Das vierundsechzigsle Jahr der Deutschen Seewarte, 1938.
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Auf Ansuchen des Kommandos des Schulschiffes „Albert Leo Schlageter“
wurde das an Bord eingebaute Nebelhorn auf Hörweite geprüft.
Die Besichtigung der Hauptagenturen, Agenturen und Prüfstellen durch
den Gruppenleiter mußte im Berichtsjahr wegen anderweitiger Inanspruch
nahme des Gruppenleiters (halbjährige Vertretung des auf der „Meteor“-
Expedition befindlichen Abteilungsleiters) unterbleiben.
Die alljährlich vorzulegenden Prüfungsbücher, Geräteverzeichnisse usw.
der oben erwähnten Dienststellen wurden nachgeprüft.
Die Diensträume der Hauptagentur Bremerhaven wurden von dem Hause
Schifferstraße 19 nach dem alten Observatorium bei der Neuen Schleuse verlegt.
Die Hauptagenturen Stettin und Bremen wurden mit neuzeitlichen Photo
meterbänken versehen; Bremen erhielt außerdem ein neuzeitliches Prüfgerät
für Winkelmeßgeräte.
Vom 7. bis 19. November 1938 fand wieder ein Lehrgang für Seefahrt
schullehrer statt. Die Vorsteher der Agenturen Rostock und Brake sowie der
Prüfstelle Berlin wurden zu einem Wiederholungslehrgang auf der Seewarte
herangezogen. Es ist beabsichtigt, allmählich sämtlichen Vorstehern diese not
wendige Auffrischung ihrer Kenntnisse zukommen zu lassen. Der großen
Prüfung im Kompaßwesen unterzogen sich: 1 nautischer Angestellter und
6 Hauptagentur-Anwärter, von denen einer die Prüfung nicht bestand. Die
Vorbereitung auf diese Prüfung, wie überhaupt die Ausbildung des Personals
der Außenstellen, hat im Berichtsjahr wegen des starken Wechsels die Gruppe
besonders stark in Anspruch genommen.
3. Yersuchsaufgaben (Gruppe N/II1).
1. Erdmagnetismus.
Das Erdmagnetische Observatorium in Wingst nahm planmäßig am 1. Ja
nuar 1938 seine Tätigkeit auf und konnte am 80. April im Rahmen einer kleinen
Feierlichkeit vor geladenen Gästen seiner Bestimmung übergeben werden. Der
Bau einer Werkstatt und eines Wohnhauses für den dort stationierten wissen
schaftlichen Angestellten, welches auch weitere Übernachtungsräume enthalten
wird, steht kurz vor der Vollendung. Es wurden fortgesetzt D, H und Z
registriert und alle 14 Tage Messungen der Basiswerte vorgenommen. Durch
mehrere Vergleichsmessungen mit dem Reisetheodoliten Schulze 542 wurde der
Anschluß an das Adolf-Schmidt-Observatorium in Niemegk sichergestellt.
Prof. Bock vom Geophysikalischen Institut Berlin vollzog im Interesse der
erdmagnetischen Reichsaufnahrae den Anschluß von Wingst an das Netz der
deutschen Säkularstationen. Der wissenschaftliche Angestellte Otto Meyer
und Feinmechaniker Aders nahmen vom 3. Mai bis 23. Juli an der 2. Teil
fahrt der Deutschen Nordatlantischen Expedition auf V. S. „Meteor“ teil und
konnten an den 1937 vermessenen Punkten auf San Thiago (Capverden) und
Gran Canaria Wiederholungsmessungen vornehmen.
Auf kartographischem Gebiet wurde die Weltkarte der Mißweisung für
1940 nach langjährigen Vorarbeiten beendet. Sie ist inzwischen im Druck er
schienen. Auf Grund neuester Beobachtungen wurde dazu eine Darstellung der
Linien gleicher jährlicher Änderung der Mißweisung entworfen. Daneben sind
bearbeitet worden: für 10 deutsche Admiralitätskarten die Linien gleicher Miß
weisung für 1940, für zwei Seehandbücher je eine für 1943 vorausberechnete
Spezialkarte mit Begleittext, für die Kompaßrosen von 4 deutschen Seekarten
die Mißweisung nebst der jährlichen Änderung.