Das sechzigste Jahr der Deutschen Seekarte, 1934.
33
gestellt. Zur Ergänzung des für Forschungs- und Studienfahrten vorhandenen
Instrumentariums wurden 20 Thermometer für die Aspirations-Psychrometer
beschafft.
Dr. Roediger und stud. Externbrink führten eine meteorologische Studien
fahrt nach Westindien auf M. S. „Caribia“ aus.
Bearbeitung von Beobachtungen: Gutachten: Eine wichtige Arbeit zur mari
timen Meteorologie wurde im Oktober begonnen in Zusammenarbeit mit den
Gruppen N/I und N/II, nämlich eine klimatologische Verarbeitung der für die
Nordsee aus den Jahren 1904/34, für die Ostsee aus den Jahren 1904/32 vor
liegenden Schiffswetterbeobachtungen. Hierbei sind von der Nordsee etwa 249000,
von der Ostsee 240000, also zusammen fast eine halbe Million Beobachtungen
verwandt worden. Für jedes Eingrad-Feld und jeden Monat wurden die mittlere
Windstärke und mittlere Lufttemperatur sowie die Häufigkeit von Nebel, Nieder
schlag und der Windstärken Beaufort 6—12 und 8—-12 (Sturm) berechnet. Die
errechneten Werte wurden in Arbeitskarten eingetragen. Ferner sind die mittlere
Lufttemperatur, die mittlere Windstärke und die Häufigkeit der Windstärken
6—12 und 8—12 aus den deutschen, dänischen, schwedischen und finnischen
Feuerschiffs-Beobachtungen berechnet worden, soweit diese Werte aus den klima-
tologischen Veröffentlichungen der betreffenden Länder nicht unmittelbar ent
nommen werden konnten. Diese Arbeiten bedingten die Heranziehung von zwei
besonderen Rechnern. Neuzeitliche Rechenmaschinen wurden hierbei erstmalig
benutzt.
Zur Hilfe bei der Auswertung der meteorologischen Ergebnisse der Deut
schen Atlantischen Expedition („Meteor“) waren unter Leitung von Prof. Kuhl-
brodt tätig als Notgemeinschafts-Stipendiaten die Meteorologen Dr. H. Müller,
nach dessen Fortgang Dr. W. Leistner und Dr. H. Schultz.
An Seeämter und andere Stellen wurde eine größere Zahl von Gutachten
über vergangenes Wetter auf See erteilt.
Mitarbeit an den Seehandbüchern der Reichsinarine: Über die Beteiligung der
Gruppe an den 1934 herausgegebenen Handbüchern siehe S. 12 f. Die Bearbeitung
des Abschnittes „Wind und Wetter“ in dem a. a. O. genannten „Hdb. der Nordatlant.
Inseln“ ist durch Professor Kuhlbrodt erfolgt. Die entsprechenden Abschnitte
folgender bis zum Schluß des Berichtsjahres noch nicht erschienenen Handbücher
sind ebenfalls von der Gruppe W/Kl bearbeitet worden: „Mittelmeer“, I. u. IV. Teil
(Dr. Becker), „Westindien“, II. Teil (Dr. Wittenbecher), „Ostsee“, Nördl. Teil
(Dr. Roediger).
Lehrtätigkeit und Unterrichtung. Für den Seefahrtlehr er-Kursus [vgl.
S. 16] konnten in diesem Jahre in größerem Umfange maritim-meteorologische
Musterbeispiele vorbereitet werden. Die Kursusteilnehmer erhielten 10 Beispiele
von Ozean-Funkwetterberichten der Seewarte, des amerikanischen Wetterberichtes
und des italienischen Mittelmeer-Sammelobs und 3 mit Eintragungen versehene
Bordwetterkarten. Dieses Material wurde auch den an diesem Kursus nicht ver
tretenen Seefahrtschulen zugesandt. Ferner erhielten alle Seefahrtschulen
als Lehrmaterial 3 Beispiele des Ozean-Funkwetterberichtes der Seewarte (Ent
wicklung eines Orkan-Tiefs) und eine kurze Anleitung für das Zeichnen von
Bordwetterkarten. Den Seefahrtschulen werden künftig mehrmals im Jahre für
den Unterricht besonders geeignete Beispiele der deutschen und ausländischen
Seewetterberichte übermittelt werden.
Der Seefahrtlehrer Hopfner (Hamburg), die Seefahrt-Oberlehrer-Anwärter
Kempf und Remme (Altona) und der 3. Offizier Rückert von der Hamburg-
Amerika Linie hielten sich längere Zeit zur Unterrichtung über die Organisation
des Seewetterdienstes und über die maritime Meteorologie bei der Gruppe Kl
auf; sie wurden eingehend im Zeichnen von Bordwetterkarten unterwiesen.
An der Hamburgischen Universität hielt Prof. Kuhlbrodt eine Vorlesung
über die Klimatologie der Ozeane und gab Anleitung zu wissenschaftlichen
Arbeiten in der Maritimen Meteorologie.