Das zweiundsechEigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1936.
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und Taschenuhrwettbewerb wurden wie früher mit Geldpreisen ausgezeichnet.
Große Taschenuhren-Prüfungen — vorwiegend Beobachtungsuhren für Kriegs
marine und Luftwaffe — wurden in 107 Fällen ausgeführt; etwa die Hälfte der
geprüften Uhren hatte Grad-Zifferblatt. Besonderes Augenmerk wurde auf die
technische Fortentwicklung der Beobachtungsuhren gelegt.
Zur Vereinfachung und Abkürzung der Uhrenprüfungen wurde die Strau-
mannsche Zeitwaage der Firma Siemens & Halske beschafft. Um Unter
lagen über die Vergleichbarkeit der mit der Zeitwaage erzielten Ergebnisse mit
den Ergebnissen der bisherigen Prüfmethode zu gewinnen, wurden zahlreiche
Versuchsprüfungen durchgeführt.
b) Die Zeitzeichen der Deutschen Seewarte.
Wegen Bauarbeiten am Nauener Sender DFY wurde das Zeitzeichen
auf langen Wellen vom 1. Januar bis 29. Februar über den Nauener Sender DFW
(13 000 m) ausgestrahlt. Während der übrigen Zeit des Jahres erfolgte die Aus
sendung wieder durch DFY (18130m). Der Deutschlandsender über
trug die Zeitzeichen wie bisher 1 Uhr mit und 13 Uhr ohne Koinzidenzsignal
auf Welle 1571m. In der Aussendung der Deutschen Zeitzeichen auf kurzen
Wellen ist keine Änderung eingetreten.
Der Reichssender Hamburg mit seinen Nebensendern Hannover,
Bremen, Flensburg, Magdeburg und Stettin verbreitete wie bisher regelmäßig
die Kurzzeitzeichen der Deutschen Seewarte zu den Zeiten 7 Uhr, 11 Uhr, 16 Uhr,
19 Uhr und 23 Uhr. Mit der versuchsweisen Ausstrahlung dieser Kurzzeitzeichen
auch über den Deutschlandsender zu den Zeiten 7 Uhr, 12 Uhr, 18 Uhr und
23 Uhr konnte am 1. Januar 1936 begonnen werden.
Von den 1480 im Jahre 1936 auszusendenden Onogo- und Koinzidenzsignalen
fielen 11 = 0.7 % wegen Störungen in der Leitung oder Apparatur aus. Der
absolute Mittelwert aller Verbesserungen konnte gegen die Vorjahre
weiterhin beträchtlich gesenkt werden. Er ergab sich für 1936 zu 0f026 (Onogo-
Signal nachts: 0:030, tags: 0)018; Koinzidenz-Signal nachts; 0)032, tags: 0)022).
Bei der Abgabe der Signale lagen die Fehler in 97.4 % aller Fälle unterhalb des
Betrages von 0)1, in 1.6% blieben sie zwischen 0)1 und Of2, grobe Störungen
und Ausfälle ereigneten sich in 1.0 % aller Fälle.
In der Veröffentlichung der Verbesserungen trat im Laufe
des Berichtsjahres keine Änderung ein. Der Berechnung der Verbesserungen
lagen 191 Zeitbestimmungen mit durchschnittlich je 10 Sternen am Durch
gangsinstrument zugrunde, die an jedem klaren Ahend angestellt wurden.
Auch in der werktäglichen Übertragung der Kontakte von zwei in der
Physikalisch-Technischen Reichsanstalt aufgestellten Quarzuhren über das der
Deutschen Seewarte zur Verfügung stehende Kabel trat keine Änderung ein.
c) Zeitdiensteinrichtungen.
Die Quarzuhr A wurde endgültig im Februar in Betrieb gesetzt, von
Quarzuhr B wurden im November Thermostat und Sender in Betrieb genommen.
Die zwischen den Quarzuhren A und B vorhandenen Schwebungen wurden
durch einen gleichfalls neuangefertigten Schwebungszähler kontrolliert.
Die Lieferung des Zeißschen Durchgangsinstrumentes von 100 mm Öffnung
steht noch aus. Vom Marine-Observatorium Wilhelmshaven wurde ein wenig
gebrauchtes Durchgangsinstrument von 90 mm Öffnung der Askania-
werke übernommen. Für diese beiden Instrumente wurden im Garten der See
warte 2 neue Hütten mit schweren Betonpfeilern gebaut, deren letzte Voll
endung sich verzögert hat, so daß die an sich dringliche Aufstellung des
Askania-Instrumentes noch nicht erfolgen konnte.