accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Jahresbericht 1934

Das sechzigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1934. 
1 
A. Bericht des Präsidenten. 
a) Einleitung. 
Das Jahr 1934 hat einen neuen Abschnitt in der nunmehr sechzigjährigen 
Geschichte der Deutschen Seewarte eingeleitet. Der Aufbau des deutschen national 
sozialistischen Einheitsreiches erfaßte auch unsere Anstalt. Deren Aufgaben und 
die bewährten Wege zu ihrer Erfüllung sind geblieben; die vorgenommenen Ände 
rungen bezweckten allgemein Vereinfachung, im besonderen engeres Zusammen 
wirken verwandter Fachgebiete. Das neue war notwendig: es hat sich organisch 
entwickelt auf dem Boden der bisherigen Geschichte des Neumayer-Institutes, 
sichert mithin auch für die Zukunft dessen fruchtbares Weiterarbeiten für das 
deutsche Volk und für die Kulturmenschheit. Dem Verständnis des Geschehens 
im Berichtsjahr diene ein Rückblick auf die Vergangenheit. 
b) Rückblick auf sechzig Arbeitsjahre, 
Ihre Entstehung verdankt die Seewarte der starken Entfaltung der deutschen 
Tätigkeit auf dem Weltmeer in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. 
Mit dem Wachsen des deutschen Anteiles an der Weltwirtschaft nahm die Mög 
lichkeit der Gefährdung von Leben und Gut durch die Naturunbilden entsprechend 
zu. Es ergab sich die Notwendigkeit, mehr als bisher zu verhüten, daß Einzel 
erfahrung im Kampfe mit den Naturgewalten nicht mit ihrem seemännischen 
und überseeischen Träger dahinschwinde; es galt, sie festzuhalten für die Berufs 
genossen, die Reeder, das eigene Volk und für die ganze Menschheit, damit sie 
nicht stets von neuem durch Opfer erkauft werden müsse. Der Praktiker 
verband sich zu dem Zweck mit der Wissenschaft. Er stellte seine Messungen 
und Beobachtungen der Forschung zur Verfügung mit der Gegenforderung, daß 
für ihre Verarbeitung und Darstellung zunächst seine Bedürfnisse maßgebend 
sein müßten: Die Deutsche Seewarte erstand! und vor und nach ihr eine 
Reihe von ähnlichen Instituten des Auslandes, die sich wie jene der Pflege der 
angewandten maritim-naturkundlichen Forschung für die Ansprüche 
von Weltverkehr und -Wirtschaft widmeten. Meteorologie, Meereskunde, Astro 
nomie und Magnetismus waren die in erster Linie in Betracht kommenden 
Wissenszweige. 
Ungewohnt war anfänglich beiden Zusammenarbeitenden der Gedanke des „Gebens und Nehmens 
zu beiderseitigem Nutzen“. Die Zweckforschung dünkte dem nach reiner Erkenntnis strebenden 
Gelehrten, zumal dem deutschen, damals fast eine Entweihung der Wissenschaft. Er vergaß, daß 
auch sie, die reine Erkenntnis, einen auf anderem Wege nicht zu erzielenden Gewinn davontragen 
werde: Das Meer nimmt 70% der Erdoberfläche ein, 80% der Südhalbkugel, 90% der Wasserhalb 
kugel; die laufende Naturerkundung der Erde ist ohne die ständige Mitarbeit des Berufsseefahrers 
unmöglich! Umgekehrt neigte dieser zunächst dazu, die Naturverhältnisse außerhalb des Raumes zwischen 
Mastspitze und Ankergrund oder etwa die „Schönweiter-“ und die „Land“-Meteorologie als für seine 
Bedürfnisse belanglos anzusehen. Er übersah, daß Sturm und Strom, Nebel und Kaltwasserauftrieb, 
die Ablenkung der Licht- und Funkpeilstrahlen usw. nicht nur am Schiffsort und im Schiffsbereieh 
verursacht werden, daß Menge, Art und Zustand der an Bord gelieferten Seefracht nicht nur vom 
Seewetter abhängig sind, und daß der Erfolg der sich auf den Seeraum beschränkenden Wetter 
prognose nicht mit der für ihre notwendige Weiterentwicklung ausreichenden Genauigkeit nachgeprüft 
werden kann! 
1875 war das Gründungsjahr der Seewarte. Bis 1919 unterstand sie der 
Kriegsmarine als deren Schöpfung, sodann bis zum 31. März 1934 dem Reichs 
verkehrsministerium. Einen Einblick — nicht einen Gesamtüberblick — in ihre 
vielseitige Tätigkeit gewähren die folgenden Angaben, die vornehmlich das eigen 
artige Zusammenwirken von Praxis und Wissenschaft an unserem Institut ver 
anschaulichen wollen. 
Die Grundlage des Fortschreitens der naturwissenschaftlichen Erkenntnis 
und ihrer Anwendung ist die Messung. Minderwertige Meßgeräte liefern auch
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.