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Full text : Jahresbericht 1881

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„Für  die  "Weihe  die  Ew.  Majestät  heute  der  ersten  Deutschen  Maritimen  Ausstellung  für  alle  Zeiten
„geben,  erlaube  ich  mir  Ew.  Majestät  Namens  des  Comités  den  ehrerbietigsten,  tief  und  wahr  empfundenen
„Dank  darzubringen  und  an  denselben  die  innigsten  Wünsche  für  das  Wohl  Ew.  Majestät  zu  knüpfen!
„Möge  der  gütige  Gott,  der  Ew.  Majestät  bisher  so  sichtbar  beschützt  hat,  auch  ferner  Seine  segnende
„und  behütende  Hand  über  dem  geheiligten  Haupte  Ew.  Majestät  halten  und  Ew.  Majestät  Gesundheit  und
„langes  Leben  schenken  zum  Heile  unseres  grossen,  geliebten,  herrlichen  Vaterlandes!“
Se.  Majestät  der  Kaiser,  welcher  aufrecht  stehend  diese  Ansprachen  entgegen  genommen  hatte,  beantwortete ­
  dieselben  mit  weithin  vernehmbarer  Stimme,  wie  folgt:
„Ich  hin  der  Einladung  zu  der  Eröffnungs-Feier  der  Seewarte  mit  grosser  Freude  gefolgt,  um  diesem
„Tage  und  dieser  Feier  heizuwohnen.  Es  ist  dieses  Haus  ein  neuer  Beweis,  dass  die  nie  ruhende  menschliche
„Forschung  und  das  Bingen  nach  neuen  Erfahrungen,  das  wir  hier  in  einem  neuen  Gepräge  und  neuem  Lichte
„schauen,  und  lichtvoll  gestaltet  sich  entwickelt  sehen,  von  Erfolg  gekrönt  worden.  Die  Dinge,  die  Sie,  Herr
„Direktor,  in  Ihrer  Ansprache  berührt  haben,  sind  so  mannigfaltig  und  vielfältig,  dass  Laien  dem  nicht  zu
„folgen  vermögen.  So  geht  es  mir  also  auch.  Es  ist  mir  daher  eine  grosse  Freude  gewesen,  diese  Anstalt
„zu  sehen  und  ihrer  Einweihung  beiwohnen  zu  können.  Ich  wünsche  und  hoffe,  dass  die  Wünsche  und  Hoff-„nungen,
  die  ganz  Deutschland  auf  dieses  Institut  setzt,  auch  in  vollem  Maasse  in  Erfüllung  gehen  und  die
„Herren,  die  damit  beschäftigt  sind,  sind  mir  Bürge  dafür,  dass  dies  geschieht,  sowie  dass  die  Wissenschaft
„zur  Sicherheit  der  Menschheit  sich  immer  weiter  ausbreiten  wird,  der  Menschheit,  welche  sich  auf  dem
„Elemente  bewegt,  dem  die  Seewarte  vor  Allem  ihre  Thätigkeit  widmet.  Es  ist  diese  Aufgabe  eine  so
„grossartige,  dass  ich  nur  meinen  Dank  aussprechen  kann  dafür,  dass  es  mir  vergönnt  gewesen,  dieser  Einweihung ­
  beizuwohnen  und  möge  der  Segen  des  Himmels,  auf  den  ja  im  menschlichen  Leben  Alles  ankommt,
„auf  diesem  Hause  ruhen  fort  und  fort.“
Allen  Jenen,  welche  das  Glück  hatten,  diesem  feierlichen  Akte  beiwohnen  zu  können,  und  es  waren
deren  über  500  in  dem  Lichthofe  und  den  Korridoren  versammelt,  wird  der  Eindruck,  welchen  die  schlichte
Antwort  des  greisen  Helden-Kaisers  machte,  unauslöschlich  bleiben.  Zu  der  gehobenen  Stimmung  trug
nicht  zum  geringsten  Theil  auch  die  würdige  Ausstattung  des  inneren  Raumes  der  Seewarte  bei.  Der  Anblick ­
  wurde  durch  die  reichen  Uniformen  und  die  festlichen  Kleider  der  in  grosser  Anzahl  im  oberen
Korridor  versammelten  Damenwelt  besonders  gehoben.
Nachdem  nochmals  einige  Vorstellungen  stattgefunden,  begab  sich  Se.  Majestät,  unter  Führung  Professor ­
  Neumayers,  die  Frau  Kronprinzessin  am  Arme  des  Herrn  Senator  Hertz,  Se.  kaiserl.  Hoheit  der
Kronprinz  und  Se.  königl.  Hoheit  der  Grossherzog,  geführt  von  verschiedenen  Herren  des  Comités  und  der
Seewarte,  zur  Besichtigung  durch  die,  die  sämmtlichen  unteren  Räume  der  Seewarte  einnehmende  Maritime
Ausstellung.
In  der  Zeit,  in  welcher  die  hohen  und  höchsten  Herrschaften  die  Ausstellung  besichtigten,  wurde  der
Lichthof  geräumt  und  die  schönen  Modelle  sämmtlicher  Schiffe  der  kaiserl.  Marine  in  entsprechender
Ordnung  und  mit  reichem  Flaggenschmucke  geziert,  aufgestellt.  Se.  Majestät  der  Kaiser  hatte  am  Schlüsse
der  Inaugenscheinnahme  der  Ausstellung,  sichtlich  überrascht  durch  die  plötzlich  vollzogene  Umwandlung,
die  Freude,  die  ganze  kaiserl.  Flotte  im  Lichthofe  der  Seewarte  paradiren  zu  sehen.  Kurz  vor  12  Uhr
verliess  Se.  Majestät  unter  dem  Jubel  der  Festversammlung  und  der  an  den  Zugängen  versammelten  Bevölkerung ­
  die  Seewarte;  die  kaiserl.  Standarte,  welche  beim  Eintritte  des  Kaisers  in  die  Halle,  aufgezogen
worden  war,  ging  nunmehr  zum  Zeichen  des  Abschlusses  des  ewig  denkwürdigen  Momentes  des  Besuches
Sr.  Majestät  langsam  und  feierlich  herunter.
Es  mag  noch  nachträglich  Folgendes  über  den  Besuch  des  Kaisers  in  der  Seewarte  hier  eine  Stelle
finden:
Präzise  11  Uhr  fuhr  der  Kaiser  mit  seinem  Gefolge,  von  Altona  kommend,  zur  Seewarte.  Die  unabsehbare ­
  Menschenmenge,  die  sich  auf  dem  Wege  dicht  gedrängt  aufgestellt  hatte,  jauchzte  dem  Kaiser
entgegen.  Se.  Majestät  fuhr  in  einem  von  vier  Rappen  gezogenen  Wagen,  die  aus  dem  Sattel  gelenkt
wurden.  Vorauf  ein  Vorreiter.  Zur  Linken  des  Kaisers  sass  Ihre  kaiserl.  Hoheit  die  Frau  Kronprinzessin.
Den  Jubel  des  Publikums  erwiederte  Se.  Majestät,  welche  frisch  und  wohl  aussah,  mit  freundlichen  Gegengrüssen.
  Auch  Se.  kaiserl.  und  königl.  Hoheit,  der  Kronprinz,  welche  in  Kürassier-Uniform  war,  und  vom
Publikum  mit  lebhaften  Hurrahs  begrüsst  wurde,  fuhr  gleich  Sr.  königl.  Hoheit,  dem  Grossherzoge  von
Mecklenburg,  in  einem  Viergespann.
            
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