204 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September. 1924,
mutlich“elektrisiertem Wüstenstaub ihre Entstehung verdankten, Es ist ja ferner
bekannt, daß in manchen Meeresgebieten Böen und Gewitter nicht selten, sogar
häufiger als über Land sind. So zeigte Köppen‘), daß im westlichen Teile des
Nordatlantischen Ozeans die Gewitter in etwa 10° N-Br. am häufigsten sind, die
Böen, die sich hier allerdings recht verschieden von den Gewittern verhalten
und eher den Regen gleichen, in etwa 30° N-Br., vor allen Dingen im März und
Oktober. Der Golfstrom hat im Winter die meisten Böen. Aus diesen Gebieten
liegen von den „Carnegie“-Fahrten bis jetzt nur wenige V'’-Messungen vor, Die
10 Werte der IV. Fahrt zwischen 31°—12° N-Br. im März 1915 weichen nicht
von anderen ab.
Über die jährliche Schwankung liegt ebenfalls noch nicht genügend
Beobachtungsmaterial vor. Ein deutlicher Gang stellte sich nur auf der III Fahrt
heraus, wo die V’-Werte im nördlichen Atlantischen Ozean in der mittelsten Juni-
woche 75 Volt/m betrugen und dann gleichmäßig bis zum Höchstwert 112 Volt/m
in der ersten Oktoberwoche anstiegen, also eine ähnliche Änderung aufwiesen
wie an den Landstationen der nördlichen Erdhalbkugel. Die vier Monate lange
Erdumsegelung in 50°—60° S-Br. lieferte dagegen im Januar 1916, also im Sommer,
höhere Werte als vor- und nachher. Bekanntlich zeigen auch die antarktischen
Festlandstationen diese Abweichung.
Auf den täglichen Gang ist mehrfach aus kürzeren Meßreihen geschlossen
worden. So fand Rouch im NO-Passat des Atlantischen Ozeans um 1—-4h morgens
Ortszeit 81 Volt/m, um. 6h 98, 8—10h 102, 13—16h 131, um 22% wieder 90 Volt/m,
also eine deutliche einfache Periode im Gegensatz zu der über Land vorherrschenden
doppelten. Wichtiges neues Material liegt hierüber von der V. und VI. „Carnegie“.
Fahrt vor, das von Mauchly?) bearbeitet worden ist. Er benutzt 45 voll-
ständige 24-stündige Reihen, 30 vom Stillen, 5 vom Atlantischen, 10 vom Indischen
Ozean, und erhält im Mittel eine eindeutige, einfache tägliche Periode. Das Auf-
fallendste und für die luftelektrische Theorie Wichtigste an dieser Schwankung
ist, daß der Tiefstwert auf allen Weltmeeren zur selben Zeit, etwa 4b morgens
mittlerer bürgerlicher Greenwich-Zeit eintritt, der Höchstwert ebenso überall
gleichzeitig um 19h abends. Die doppelte, 12-stündige Welle der Landstationen,
die offenbar in der Sonnenwirkung ihre Ursache hat und deswegen von der
Ortszeit abhängt, ist in der Ozeanschwankung so gut wie ganz verschwunden,
Nur die wenigen Kurven vom Atlantischen Ozean zeigen sie noch angedeutet,
{Siehe die Figur.) In der Figur, Tafel 18, Nr. 1, die genau der von Mauchly
nachgezeichnet ist, sind die letzten sechs Meßreihen vom Stillen Ozean noch nicht
mit enthalten. Sie ändern aber das Bild nicht wesentlich.
Diese Ergebnisse werden von Mauchly selber nur als provisorisch be-
zeichnet, und er betont, daß im einzelnen beträchtliche Abweichungen möglich
sind. Bevor man ihnen allgemeine Gültigkeit zuschreiben kann, müssen sie noch
durch weitere Messungen erhärtet werden?). Eine Bestätigung liegt bereits vor
durch Hoffmann“%, der, ohne von Mauchlys Arbeit Kenntnis zu haben, aus
Potentialregistrierungen auf Spitzbergen durch Vergleich mit anderen arktischen
und antarktischen Stationen den Schluß zieht, daß der Sonnengang ebenso wie
im jährlichen, so auch im täglichen Gang hier nicht ausschlaggebend ist. Es
hat also keinen Sinn, die täglichen Gänge nach Ortszeit anzuschreiben. Bei der
Zeichnung der arktischen und ‚antarktischen V’-Messungen nach mitteleuropäischer
Zeit zeigt sich dann in der Tat, daß alle Hauptmaxima und Minima unter-
einander fallen. Die 24-stündigen Wellen, die ebenso wie auf den Ozeanen an
diesen Orten durchaus vorherrschen, geben also dann genau parallelen Gang,
W. Köppen, Ann. d. Hydr. usw. 46, 69 (1918).
3 S. J. Mauchly, Year Book of the Carnegie-Institution 20, 354 (1922), sowie American
Geophysical Union. Bulletin of the National Research Council, Nr, 17, 73 (1922). Die Hauptergebnisse
bringt auch I. A. Bauer. Terrestial Magnetism 26, 36 (1921).
3) Nachschrift bei der Korrektur: Inzwischen hat Mauchly (Terr. Magn. 28, 61, 1923)
noch 20 neue 24stündige Reihen der VI, Fahrt veröffentlicht, welche die früheren Schlüsse vollauf
bestätigen, Ferner zeigt er in dieser neuen Arbeit, daß auch die 24stündige Welle der meisten Land-
stationen nach Weltzeit schwankt.
4) K. Hoffmann, Beiträge zur Physik der freien Atmosphäre, XI, Heft 1 (1923).