Das sechzigste Jahr der Deutschen Seewarle, 1934.
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Gruppe W/S.
Seeflug,
a) Allgemeines.
Die deutsche Transozean- (T-0-) Strecke nach Südamerika ist erstmalig das
ganze Jahr hindurch beflogen worden, von Januar bis Mitte Juli in vierzehn
tägigem, dann in einwöchigem Dienst. Bis Mitte Mai hat die Deutsche
Lufthansa den T-O-Verkehr mit Flugzeugen durchgeführt, wobei ihr Flug
stützpunkt D. „Westfalen“ wie im Vorjahre zwischen Westafrika und Süd
amerika auf dem Ozean zur Aufnahme und zum Abschleudern der eingesetzten
Wal-Flugboote kreuzte. Ende Mai nahm das L. S. „Graf Zeppelin“ seine
Planfahrten nach Südamerika wieder auf, und D. „Westfalen“ kehrte zu Über
holungsarbeiten vorübergehend auf die Unterweser zurück. Bei dieser Gelegen
heit ist auf der Flugwetterwarte D. „Westfalen“ Dr. Wagner nach rund ein
jähriger Tätigkeit gegen Dr. Soltau ausgetauscht worden. Nachdem D. „West
falen“ wieder auf Station war, konnte der Luftverkehr zu einem wöchentlichen
verdichtet werden: In gemeinschaftlichem Flugplan des Luftschiffbaus Zeppelin
und der Deutschen Lufthansa (Start in Friedrichshafen-Stuttgart jeweils sonn
abends, Start in Pernambuco-Natal jeweils freitags) verkehrten von Ende Juli
bis Anfang November abwechselnd Luftschiff und Flugzeug. Dann wurde der
wöchentliche Dienst von der Lufthansa übernommen, jedoch hat L. S. „Graf
Zeppelin“ in diesem Plan vor Weihnachten noch eine weitere (12.) Fahrt nach
Pernambuco-Rio de Janeiro („Weihnachtsfahrt“) durchgeführt.
Ein wöchentlicher Flugzeugverkehr erfordert zwei Stützpunkte, je einen
auf der afrikanischen und südamerikanischen Seite. Auf dem zum 2. Flugzeug
hilfsschiff umgebauten M. S. „Schwabenland“ (aus M. S. „Schwarzenfels“ der
D. D. G. Hansa) mußte die Seewarte ebenfalls eine Wetterwarte einrichten. Für die
im August erfolgte Ausreise von M. S. „Schwabenland“ war diese durch Dr. Paap
(bisher Gruppe III) und den vom Reichsamt für Wetterdienst als Praktikanten
überwiesenen Dr. Wölcken besetzt. Bei dem Zusammentreffen beider Schiffe in
Bathurst (Gambia) ist dann Anfang September das Meteorologenpersonal in der
Weise verteilt worden, daß auf dem auf der afrikanischen Seite (Hafen: Bathurst)
tätigen M. S. „Schwabenland“ Dr. Soltau und Dr. Paap eingesetzt worden sind,
während auf dem für die südamerikanische Seite (Hafen: Pernambuco) bestimmten
D. „Westfalen“ Dr. Regula verblieb, zu dem der Praktikant Dr. Wölcken trat.
Ende November ist auf der Wetterwarte D. „Westfalen“ Dr. Regula nach
dreizehnmonatiger Tätigkeit durch Dr. Bullig abgelöst worden. Die Ausreise
nach Pernambuco auf M. S. „General Osorio“ hat Dr. Bullig zur Mitarbeit an
der auf diesem Schiff befindlichen Höhenwindmeßstelle E und zu meteorologischen
Beobachtungen ausnützen können. Dr. Regula ist nach Ausschiffung von D.
„Westfalen“ auf Flugzeugen des Condor-Syndikats von Pernambuco nach Rio de
Janeiro geflogen, um von Rio aus auf L. S. „Graf Zeppelin“ während der Weih
nachtsfahrt heimzukehren. Im Sommer hat Dr. Wagner an einem Ozeanflug
von D. „Westfalen“ nach Bathurst, Dr. Regula an einem Ozeanflug von D. „West
falen“ nach Bathurst und weiter nach Las Palmas, Dr. Bullig an einem Fluge
von D. „Westfalen“ nach Rio de Janeiro teilgenommen. Die Luftschiffahrt Rio—
Pernambuco — Friedrichshafen und die verschiedenen Ozean- und Küstenflüge
haben die meteorologischen Erfahrungen der beteiligten Meteorologen wertvoll
bereichert. Dem Luftschiffbau Zeppelin, der Deutschen Lufthansa und
dem Condor-Syndikat sei für die Teilnahme der Meteorologen an Luft
schiffahrt und Flügen auch an dieser Stelle der Dank der Deutschen
Seewarte zum Ausdruck gebracht.
Die Tätigkeit auf den beiden schwimmenden Wetterwarten in den atlantischen
Tropen macht es notwendig, das Personal nach etwa einjährigem Borddienst
abzulösen und ihm anschließend einen etwas längeren Urlaub zu gewähren. In
folge dieses Austausches mit den zeitraubenden Aus- und Heimreisen entsteht
bei der Gruppe ein ganz bedeutender Personalausfall, sodaß nur an wenigen