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Full text: Jahresbericht 1935

Das einundseehzigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1935. 
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A. Bericht des Präsidenten. 
a) Allgemeines. 
Die im Vorjahre eingeführte Numerierung der Jahresberichte ist beibehalten 
worden. Der vorliegende 58. Bericht behandelt also das 61. Jahr der Deutschen 
Seewarte. Nachdem im letzten Bericht anläßlich des 60jährigen Bestehens der 
Anstalt ihre Aufgaben, ihre Organisation und ihre bisherigen Leistungen be 
sonders ausführlich dargelegt worden sind, soll diesmal von allgemeineren Aus 
führungen abgesehen und der Bericht auf die Erwähnung wichtiger Ereignisse 
beschränkt werden. 
Im Vordergründe steht die Übernahme des im Laufe des Jahres fertig 
gestellten Erweiterungsbaues, dessen Räume infolge der starken Personalzunahme 
immer dringender benötigt wurden. Am 6. Dezember fand die feierliche Über 
gabe durch Staatssekretär Milch als Vertreter des Reichsministers der Luftfahrt 
und durch Vizeadmiral Bastian als Vertreter des Oberbefehlshabers der Kriegs 
marine statt. Zahlreiche weitere Behördenvertreter und geladene Gäste wohnten 
der feierlichen Einweihung bei, an welche sich ein Rundgang durch das Gebäude 
und ein einfaches Essen anschlossen. 
Der von dem Hamburger Architekten Klaus Hoffmann geschaffene Neubau 
enthält neben 46 Arbeitsräumen die Prüfräume für Schiffslaternen, Winkelinstru 
mente, Barometer und Thermometer, ein modernes ozeanographisches Laboratorium, 
einen Zeichensaal und die in der neugebildeten Gruppe W/J zusammengefaßten 
Werkstätten der gesamten Wetterdienst-Abteilung. 
Sein architektonisches Gepräge erhält der „Hermann-Göring-Bau“ durch den 
turmartigen Bibliotheksflügel des Gesamtgebäudes. Hier ist in vier Stock 
werken von je 2 1 j z m Höhe die mehr als 50 000 Bände umfassende Fachbücherei 
des Instituts aufgestellt worden. Die ganze Einrichtung ist völlig nach neuzeit 
lichen Gesichtspunkten geschaffen worden. Alle Gestelle mitsamt den verstell 
baren Buchträgern sind aus Eisen. Die auf drei Seilen durch alle Stockwerke 
durchlaufenden Fensterreihen geben Licht für die 360 cbm großen Räume 
jedes einzelnen Stockwerks. Ein besonderes Lesezimmer mit Arbeitsplätzen und 
mehreren Regalen mit Nachschlagebüchern, Atlanten u. dgl. genügt den An 
forderungen der Jetztzeit. In zwei langen Schaukästen werden in diesem Raume 
auch wechselnd besonders wertvolle historische, vom Leihverkehr ausgeschlossene 
Werke ausgelegt und so der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In den Bibliotheks 
räumen haben drei von der Hamburger Kunsthalle als Leihgabe zur Verfügung 
gestellte Ölgemälde Platz gefunden. 
Das Treppenhaus des Neubaues zieren Fresken des Hamburger Kunstmalers 
O. Thämer, die Aufgaben der Deutschen Seewarte symbolisch darstellend. 
Ein geräumiger Luftschutzkeller mit neuzeitlicher Einrichtung bietet der 
ganzen Gefolgschaft reichlich Platz, Boden- und Dachkonstruktion entsprechen 
den heutigen Erfordernissen, und ein Beobachtungsturm trägt als Wahrzeichen 
des Fortschritts einen Funkpeiler. 
Gleichzeitig mit dem Einzug in das neue Haus erfolgte die Umbenennung 
des bisherigen „Stintfang“ in „Alfred-Wegener-Weg“ zur Erinnerung an den 
großen Forscher, welcher jahrelang als Abteilungsleiter der Deutschen Seewarte 
angehört hat. 
Seit dem 1. April 1935 gehört der Öffentliche Wetterdienst auch haushalts 
mäßig wieder zur Deutschen Seewarte. Seine Rückkehr vom Mittelweg in das 
Hauptgebäude wird noch durch die notwendigen Umbauten und Instandsetzungen 
im alten Gebäude der Seewarte verzögert. Seit Jahren hatte es an den Mitteln 
gefehlt, um hier auch nur die notwendigsten Erneuerungen durchzuführen, 
während durch den zunehmenden Platzmangel immer weitere Einbauten und
	        
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