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Im Uebrigen wurden — wie schon erwähnt — neue Einrichtungen nicht getroffen, sondern darauf
Bedacht genommen, dass die bereits bestehenden stets wirksamer werden konnten.
Telegramme zur Konstruktion von Wetterkarten nach ausserhalb Hamburgs. Die zu diesen Zwecken
von der Seewarte abgegebenen Depeschen blieben im Berichts-Jahre unverändert.
Die Direktion war unablässig bemüht, die Einrichtungen zur Verbreitung der Witterungs-Nachrichten
durch die Zeitung an einzelnen Orten in Deutschland, wo dafür noch nicht gesorgt war, zu fördern und
dahin zu wirken, dass das Verständniss für die Wohlthaten eines wohlgeordneten Witterungsdienstes in stets
weiteren Kreisen Wurzel fasste.
In Berlin bildete sich das im Laufe des vorigen Jahres errichtete Witterungs-Bureau des Herrn Lipkowitz
auf festerer Grundlage aus, was sich besonders dadurch kundgab, dass in dem Berliner Fremdenblatt und
in der Vossischen Zeitung Wetterkarten veröffentlicht wurden.
Als Ergänzung zu dem Isobaren-Telegramm erhielt die meteorologische Zentralstelle in Stuttgart die
Gruppen III und IV der Stationen Hurst Castle, Clermont und Lemherg.
III. Tägliche Bericht-Erstattung in Hamburg und Altona und Herstellung von Zeitungs-Wetterkarten überhaupt.
Auch in dieser Hinsicht trat im Laufe des Berichts-Jahres eine wesentliche Aenderung nicht ein und
kann daher auf das Seite 38 des vorigen Berichtes Gesagte Bezug genommen werden. Die an jener Stelle
erwähnte Einrichtung von „Wettersäulen“ — wie sie Herr Otto Radde getroffen hatte — schien im
Ganzen den Wünschen des Publikums zu entsprechen, wenn auch nicht unerwähnt bleiben darf, dass die
Kontrolle der an denselben zur Ausstellung gebrachten Instrumente Manches zu wünschen übrig liess.
Zwar hatte die Direktion Sorge dafür getragen, dass gelegentlich — namentlich die Aneroid-Barometer —
verglichen und eventuell korrigirt werden konnten, allein eine gründliche Ueberwachung der Aufstellung
und Angaben der Instrumente Seitens der Seewarte war schon aus dem Grunde nicht angängig, weil keinerlei
amtliche Kontrolle hierin geübt werden konnte. Auch schien es nicht erforderlich, dieser Privat-Einrichtung
eine strengere Beachtung zu widmen, weil es durch Benutzung der von der Seewarte herausgegebenen
Wetterkarten für die, diese Privat-Einrichtung überwachenden Behörden stets möglich war-, genügende Kon
trolle zu üben. Die Aufmerksamkeit des Herrn Radde wurde Seitens der Direktion auf diesen Punkt
gelenkt und eine diesbezügliche Anweisung in seine Hände gelegt.
Auch in anderen Städten des nordwestlichen Deutschlands, so u. a. in Bremen und Lübeck, wurden
von der „Annoncen-Uhren-Aktien-Gesellschaft“ (Herrn Otto Radde) ähnliche Einrichtungen, wie in Hamburg,
getroffen, jedoch fehlt der Direktion hierüber jedwede authentische Mittheilung.
IV. Tägliche Wetter-Prognosen und Verbreitung derselben in Deutschland.
Die Prognosen wurden auch während des Berichts-Jahres veröffentlicht in dem täglichen autographirten
Wetter-Berichte und ferner durch Anschlag in der Vorhalle der Seewarte, welch’ letztere Einrichtung vom
Publikum und insbesondere von den hiesigen Zeitungen in der ausgiebigsten Weise benutzt wurde.
Chiffrirte Prognosen in der im vorigen Jahres-Berichte, Seite 33 und 36, angegebenen Weise erhielten
die meteorologischen Zentralstellen in München, Karlsruhe, Stuttgart und Chemnitz.
Die Statistik der in den Wetterkarten der Seewarte veröffentlichten Wetter-Prognosen und ihre Prüfung
wurde in der bisherigen Weise bis zum Schlüsse des Berichts-Jahres fortgesetzt. Am 11. Dezember, als
dem Tage, an welchem vor 10 Jahren die Vorstände der meteorologischen Institute in Deutschland, Däne
mark und Holland (siehe den Bericht; „Einrichtung eines Witterungs-Dienstes für Nordwest-Europa“) die
Maxime berathen hatten, nach welchen bisher dieser Dienst gehandhabt wurde, trat in der Seewarte eine
Kommission zusammen, welcher Seitens der Direktion die Aufgabe gestellt wurde, nunmehr auf’s Neue die
Maassnahmen zur Einrichtung eines Witterungs-Dienstes sowohl, als auch zur Abänderung der in erster
Linie auf Förderung dieses Dienstes berechneten Veröffentlichungen zu berathen. Die unter dem Vorsitze
des Direktors der Seewarte tagende Kommission beschäftigte sich unter Anderem auch mit der Handhabung
des Prognosen-Dienstes und der Prüfung der Resultate desselben. Da die Durchführung der bei dieser
Gelegenheit gefassten Beschlüsse erst im nächsten Jahre eintrat, so kann an dieser Stelle von einer de-
taillirten Darlegung des über diese Berathungen verfassten Berichtes Abstand genommen und dieselbe in
den nächsten Jahres-Bericht verwiesen werden. Nur soviel mag erwähnt werden, dass man sich innerhalb
jener Kommission auch mit der Frage beschäftigte, ob es wünschenswerth sei, sowohl die Prognosen-Stellung,