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Memel, Neufahrwasser, Swinemünde, Hamburg, Keitum, Borkum, Münster, Kassel, Hannover, Chemnitz,
Berlin, Breslau, Altkirch, Kaiserslautern, Bamberg, München, Mathieu, Cherbourg, Vliessingcn, Helder,
Skagen, Kopenhagen, Skudesnaes, Christiansund, Bodö, Haparanda und Stockholm.
Die zweite Depesche enthält nach demselben Schema; Wien, Prag, Krakau, Lemberg, Hermannstadt,
Triest, Riga, Petersburg, Sumburghead, Shields, Mullaghmore, Stornoway, Holyhead, Scilly, Hurstcastle, Aber
deen, Rochespoint, Yarmouth, Clermont, Paris.
Die Depesche, welche bisher an das „Berliner Tageblatt“ abgefertigt worden war, kam in Wegfall.
III. Tägliche Berichterstattung in Hamburg und Altona und Herstellung von Zeitungs-Wetterkarten Oberhaupt.
Im Allgemeinen blieb die Einrichtung zur Erstattung von Witterungs-Berichten und zur Mittheilung
von Wetterkarten in Hamburg - Altona unverändert; nur die Veröffentlichungen von Wetterkarten in der
„Reform“ kamen in Wegfall. Ausserhalb Hamburgs traten mit Rücksicht auf diesen Punkt, sofeme dies
zur Kenntniss der Seewarte gelangte, keine Aeuderungen ein.
Bemerkenswerth ist, dass um die Mitte des Jahres Herr Otto Radde von Hamburg, unterstützt durch
eine Gesellschaft, die Ausführung eines Planes zur Errichtung von Wetter-Säulen, an welchen auch andere
das Publikum interessirende Mitteilungen zur öffentlichen Kenntniss gelangten, vorbereitete. Die Direktion
der Seewarte sagte dem Unternehmen ihre Unterstützung zu, soferne eine Garantie geboten sein würde,
dass nur gediegenes und strenge kontrollirbares meteorologisches Material zum Anschläge gelangen würde,
und es sich als möglich erweise, die an den Säulen befindlichen Instrumente in Kontrolle zu halten. Die
höchst geschmackvollen, zweckmässigen und in grosser Zahl aufgestellten Wetter-Säulen sollten, dem Plane
des Herrn Radde entsprechend, im Laufe des Sommers des Berichts-Jahres fertig gestellt und womöglich
vor Ablauf des Jahres 1884 ihrem Zwecke übergeben werden.
IV. Tägliche Wetter-Prognosen und Verbreitung derselben in Deutschland.
Es ist schon in den einleitenden Bemerkungen zu diesem Kapitel das Wesentlichste über die Aender-
uugen, welche in Bezug auf diesen Dienst eintraten, erwähnt worden und mag hier zur Ergänzung des dort
Gesagten noch Folgendes dienen: Auf Verfügung des Herrn Chefs der Admiralität und auf Antrag der
Direktion der Seewarte vom 10. März desselben Jahres wurden vom 1. Juni an die bisher telegraphisch
übersandten Wetter-Prognosen an die Zeitungen im Gebiete des Deutschen Reiches eingestellt. Wie schon
einleitend bemerkt, ging die Direktion bei der Stellung dieses Antrages von der Ueberzeugung aus, dass
an den, von den Vorständen deutscher meteorologischer Zentralstellen im April 1880 gefassten Beschlüssen
festzuhalten sei. Nach § 11 dieser Beschlüsse sollten Witterungs-Aussichten nur unter Anlehnung an die
in einem Distrikte oder in einem Lande bestehenden meteorologischen Zentralstellen veröffentlicht werden.
Da aber solche Zentralstellen zur Zeit nur wenige bestehen und Grund vorhanden war, anzunehmen, dass
bei der Errichtung solcher Stellen Gesichtspunkte leitend werden dürften, welche der Verbreitung von
Witterungs-Aussichten nicht günstig sein könnten, so wurde es für zweckmässig erachtet, den bisher provi
sorisch eingerichteten Dienst in solchen, nicht mit Zentralstellen versehenen Ländern einzustellen. Seit dem
1. Juni beschränkte sich daher die Direktion darauf, in den täglichen autographirten Wetter-Bulletins die
Prognosen zu geben und eine Abschrift dieser Prognosen zum Anschläge in der Vorhalle der Seewarte für
Jedermanns Gebrauch zu bringen. In Folge dieser letzteren Einrichtung konnte der grösste Theil der
Tages-Presse in Hamburg-Altona sich durch Abschriftnahme dieser Anschläge noch rechtzeitig für eine so
fortige Veröffentlichung in den Besitz der täglichen Wetter-Prognose setzen. Es ist bezeichnend für die
Würdigung, welche dem Wertho der seit September 1876 ausgegebenen Wetter-Prognosen zu Theil wurde,
dass allenthalben, wie öffentliche und private Auslassungen dies bekunden, der Wegfall dieser Mittheilungen
an das Publikum als ein Verlust empfunden wurde.
Die meteorologischen Institute in München, Chemnitz, Karlsruhe und Stuttgart erhielten nach wie vor
die chiffrirten Prognosen nach dem in Anlage I zu diesem Berichte gegebenen Prognosen-Schlüssel.
Die Statistik der in den Wetter-Karten der Seewarte veröffentlichten Wetter-Prognosen und ihre
Prüfung findet man in der, von der Seewarte herausgegebeneu „Monatliche üebersicht der Witterung“,
Jahrgang 1884, welcher wir die umstehend beigesetzten Hauptresultate entnehmen:
Archiv 1884. 1.
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