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Das sechzigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1934.
ferner die Statue Neumayers [von A. Denoth] unter den Figuren auf dem Rathaus
und sein Ölgemälde [von John Philipp] im Versammlungszimmer der Abteilung I des
Hamburger Senats. Die der Seewarte als Leihgabe des Senats überwiesene Büste
[von W. Rex] ihres ehemaligen Abteilungsvorstandes Alfred Wegener [f 1930
auf Grönland] darf hier auch genannt werden. Die Herausgaben der „Neumayer-
Schrift“ anläßl. seines 100. Geburtstages [1926] und des im gleichen Jahr er
schienenen „Köppen-Heftes“ der „Annalen der Hydrographie usw.“ [zum 80. Ge
burtstag des Jubilars] wurden nur durch die Unterstützung seitens der Senate
der Hansestädte ermöglicht.
Der Haupt-Mitarbeiter unserer Anstalt ist und bleibt ihrem Wesen gemäß
der Seemann; doppelt gilt dies jetzt, im Zeitalter der für die Bedürfnisse des
Welt-Luftverkehrs notwendigen gesteigerten Aufschließung des Luftmeeres. Nur
wenige Benutzer der Schul- u. a. Atlanten wissen, daß die Möglichkeit der Über
brückung des Weltmeeres durch die verschiedenen geophysikalischen Isolinien-
Systeme allein den alltäglich sechsmaligen Messungen und Beobachtungen der
Berufs-Seefahrer zu danken ist. Die 41 300 meteorologischen Schiffs-Tage
bücher der Seewarte mit ihren 20 635 000 „Beobachtungs-Sätzen“ reden eine
deutliche Sprache: den „kostbarsten Besitz“ unserer Anstalt nennt Koppen,
der Altmeister der Meteorologie, diesen Schatz. Bis 1934 einschließlich konnten
85 silberne und 324 bronzene, zusammen 409 „Seewarten-Medaillen“ seit deren
Stiftung [1881] „solchen Seeleuten verliehen werden, die sich während der Aus-
übung ihres Berufes zur See durch Förderung der Aufgaben und Ziele der Seewarte
ausgezeichnet haben bei der Führung des meteorologischen Journals und bei Arbeiten
auf dem Gebiete der Hydrographie und der Nautik“A)
Die auf Freiwilligkeit und Unentgeltlichkeit gegründete Mitarbeit des
deutschen Seemanns mit der Seewarte setzt beider ständige Fühlungnahme mit
einander voraus, wenn sie Erfolg haben soll. Alle Gruppen des Instituts haben
diese enge Verbindung zu suchen und aufrechtzuerhalten. Als höchst wirk
sam hat sich indes auch ein zweites mittelbares Band erwiesen: die Zu
sammenarbeit mit den deutschen Seefahrtschulen. Schon frühzeitig ist dieser
Weg eingeschlagen worden: in den Jahren 1882 bis 91 fanden an der Seewarte
insgesamt 11 Halbjahrs-Lehrgänge für Seefahrtschullehrer und Lehrer-Aspiranten
statt, bei denen 42 Teilnehmer und etwa 41 Gäste eine vertiefte Ausbildung in
den nautisch-geophysikalischen Fächern erhielten. Von neuem wurde dieser die
Bestrebungen des Instituts ungemein fördernde Weg 1927 beschriften, nunmehr
durch Veranstaltung von kürzeren Lehrgängen in Verbindung mit praktischen
Übungen: die Teilnehmerzahl dieser zweiten Reihe hat bis 1934 einschl. die
Zahl 70 erreicht. Den Seefahrtschulen gebührt der Dank nicht nur der see
männischen Berufskreise, der Reeder und des Wirtschaftslebens, sondern auch
der Wissenschaft für ihre kenntnis-übermittelnde Mitwirkung bei der Auf
schließung des Welt- und Luftmeeres und somit auch für die geeignete fachliche
Weiterbildung des nautischen Nachwuchses unseres Institutes. Dies gilt um so
mehr, als die Seewarte selbst an sich nicht als Lehranstalt geschaffen, vielmehr
als des Deutschen Reiches erstes freies, d. h. nicht am Lehren ge
bundenes, sondern allein für die praktische Anwendung forschendes
Institut gegründet worden ist! * 2 )
Vom gleichen Gesichtspunkt der Zweckmäßigkeit aus ist die Verbindung
der Seewarte mit den deutschen Hochschulen zu betrachten. Mehr als „zwanzig-
millionen Beobachtungssätze“ wurden oben erwähnt; nicht enthalten sind in
dieser Zahl die Unmassen von täglichen Nachrichten des Wetterdienstes, von
Wasserproben ihrer nautischen Mitarbeiter, von Monatstabellen ihrer „Überseer“,
von Wasserstandsmessungen u. a. m. Eine auch nur annähernd erschöpfende
!) Aus dem 4, Jahresbericht [für 1881] der D. Seewarte, Seite 9.
2 ) Vgl. „Forschungsinstitute, ihre Geschichte, Organisation und Ziele, hrsgg. v. Brauer u. a.
Hamburg 1930, II. Band, S. 139—151; Die Deutsche Seewarte.