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Das sechzigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1934.
Gruppe W/MVA.
Meteorologische Versuchsanstalt,
a) Allgemeines.
Nachdem in den Jahren 1932 und 33 die Arbeitskräfte und Hilfsmittel der
MVA vorwiegend für das II. Internationale Polarjahr eingesetzt worden waren,
konnten im Berichtsjahr wieder die eigentlichen Aufgaben, insbesondere die
aerologischen Messungen, in den Vordergrund treten. Allerdings mußte die
Arbeitskraft des Stipendiaten der Notgemeinschaft Dr. Rieth noch weiterhin
zu erheblichem Teile der Feststellung und quantitativen Erfassung einer hier
aufgefundenen, für die Berechnung der im Polarjahr ausgeführten Radiosonden-
Aufstiege wichtigen Fehlerquelle gewidmet werden; auch war Reg. Rat Dr Georgi
als Abt. Leiter der Deutschen Polarjahr-Kommission mit den Vorarbeiten zur
Herausgabe der maritim-meteorologischen Ergebnisse beschäftigt. — Der Personal
mangel hat auch im Berichtsjahr die laufende Bearbeitung der aerologischen
Aufstiege verhindert; Fehlerquellen methodischer und instrumenteller Art können
daher nicht rechtzeitig erkannt und vermieden werden.
Am 1. Oktober übernahm der Ordinarius für Meteorologie an der Ham-
burgischen Universität Dr. Paul Raethjen als Gruppenleiter der Deutschen See
warte die Leitung der Meteorologischen Versuchsanstalt.
Am 1. April schied Dr. Rieth durch Übertritt zum Flugwetterdienst aus.
Eine vorübergehende Hilfskraft wurde von der Notgemeinschaft für August-
September 1934 in cand. rer. nat. W. Portig bewilligt, ein Stipendiat vom 1. X. 34
ab für Dr W. Piersig, der jedoch schon zum 31. 12. 34 zwecks Übertritt zum
Flugwetterdienst ausschied.
b) Aerologie.
Registrierballon-Auf stiege: Im Internationalen Monat, Januar 1934, wurden trotz
ungünstigster Witterung 24 Ballone aufgelassen, von denen 23 [96 °/ 0 ] wieder
aufgefunden wurden. — An den Internationalen Tagen im Mai 1934 konnten
wegen starker südwestlicher Luftversetzung und der dadurch bedingten Gefahr
des Apparateverlustes Ballonsonde-Aufstiege nicht erfolgen. Statt dessen wurde
am 30./31. Mai bei günstigem Wetter der Versuch gemacht, 10 Aufstiege in drei
stündigen Abständen — auch nachts — zur Untersuchung der täglichen Periode
aufzulassen; außerdem wurden während der Tageszeit 8 Flugzeugaufstiege bis
4 km ausgeführt, mit dem der Seewarte durch den Herrn Reichswehrminister leih
weise überlassenen Klemm-Argus-Flugzeug D-Exos. Der Zweck war, die bei Re
gistrierballon-Aufstiegen infolge der langsamen Bodeneinstellung möglicherweise
nicht ganz fehlerfreien Gradienten der untersten Höhenschichten durch eine
unabhängige Methode zu sichern. — Alle 10 Apparate wurden aufgefunden. —•
Die Gesamtzahl der Registrierballon-Aufstiege betrug 34, die der aerologischen
Flugzeugaufstiege 15. Siebzehn durch cand. rer. nat. W. Portig ausgewertete
Registrierballon - Aufstiege ergaben eine Mittelhöhe von 17665 m; Maximum
31 290 m am 25. Januar 1934. Bemerkenswerterweise wurden diese Aufstiege
nur mit normalen Ballonen von 2 bis 2*/ 2 kg Gewicht ausgeführt. Die beacht
liche Steigerung der Mittelhöhen von 4 km ist der Einführung eines neuen
Herstellungsverfahrens für die Gummiplatte seitens der Gummiwarenfabrik Saul-
Aachen zu verdanken. Eine entsprechende Höhensteigerung fand auch bei den
Pilotmessungen statt.
Durch den wiss. Hilfsarbeiter der Hamburgischen Universität Dr. Hans
Müller wurde nach der früher von Dr. E. Frankenberger entwickelten Methode
eine Neubestimmung der anzubringenden Korrektionen infolge der Temperatur
abhängigkeit der Luftdruckbestimmung (Kompensationsdruck) durchgeführt.
Hierbei wurden in einem luftdicht verschließbaren Metallkasten die Apparate
gleichzeitiger Druck- und Temperaturerniedrigung ausgesetzt. Die Temperatur
wurde thermoelektrisch gemessen.