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konnten nicht immer und in regelmässigen Zwischenräumen die so wünschenswerthen Bestimmungen darin
ausgeführt werden. Im Nachfolgenden werden sonach nur die Mittelwerthe einer Anzahl von Bestimmungen
der beiden Elemente des Erdmagnetismus, wie sie zu verschiedenen Zeiten ausgeführt werden konnten,
mitgetheilt. Zuvor sei jedoch bemerkt, dass in der zweiten Hälfte des Jahres, als mit dem 21. Juni die
Ausgrabungen für den Bau des Kompass-Observatoriums beim neuen Dienst-Gebäude begonnen hatten, eine
Anzahl von Arbeiten, theils magnetischer, theils geodätischer Natur, zur Bestimmung der Grösse einer
eventuellen Lokal-Attraktion durch den Direktor ausgeführt wurden. Dadurch wurden für das neue Obser
vatorium theils die Azimute einiger Miren, theils die Werthe der magnetischen Elemente bestimmt. lieber
alle diese Operationen und die daraus sich ergebenden Resultate wird an anderer Stelle berichtet werden,
und zwar theils in späteren Jahres-Berichten, theils auch in einer, der Beschreibung des neuen Obser
vatoriums gewidmeten Veröffentlichung.
Hier sei nur noch erwähnt, dass, da das neue unterirdische Kompass-Observatorium erst kurz vor
der feierlichen Einweihung des Dienst-Gebäudes vollendet wurde, des noch sehr feuchten Zustandes des
Mauerwerkes desselben wegen die Instrumente nicht aufgestellt werden konnten. Bei der vorgerückten
Jahreszeit musste aus diesem Grunde von der Ausführung grösserer Beobachtungs-Reihen abgesehen werden.
Magnetische Deklination. (Variation des Kompasses.) Die auf das Mittel des Tages reduzirten
Bestimmungen der magnetischen Deklination wurden im Magnetischen Pavillon ausgeführt, der, wie schon
im Jahresbericht III ausgeführt, nicht frei von Lokal-Einflüssen ist. Es zeigte sich denn auch der Mittel
werth dieses Elementes zu klein, wenn verglichen mit den Beobachtungen früherer Jahre und im alten
Observatorium ausgeführt, nämlich 16° 4.9'W. Die magnetische Deklination war für 1880.b gleich 13° 20.02'
(im Kompass-Observatorim), woraus sich eine jährliche Abnahme von 15.ib' ergeben würde — ein um das
Doppelte zu grosser Werth. Aus Beobachtungen, die im Freien ausgeführt wurden, ergab sich die mag
netische Deklination für 1880.B zu 18° 27'W und für 1881.5 zu 18° 19.b'West, woraus sich eine jährliche
Abnahme von 7.5' ableitet. <: ) Aus den in den Annalen für Hydrographie und maritime Meteorologie ver
öffentlichten Werthen der magnetischen Deklination in Wilhelmshaven erhält man die jährliche Veränderung
zu ungefähr 6.3', während für die Epoche von 1872 bis 1882 sich eine Abnahme von 7.s' im Mittel ergiebt.
Die Beobachtungen, die im April 1873 beim Diebsteiche ausgeführt worden sind, geben, wenn mit neueren
Beobachtungen kombinirt* **) '"), ein ähnliches Resultat. Es bleibt einer späteren, eingehenderen Diskussion,
zu welcher auch die Beobachtungen im neuen Kompass - Observatorium hinzugezogen werden sollen, Vor
behalten, die fraglichen Werthe definitiv für die Periode 1881 festzustellen, einstweilen nehmen wir dieselben
für die hier im Auge gehabten Zwecke mit ausreichender Sicherheit, die magnetische Deklination zu
13° 19.5' West und die jährliche Abnahme zu 7.8' an.
Magnetische Inklination. Ganz dasselbe, was in Bezug auf die im Jahre 1881 in dem Kompass-
Observatorium ausgeführten Bestimmungen der magnetischen Deklination gesagt wurde, lässt sich auf die
Bestimmungen der magnetischen Inklination anwenden. Wir nehmen dieselben, vorbehältlich einer ferneren
genaueren Diskussion sämmtlicher Beobachtungen, zu 67° 33.0' N an.
Horizontal-Intensität. (X). Die Horizontal-Komponente der erdmagnetischen Kraft wird unter den
gleichen bei Deklination und Inklination gemachten Vorbehalten für 1881.5 zu 1.7923 angenommen, während
in dem magnetischen Pavillon die Einflüsse lokaler Natur in dem für dieselben erhaltenen Werthe von
1.8158 G. E. sich manifestiren.
Bremerhaven. Magnetische Deklination. Die Beobachtungen, welche mittelst eines Azimut-
Kompasses und eines Deviations-Magnetometers ausgeführt wurden, ergaben aus den allmonatlich abgeleiteten
Resultaten einen Mittelwerth von 14° I8.2' westlich.
Eine Reduktion auf das Tagesmittel wurde in diesem Falle nicht ausgeführt.
Magnetische Inklination. Aus den 12 allmonatlich ausgeführten Beobachtungen ergiebt sich für 1881.5
eine mittlere magnetische Inklination von 67° 59.e' N.
Swinemünde. Magnetische Deklination. Von der Hauptagentur liegen gleichmässig über das
Jahr vertheilte 10 Reihen von Beobachtungen über dieses Element vor. Die einzelnen Reihen von Beob
*) Beobachtungen, welche im Jahre 1883 an der Station am Diebsteich ausgeführt wurden, bestätigen diese Resultate.
**) Namentlich ist jene im Jahre 1883 im April an derselben Stelle ausgefuhrt.