Das vierundsechzigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1938.
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Ziehungen zur Außenluft fortgesetzt und dem Abschluß näher gebracht -werden.
Dagegen mußte die Verarbeitung der in den Jahren 1934/85 im Hinblick auf
das volkswirtschaftlich wichtige Problem der Bekämpfung von Ladungs
beschädigungen auf Schiffen durch Schweißwasser- und Fäulnisbildung an-
gestellten reichhaltigen Untersuchungen aus Mangel an Hilfskräften abermals
zurückgestellt werden.
Aus den eingesandten Beobachtungstabellen und den auf Anregung der
Gruppe eingegangenen Berichten der Mitarbeiter gingen 20 Veröffentlichungen
hervor, die sämtlich in den „Annalen der Hydrographie und Maritimen
Meteorologie“ erschienen sind.
Durch die Erweiterung des Beobachtungsdienstes und die gesteigerten
Bedürfnisse der deutschen Uberseewirtschaft hat der Schriftverkehr mit den
Mitarbeitern und die Erteilung von Auskünften und Gutachten in Fragen der
Übersee-Meteorologie und -Klimatologie an Umfang erheblich zugenommen.
Lehrtätigkeit und Unterricht: Zur Ausbildung im praktischen
meteorologischen Beobachtungsdienst erhielten Übersee-Ärzte und Forschungs
reisende in kleinen Kursen Unterricht. Der Besuch von Mitarbeitern zu ein
gehender Beratung und zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch hat eine
weitere beträchtliche Steigerung erfahren.
8. Meteorologische Versuchsanstalt.
Der Schwerpunkt der Arbeiten lag nach wie vor in aerologischen Unter
suchungen. Dabei war es wesentlich, daß folgende drei Arbeitsgebiete aufs
engste miteinander verknüpft werden konnten:
1. ein regelmäßiger und planmäßiger aerologischer Dienst in Wahrnehmung
der internationalen aerologischen Termine;
2. instrumenteile Entwicklungsarbeiten für aerologische Instrumente, ins
besondere Radiosonden;
3. synoptische und dynamische Untersuchungen betreffs der Verwertung
des aerologischen Materials für Wetterdiagnose und -prognose.
Im einzelnen wurden die im Vorjahre bereits berichteten Arbeiten fort
gesetzt in folgender Weise:
1. Internationale Terminaufstiege.
Für den internationalen Monat Juli wurden 26 Aufstiege vorbereitet und
gestartet, wovon bisher 19 Apparate zurückgekehrt sind. Die Auswertungen
wurden sämtlich druckreif verarbeitet. An 19 Tagen konnten Registrierballone
bis in größere Höhen visiert werden. Außerdem wurden im Rahmen des
deutschen synoptischen Registrierballonnetzes vom 15.—17. März je 2, vom
18.—23. Juli und vom 14.—19. November je ein Registrierballon gestartet.
2. Instrumentelle Entwicklungsarbeiten.
a) Bimetalluntersuchungen.
Die von Dr. Wohltmann im Meteorologischen Institut der Hansischen
Universität mit Erfolg begonnenen Bimetalhmtersuchungen wurden auch nach
dem Ausscheiden Dr. Wohltmanns fortgesetzt. Insbesondere erstreckten sich
die weiteren Untersuchungen auf Trägheitseigenschaften der Bimetalle. Es
wurden aber auch Voruntersuchungen in Gang gebracht, welche der Ver
meidung aller schädlichen Eigenschaften der Schweißnaht dienen.
b) Entwicklung einer Radiosonde.
Es wurden insgesamt 18 Radiosonden des neu entwickelten Typs gestartet,
davon 13 gemeinsam mit Registrierballonen. Der Vergleich der Radiosonden