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Das sechzigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1934.
Wochen des Berichtsjahres die planmäßige Zahl der Meteorologen (4) in Ham
burg erreicht worden ist. Da gegenüber dem Vorjahre die Anzahl der hier
abgegebenen Wetterberatungen und der drahtlosen Wetterberichte sich nahezu
verdoppelt hat und durch die Einrichtung der Wetterwarte auf M. S. „Schwaben
land“ die betrieblichen Arbeiten für die Außenstellen sich ebenfalls erheblich
vermehrt haben, trat selbst bei Beschränkung auf den laufenden Dienst mit
häufigen Nachtdiensten — und auf die dringendsten sonstigen Arbeiten eine
sehr große Überlastung der Meteorologen ein, die z. T. im Sommer und
Herbst nur an 5 Sonntagen dienstfrei waren. Auch bei den technischen An
gestellten machte sich während der Hauptbetriebszeit die Überlastung bemerk
bar; unter ihrem Einfluß fielen im Sommer- und Herbst nacheinander Hilfs
kräfte krankheitshalber 12 Wochen aus.
b) Maritime Aerologie,
Laufende Höhenwindinessungen auf Handelsschiffen: Von den sechs Höhen
windmeßstellen auf deutschen Handelsschiffen waren wie im Vorjahre drei auf
der Südamerikafahrt eingesetzt (A auf D. „Cap Arcona“, C auf D. „Sierra Sal-
vada“—„Cap Norte“, E auf M. S. „General Osorio“), zwei auf der New-York-
Fahrt (B auf D. „Deutschland“, D auf D. „Albert Ballin“) und eine auf der
Cuba—Mexiko-Fahrt (F auf D. „Sierra Ventana“). D. „Sierra Ventana“ liegt
allerdings seit Dezember auf. Die im Berichtsjahre erfolgte Neuordnung der
Liniendienste der Reedereien bedingt einen häufigeren Wechsel der beobachten
den Schiffsoffiziere. Trotzdem sind 709 brauchbare Höhenwindmessungen ge
liefert worden, die sich für die Diagnose der Wetterlage auf dem Atlantischen
Ozean wie für die Durchführung des Ozeanluftverkehrs sehr gut bewährt haben.
47.8 vH. der Höhenwindmessungen sind der Seewarte drahtlos übermittelt
worden. Für die Durchführung der zeitraubenden Beobachtungen sei
den beteiligten Reedereien, der Hamburg-Südamerikanischen Dampf
schiffahrtsgesellschaft, der Hamburg - Amerika Linie und dem Nord
deutschen Lloyd, den Schiffsleitungen und den beobachtenden Schiffs-
Offizieren auch an dieser Stelle besonderer Dank zum Ausdruck ge
bracht.
Die Meßstellen sind während der Liegezeiten der Schiffe im Hamburger
Hafen zur Besprechung mit den Beobachtern regelmäßig besucht worden
(47 Hafenbesuche). Die technische Versorgung ist wie bisher durch die
MVA erfolgt.
Die zusammenfassende Bearbeitung der Höhenwindbeobachtungen ist durch
Dr. Lohr so weit gefördert worden, daß am Schlüsse des Jahres die Mittelwerte
für die Fünfgradfelder des Nordatlantischen Ozeans fast vollständig Vorlagen.
Forschungsfahrten: Nach längerer Unterbrechung konnte wieder eine aero-
logische Forschungsfahrt stattfinden. Mit Rücksicht darauf, daß auf der Süd
amerikafahrt 3 Höhenwindmeßstellen und die Flugwetterwarten M. S. „Schwaben
land“ und D. „Westfalen“, auf der New York-Fahrt 2 Meßstellen regelmäßig
tätig sind, ist die Fahrt auf dem nach Westindien verkehrenden M. S. „Caribia“
im August durchgeführt worden. In dankenswertester Weise hat die Hamburg-
Amerika Linie für den Meteorologen Dr. Roediger (III) einen Platz zur Ver
fügung gestellt, dem stud. Externbrink, als überzähliger Schiffsoffizier mitfahrend
beigegeben war. Auf der Fahrt sind außer sonstigen Beobachtungen 65 Höhen
windmessungen eingebracht worden.
c) Ozeanflugwetterdienst.
Mit Wetternachrichten versorgte Flüge: Die Zahl der Südamerikafahrten des
L. S. „Graf Zeppelin“ ist von 9 in den beiden Vorjahren auf 12 im Berichtsjahre
erhöht worden. Mit der 12. Fahrt, die der Beförderung von Weihnachts-Post
und -Fahrgästen diente (Friedrichshafen—Friedrichshafen 8.—18. XII.) ist der
Luftschiffverkehr erstmalig auf den Winter ausgedehnt worden. Die 3. Fahrt
hat über Rio de Janeiro hinaus nach Buenos Aires geführt. Auch für diese
Strecke ist das Luftschiff ausgehend und heinikehrend mit Wetterübersichten