Das eimmdsechzigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1935.
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d) Schiffsmagnetismus. Magnetkompasse.
Begutachtet wurde die Kompaßaufstellung des Neubaues Dampfer „Masuren“;
außerdem wurde der Sachbearbeiter in zahlreichen Fällen zur Auskunft über
schiffsmagnetische Angelegenheiten und Magnetkompaßfragen, in 6 Fällen zur
Aufklärung beobachteter Kompaßstörungen in Anspruch genommen. Die Zahl
der mit Erfolg geprüften Kompasse hat gegen das Vorjahr etwas zugenommen.
Die Vorarbeiten für die Herausgabe neuer Prüfungsvorschriften für Magnet
kompasse wurden abgeschlossen; die Vorschriften sollen im Laufe des Jahres 1936
herausgegeben werden.
e) Schiffslaternen und nautische Meßgeräte.
Die im Laufe des Berichtsjahres in Kraft getretene neue Verordnung über
die Einrichtung der Positionslaternen und die Abblendung der Seitenlichter vom
25. März 1935, die für die Prüfungsscheine der Laternen mit Petroleumlicht eine
zehnjährige Gültigkeitsdauer vorsieht, bedingte — verglichen mit dem Vorjahr
— eine beträchtliche Zunahme der Prüfungsarbeit, die noch verstärkt wurde
durch die Aufnahme der Prüfung von Binnenschiffahrts-, Zoll- und Zollerkennungs
laternen. Mit einer weiteren Zunahme dieser Prüfungsarbeit ist zu rechnen. —
Auch die Zahl der geprüften nautischen Instrumente läßt ein Ansteigen erkennen.
— Untersucht und begutachtet wurde eine Anzahl neu konstruierter, stark streu
ender Gürtel für Positionslaternen. Die Aufnahme der Prüfung der Zollerken
nungslaternen erforderte eingehende Versuche zur Ermittlung geeigneter Licht
quellen und Farbgläser. Die in Hamburg neu aufgenommene Herstellung von
Winkelmeßgeräten für die Kriegsmarine bedingte eine schärfere Prüfung dieser
Instrumente. — Über die im Berichtsjahr vorgenommene Modernisierung der
Prüfgeräte siehe Abschn. g. Leider mußte die Beschaffung einer für Versuchs
zwecke bestimmten 10 Meter langen Photometerbank und eines Gerätes zur Prüfung
von Libellensextanten aus Mangel an Geldmitteln vorläufig zurückgestellt werden.
f) Technische Navigation.
Im Berichtsjahr wurden unter Mitwirkung verschiedener Kapitäne und
Schiffsoffiziere der Handelsmarine, insbesondere der Hamburg-Amerika Linie,
die Untersuchungen über die elektrische Kompensation der Funkbeschickung
erfolgreich fortgesetzt. Wiederholt wurde der Sachbearbeiter zur Beurteilung
von an Bord beobachteten fehlerhaften Funkpeilungen herangezogen, deren
Ursache vorwiegend in der an Bord nicht festgestellten Änderung der Funk
beschickung durch Änderung des Tiefgangs des Schiffes festgestellt werden
konnte. — Nach dem Einbau des Funkpeilers E 374 N auf dem Turm des neuen
Erweiterungsbaues der Deutschen Seewarte ist die Untersuchung verschiedener
Erscheinungen in Angriff genommen worden, deren Aufklärung sich auf Grund
der von den Schiffen eingereichten Funkpeilbeobachtungen als dringend not
wendig erwiesen hat. — Begutachtet wurden verschiedene Arbeiten über Be
kämpfung der Nebelgefahren, über akustische Meßgeräte und über den Einbau
von Rundfunkgeräten auf Handelsschiffen unter besonderer Berücksichtigung
ihres Einflusses auf den Bordpeiler. In dieser Angelegenheit ist Gruppe II von
der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ mehrfach zu Rate gezogen worden.
— Die im Einvernehmen mit der Kriegsmarine vom Seezeichen- und Lotsenamt
Jade, Wilhelmshaven, fortgesetzten Untersuchungen über die Tragweite der nach
den Angaben der Gruppe hergestellten Schiffsnebelglocke sind im Laufe des
Berichtsjahres abgeschlossen worden; ihre Ergebnisse werden nach beendeter Aus
wertung der Schiffahrt bekanntgegeben werden. — Verschiedene in Aussicht
genommene Aufgaben, darunter die Bekämpfung der Nebelgefahren auf See durch
Verwendung von Ultrakurzwellen, mußten wegen Personal- und Zeitmangels einst
weilen zurückgestellt werden.
g) Modell- und Instrumentensammlung.
Im Berichtsjahr fand eine wesentliche Modernisierung des Prüfungsinstru
mentariums der Gruppe und zum Teil auch der auswärtigen Prüfstellen statt,
auch bedingte die Verlegung der Prüfräume in den neuen Erweiterungsbau ver