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Zwei merkwürdige Nachtgewitter im Sommer 1890.
unbedeutende Hebung bis 10 p um 0,3° und weitere Senkung, mit Schwankungen,
um 2° bis zum Minimum zwischen 2a und 4a, darauf langsames Steigen.
Um so merkwürdiger ist es, dafs ganz in der Nähe an diesem Abend
theils verheerender Hagel, theils ein heftiger lokaler Sturm aufgetreten sind.
Der ganze rechte Rand der Elbmarsch in der Gegend von Bergedorf wurde vom
Hagel betroffen, von Tatenberg (Ochsenwerder) über Reitbrook, Curslack, Rothe-
haus, Escheburg, Besenhorst bis nach Geesthacht. „Es sind Eisstücke gefallen in
der Gröfse, wie ältere Leute sich nicht erinnern können, jemals in hiesiger
Gegend solche gesehen zu haben, Die Eisstücke waren von klarem krystall-
ähnlichem Eise, mit einem Rande von Schneeeis, hatten einen Durchmesser von
3 bis 4 Centimeter und ein Gewicht von 15 bis 20 Gramm. Es war ein Glück,
dafs sie nicht sehr dicht und bei Windstille fielen, sonst wäre dadurch ein
bedeutender Schaden angerichtet worden. Feunsterscheiben sind nur vereinzelt
eingeschlagen, dagegen sind sehr viele Mistbeetfenster zertrümmert. KEinzelnen
Besitzern sind mehrere hundert Scheiben zerschlagen.“ In den dahinter folgenden
Ortschaften Reinbeck, Friedrichsruh und Schwarzenbeck hat das Gewitter wenig
Schaden gethan; noch etwas weiter nach Nordost aber, an der Bahn Schwarzen-
beck-— Oldesloe, trat es lokal mit schwerem Sturm auf, besonders in dem zwischen
Trittau, Köthel und Grönwohld liegenden Forste Hahnheide und in den beiden
letzteren Ortschaften. In Köthel wurden vier Gebäude abgedeckt, zwei arg be-
schädigt, sowie viele Obstbäume entwurzelt; in Grönwohld wurde ein neues
Wohnhaus seines Pfannendaches beraubt; in der Hahnheide über 3000 Festmeter
Holz entwurzelt. Hier beginnen wieder Berichte über Blitzschläge und über
Hagel: in Grönwohld und Dwerkathen wurden Häuser eingeäschert, in Rolfshagen
eine Frau erschlagen; auf den Feldern von Bargteheide, Eichede und Steinhorst
Hafer und Buchweizen durch Hagel total vernichtet, in Bargteheide und Um-
gegend Tausende von Glasscheiben zertrümmert.
Das Beispiel der Gewitter vom 15. Juli und 18.—19, August 1890 dürfte
in nicht uninteressanter Weise zeigen, wie intensiv und von wie vielen Seiten
heutzutage Naturerscheinungen verfolgt und mit den Hülfsmitteln der Neuzeit,
Registrirapparat und Photographie, festgelegt werden.
Kleine Notizen.)
1. (D.S.) Ueber eine merkwürdige Lichterscheinung findet sich
in dem meteorologischen Journale des deutschen Dampfers „Columbia“, Kapt.
H. Vogelgesang, von dem dritten Offizier, Herrn M. Hoff, die folgende Auf-
zeichnung:
„Am 6. August 1890 um 8° 8” p.m., in 43° 11‘ N-Br und 59° 39 W-Lg
erblickten wir bei einem Luftdruck von 764,2 mm (red.), einer Lufttemperatur
von 19,4° C. und dem Winde WSW2, in rw.W'AN eine Lichterscheinung, welche
eine wurmartige Form hatte und mit der obersten Spitze 6° über dem Horizonte
stand. Die Farbe war silberweifßs schimmernd, vergleichbar der des Mondes im
ersten Viertel, abstechend gegen den Abendhimmel. Das Phänomen erlangte
zeine größte Lichtstärke um 8* 30” p. m., nahm dann sehr schnell ab und hatte
um 8% 40° die Form und das Aussehen einer Cirruswolke. Die letzte Spur
desselben verschwand bereits um 8" 45” p.m. Die Gegend, in der die Er-
scheinung auftrat, war frei von Wolken und auch der übrige Theil des Himmels
sternklar, nur in der Kimm lagerte eine dünne Nebelschicht. Nach meiner An-
sicht ist diese Erscheinung eine leuchtende Wolke gewesen.“
ı Die mit (D. $.) bezeichneten Notizen sind von der Deutschen Seewarte eingesendet,