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Das sechzigste Jahr der Deutschen Seewarte. 1934.
bei bester Handhabung unzuverlässige Ergebnisse sowohl hinsichtlich der beob
achteten Elemente wie auch bezüglich der wichtigen genauen Ermittlung des
Ortes der Messung [Positions- und Kursbestimmung des Wasser- und Luftfahr
zeuges!]. Der unter Umständen sofort „anwendende“ Seebeobachter und der
später die Zahlen verarbeitende Forscher müssen beide die Gewißheit haben, daß
ihre Schlußfolgerungen nicht infolge unkontrollierbarer Instrumentenfehler falsch
sind und ihre Arbeit sich nicht demgemäß nachträglich als vergeblich herausstellt!
Diesem Zweck dienen die Instrumentenprüfungen unserer Anstalt, die mit ihnen
einen wesentlichen Anteil hat an der von zwei Seiten — Wissenschaft und
Praxis — geforderten Vollkommenheit der feinindustriellen Erzeugnisse und
ihrer gerade auf den Erfahrungen der Seewarte gegründeten Bewährung in allen
Klimazonen der Erde! In den Jahren 1875—1934 sind von dem Institut und
seinen Außenstellen für die Ansprüche von Wirtschaft, Verkehr und Wissenschaft
geprüft worden u. a.:
2500 Chronometer allein in den alljährlichen Wettbewerben, außerdem weitere 8600 Chrono
meter, Pendel- und Taschenuhren, zusammen 11100 Zeitmeßgeräte — 47000 Schiffsmagnetkompasse
mit 8700 Ersatzrosen — 11 600 Quecksilber-und 22100 Aneroidbarometer — 37 600 Thermometer —
28000 Winkelmeßgeriite (Sextanten, Oktanten u. a. Spiegelinstrumente) — 260800 Schiffspositions-
u. a. Laternen.
An Meßgeräten, die aus der Seewarte hervorgegangen bzw. dort wesentlich vervollkommnet
worden sind, seien hier genannt: Köppens aerologtsche Drachen, A. Wegener-Kuhlbrodts Stativ
sextant zur Verfolgung von Pilotballonen auf See, Wigands Sichtmesser, Kernzähler und Flugzeug
meteorographen, Ahlgrimms Wolkenspiegel, Eauschelbaohs Strommesser, Hochseepegel und Pegel
tisch mit Fernübertraguug, Georgis selbsttätig arbeitender Wolkenaufnahmeapparat.
Für die Forschung und die praktische See- und Luftfahrt sind die Ver
öffentlichungen der Anstalt gleich wichtig. Ein früherer Präsident, Geheimrat
Capelle, hat deren Bedeutung mit dem Worte gekennzeichnet: „Mit ihren Ver
öffentlichungen steht und fällt die Seewarte“. In den bisherigen 60 Arbeits
jahren hat unser Institut u. a. herausgegeben, vielfach in mehreren Auflagen;
Zahlreiche Unterweisungen und Tagebücher für die messende und beobachtende Tätigkeit
ihrer Bord- und Landmitarbeiter — 10 Handbücher für die 3 Ozeane, den Englischen Kanal, die
französische Westküste, die Südküste Irlands und des Bristolkanals, des Irischen Kanals, die Afri
kanische Westküste, die Ostküste Südamerikas, die Westküste Irlands — 7 Atlanten der physi
kalischen Verhältnisse und Verkehrsstraßen des Stillen, Atlantischen und indischen Ozeans, für
Temperatur, Salzgehalt und Dichte der Nord- und Ostsee, der Gezeiten und Gezeitenströme der Nordsee
und der Britischen Gewässer, der Stromversetzungen im Indischen Ozean und in den Ostasiatischen
Gewässern, der Meeresströmungen im Indischen Ozean — 3 Dampferhandbücher für den Stillen
und Atlantischen Ozean sowie für die Ostsee — 58 Jahrgänge des „Deutschen Meteorologischen
Jahrbuchs (System Seewarte)“ — 59 Jahrgänge des „Täglichen Wetterberichtes“ — 21 Jahr
gänge des „Zehntägigen Witterungsberichtes für die Landwirtschaft“ — 23 Bände der,, Deutschen
Überseeischen Meteorologischen Beobachtungen“ — 12 „Monatskarten für den Indischen
Ozean“ — 26 Jahrgänge der „Monatskarten für den Nordatlantischen Ozean“ — 38 Jahr
gänge der winterlichen täglichen Eisberichte — 43 Jahrgänge der Monatszeitschrift „Annalen der
Hydrographie und maritimen Meteorologie“ [1873 gegr. als „Hydrograph. Mitteilungen“, hrsg.
vom Hydrograph. Büro der Kaiserl. Admiralität, seit 1S75 unter dem jetzigeir Titel Organ des
Hydrograph! Büros und der Seewarte, seit 1892 redigiert von der Seewarte] — 53 Bände der Sammel
reihe „Aus dem Archiv der D. Seewürfe“, enthaltend 218 große Abhandlungen 25 Bände der
Sammelreihe „Der Pilote“ [Führer für Segelschiffe: später Beiträge zur Küstenkunde] — 5 Blätter
„Größtkreiskarten für Luftnavigation“ — 15 „Monatskarten für den Südatlantischen
Ozean“ mit 2 Luftfahrtblättern.
Es werden ferner alljährlich herausgegeben: Seit 1921 „Gezeitentafeln“ — seit 1924 „Meeres-
kundliche Beobachtungen auf den deutschen Feuerschiffen der Nord- und Ostsee“ — seit 1927
winterlich tägliche Eiskarten der Ostsee — seit 1932 die nautische Zweimonats-Zeitschrift „Der
Seewart“ — seit 1932 „ Wetter handliche Beobachtungen auf deutschen Feuerschiffen der Nord-
und Ostsee“ — seit 1933 „Statistik der Stürme an der deutschen Küste“ — seit 1934 das
„Nautische Jahrbuch“ und das „Aeronautische Jahrbuch“.
In den vom Oberbefehlshaber der Kriegsmarine herausgegebenen deutschen Seehandbüchern
sind die Abschnitte über Lotungen, Dampfer- und Seglerwege, ferner über die erdmagnetischen.
Gezeiten- und Strömungsverhältnisse sowie über Wind und Wetter von der Seewarte bearbeitet worden.
Bisher sind 57 Handbücher erschienen, größtenteils in mehreren Auflagen.
30 Jahrgänge der „Tägl. synoptischen Wetterkarten für den N'Atlantischen Ozean“
hat unsere Anstalt gemeinsam mit dem Dänischen Meteorologischen Institut in Kopenhagen veröffentlicht.
20 Bände der „Resultate meteorolog. Beobachtungen von deutschen und holländischen Schiffen
für Eingradfelder des N’Atlantischen Ozeans“ in Arbeitsgemeinschaft mit dem Niederländischen
Meteorologischen Institut zu Utrecht (De Bilt) und endlich 13 Jahrgänge des meteorologischen „Inter
nationalen Dekadenberichts“.