accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext : Jahresbericht 1880

25

Sitte  die  Freude  über  die  feste  Begründung  des  Baues  und  die  Hoffnung  demnächstiger  glücklicher  Vollendung ­
  bezeichnet.
„Es  sind  jetzt  12  Jahre  verflossen,  seitdem  der  erste  Grundstein  zu  einer  Seewarte  in  Deutschland  in
Hamburg  gelegt  wurde;  aber  nicht  wie  heute  zu  einem  grossen  stattlichen  Bau  —  dazu  fehlten  die  Mittel.
Es  handelte  sich  damals  nur  um  Beschaffung  einer  Unterkunft  für  die  ersten  Anfänge  eines  gemeinnützigen
Unternehmens,  das  in  rastlosem  Eifer  ein  Privatmann  geplant  hatte.  Es  waren  aber  nur  die  ersten  Anfänge,
welche  aber  auf  eine  künftige  Entwickelung  hinwiesen,  nur  erst  der  Vorläufer  des  Institutes,  das  an  derselben ­
  Stelle  kräftig  aufwachsen  sollte.  Welterschütternde  Ereignisse  brachten  die  Umgestaltung  aller  Verhältnisse ­
  in  Deutschland  —  und  auch  hier  trat  an  Stelle  der  bescheidenen  Privatanstalt  das  grosse  Reichsinstitut.
  —
„Unter  mächtigerem  Schutze,  unter  anderer  Leitung,  mit  grösseren  Mitteln  und  mit  grösseren  Erfolgen
wuchs  die  jugendliche  Anstalt  schnell  empor.  Mit  dem  Feuereifer  der  Jugend  wurde  rastlos  vorwärts  gestrebt; ­
  eine  grosse  Aufgabe  nach  der  anderen  muthig  angefasst;  an  der  Zentralstelle  eine  Abtheilung  nach
der  anderen  organisirt;  Nebenstellen  über  die  ganze  Küste  verbreitet.  Hier  diente  die  Wissenschaft  dem
praktischen  Gewerbe  der  Schifffahrt;  hier  auch  trug  die  Schifffahrt  ihrerseits  zur  Förderung  der  Wissenschaft ­
  ihr  Scherflein  bei.  So  wurde  die  Aufmerksamkeit  der  wissenschaftlichen  Kreise  Europa’s  erregt,  die
Anerkennung  Deutschlands  errungen,  das  Wohlwollen  der  Behörden  gewonnen.  —  Ein  günstiges  Geschick
hatte  gewollt,  dass  das  junge  Institut  nicht  blos  den  der  schwierigen  Aufgabe  völlig  gewachsenen  Direktor,
nicht  nur  eine  Anzahl  tüchtiger,  in  ihrem  Fache  ausgezeichneter  Beamten,  sondern  auch  iu  dem  Chef  der
Kaiserlichen  Admiralität  einen  Mäcen  gefunden  hat,  wie  er  wohlwollender,  energischer,  einflussreicher  nicht
gewünscht  werden  konnte.
„Aber  bei  alledem  —  ein  Wesentliches  fehlte  noch  —  ein  würdiges  Gebäude.  Auch  diesem  Bedürfniss
sollte  abgeholfen  werden.  Alle  Schwierigkeiten  wurden  überwunden  —  und  das  Fundament  steht  fertig  vor
uns!  —  Und  wenn  dann  später  das  Gebäude  vollendet  dastehen  wird,  dann  wird  es  gleichfalls  dieser  Stadt
eine  Zierde  sein,  wie  ihr  schon  jetzt  die  Seewarte  selbst  zum  Stolz  und  znr  Zierde  gereicht  —  und  nicht
blos  zur  Zierde,  zum  wirklichen  Nutzen,  von  grosser  Bedeutung  besonders  für  diese  dem  Seehandel  gewidmete ­
  Stadt.  Zwar  wird  gerade  jetzt  eben  dieser  Seehandel  von  den  ernstlichsten  Gefahren  bedroht,  aber
er  wird  sie  überstehen,  wie  er  so  manche  andere  Kalamität  Überstauden  hat,  und  so  lange  Hamburg  ein
Seehandelsplatz  ersten  Ranges  bleibt,  wird  es  mit  Dankbarkeit  und  Freude  die  Dienste  anerkennen,  welche
die  Seewarte  nicht  blos  der  Wissenschaft,  sondern  auch  der  Schifffahrt  geleistet  hat  und,  so  Gott  will,
ferner  leisten  wird.  —  Möge  denn  die  Schifffahrt  unverkiimmert  blühen  und  gedeihen!
Möge  die  Seewarte  in  kräftigem  W  achsen  den  schnell  erkämpften  Ruhm  bewähren!
Möge  dieser  Bau  mit  Gottes  Hilfe  seiner  Vollendung  glücklich  entgegen  eilen!
Mit  diesen  Wünschen  begrüssen  wir  Hamburger  diese  Grundsteinlegung.  Diese  Wünsche  knüpfe  ich
an  die  drei  Hammerschläge,  mit  welchen  ich  der  Aufforderung  des  Herrn  Direktors  der  Seewarte  folgend,
dieselbe  nach  alter  Sitte  vollziehe!“
Alsdann  begab  sich  Herr  Bürgermeister  Dr.  Kirchenpauer  einige  Stufen  in  die  Baugrube  hinunter
und  that  auf  den  Grundstein,  in  welchen  die  Kapsel  mit  den  Dokumenten  u.  s.  w.  inzwischen  eingelassen
war,  die  ersten  drei  Hammerschläge  mit  den  Worten;  „Zu  Ehren  des  Reiches!  —  Zur  Förderung  der
Wissenschaft!  —  Zum  Nutzen  der  Schifffahrt!“  —
Es  fügten  dann  mehrere  der  übrigen  Anwesenden  die  üblichen  Hammerschläge  hinzu,  worauf  der  Grundstein ­
  eingemauert  und  die  Feier  geschlossen  wurde.
Das  Wetter,  welches  den  ganzen  Tag  über  unfreundlich  gewesen  war  —  denn  schwere  Regenböen
hatten  sich  von  Zeit  zu  Zeit  über  der  Stadt  entladen  —,  war  während  der  Feier  günstig  geblieben,  sodass
die  angeführten  Reden  ungestört  gesprochen  werden  konnten  und  der  feierliche  Akt  ohne  Unterbrechung
seinen  Verlauf  nahm.
2.  Nebenstellen  der  Seewarte  und  deren  Einrichtungen.
Zahl  und  Einrichtung  der  Nebenstellen  erlitten  im  Laufe  des  Berichtsjahres  1880  keine  wesentlichen
Veränderungen.  Dagegen  bedarf  wohl  kaum  der  besonderen  Erwähnung,  dass  die  sämmtlichen  Einrichtungen ­
  durch  Reparaturen  und  Ergänzungen,  wo  immer  solche  nothwendig  geworden  waren,  in  vollkommen

Archiv  1880.  1.

4
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.