zu gewinnen, in welcher Weise etwa ein Zusammenwirken diese wichtigen Unter
suchungen zu fördern vermöchte. Auch bei Gelegenheit der Naturforscher-
Versammlung in Nürnberg konnte in Vorträgen und Besprechungen mit Fach
gelehrten darauf hingewirkt werden, Einheitlichkeit und Zusammenwirken auf
diesem schwierigen Forschungs-Gebiete zu erzielen.
Prof. Dr. Koppen hat auch im Berichts-Jahre die Redaktion der „Annalen
der Hydrographie und Maritimen Meteorologie“ besorgt und eine Anzahl
von Aufsätzen über hydrographische und meteorologische Gegenstände für die
selben geliefert. Unter diesen ist ein im Aprilheft erschienener und im August
heft vervollständigter Aufsatz über das Verhalten der Gele und Seifen auf W T asser
und Wasserwellen hervorzuheben, weil er zu einem voraussichtlich praktisch
wichtigen Resultat geführt hat. Dr. Koppen hat nämlich im Frühling des
Jahres, von der Ueberzeugung ausgehend, dais die glättende Wirkung der Gele
eine Folge der Verringerung der Oberflächenspannung sei, die Entdeckung
gemacht, dais Seifenlösungen diese Wirkung in mindestens demselben Grade
ausüben müssen, und dieses durch eine einwöchentliche Untersuchungsfahrt auf
einem der hamburgischen Lootsenschoner im Sommer auf der offenen Nordsee
bestätigen können. Die Bewilligung der Benutzung des Lootsenschoners zu dieser
Studienfahrt war von der Deputation für Handel und Schiffahrt hier in entgegen
kommender Weise gegeben worden. Es ist nicht zu erwarten, dais das neue
Mittel sich rasch Bahn brechen wird, da es mit dem, ja vielfach berechtigten,
Mifstrauen des Seemannes gegen alles Neue zu kämpfen hat; doch geben die
bis jetzt eingelaufenen Berichte zu der Hoffnung Anlais, dafs es neben, und bald
in Verbindung mit Gel, bald als billiger und bequemer Ersatz für dasselbe,
Nutzen bringen wird.
Ferner hat Dr. Koppen eine Studie über die Barometerschwankungen über
Europa und dem Nordatlantischen Ozean, sowie eine über die Regenverhältnisse
von Nordamerika in der „Meteorologischen Zeitschrift“, und eine Abhandlung
über „Schreibung geographischer Namen“ als besondere Broschüre veröffentlicht.